"Bedouin" in Darmstadt

Der Dippegucker vom 22.09.2018: das "Bedouin" in Darmstadt.

Dieses Mal waren unsere Dippegucker zu Gast im "Bedouin" in Darmstadt. Gerichte aus Eritrea, der ursprünglichen Heimat des Besitzers Tesfalul Mebrahtu, stehen hier auf der...

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Darmstadt. Was Reis in Asien ist, ist Injera in Ostafrika. Injera ist ein weiches, gesäuertes Fladenbrot, das wegen seiner Optik und Konsistenz auch Schwammbrot genannt wird. Das afrikanische Gebäck kommt auch in Darmstadts Bedouin oft als Beilage zum Hauptgang auf den Tisch. Mit seiner lockeren Atmosphäre passt sich das Bedouin am Schloßgartenplatz 11 dem Rest des Martinsviertels an. Die minimalistische Innen-und Außeneinrichtung wirkt schlicht und leicht rustikal. Holzmöbel bieten drinnen und draußen Platz, um sich niederzulassen. Eine besondere Sitzmöglichkeit bietet zudem der offene Truck vor der Tür, der immer schnell belegt ist.

Auch typisch ostafrikanisch sind Fleischeintöpfe und mit vielen verschiedenen Gewürzen gekochtes Gemüse. Daher eignet sich für unentschlossene zum Kosten der Bedouin-Teller (13,60 Euro). Bei der Probier-Kombination kommen verschiedenen Fleisch- und Gemüsegerichte auf Injera. Das Brot ist bei den Gerichten nicht nur Beilage, sondern gleichzeitig auch ein Esswerkzeug. Denn die verschiedenen Fleischeintöpfe und das Gemüse liegen auf dem gebackenen Sauerteig und können in kleine Stückchen davon eingerollt werden. Wer nicht so gerne säuerliches Brot isst, kann als Beilage zu den Hauptgerichten Couscous wählen. Das Essen kommt schnell aus der Küche. Der Bedouin-Teller ist hübsch angerichtet – die verschiedenen Farben der Fleischsorten und des Gemüses geben ein buntes Bild ab. Zwischen Lamm-, Hähnchen- und Rindfleisch liegen Blattspinat, etwas Blatt- und Linsensalat und Kartoffeln, Paprika, Karotten und Zwiebeln. Alle drei Fleischsorten, die aus Landwirtschaften aus dem Odenwald stammen, sind zart. Der Favorit ist das Lammfleisch.

Die verschieden mit Koriander, Knoblauch, Kreuzkümmel, Limette und Kurkuma gewürzten Gemüse- und Fleischsorten harmonieren gut miteinander. Den Probier-Teller gibt es zudem auch in einer vegetarischen Variante. Dann kommt eine Kombination aus Ahdes (Rote Linsen mit Salat), Aliga (Karotten, Kartoffeln, Paprika und Zwiebeln) und Blattspinat. Neben dem Bedouin-Teller verkosten die Dippegucker als vegetarisches Gericht Ahdes (für 7,20 Euro) und zudem Zigni Mirach, Kalbfleisch in pikanter Tomaten-Zwiebel-Soße. Dazu wird statt Ingera Couscous serviert. Die pikante Soße schmeckt nicht zu scharf. Wer es noch würziger möchte, bekommt auf Nachfrage eine scharfe Paste aus der Küche. Der Service ist allgemein sehr aufmerksam und schnell.

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Die Hauptgerichte kosten zwischen 11 und 14 Euro. Hierbei sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht nur nach der Menge auf dem Teller bestimmt werden, sondern auch die Zubereitung sowie die Verwendung regionaler Zutaten berücksichtigt werden. In der Regel werden auch frische, saisonale Tagesgerichte – meistens Fisch – angeboten. Just beim Besuch der Dippegucker ist das allerdings nicht der Fall. Auch an Nachspeisen steht diesmal nur ein Gericht zur Auswahl. Das überzeugt aber geschmacklich umso mehr: Panna-cotta-Eis mit Feige und Holunder-Cassis-Soße. Für 4,80 Euro gibt es eine große Portion von dem geschmacklich perfekt abgestimmten Nachtisch. Als Kontrast zum Eis und zum Abrunden der Mahlzeit wird ein frischer Minztee mit Honig (3,30 Euro) bestellt.

Im Jahr 2005 hat Tesfalul Mebrahtu, in Darmstadt besser bekannt als „Tesi“, das Bedouin eröffnet und kocht seitdem Speisen aus seiner Heimat Eritrea in seinem Restaurant im Martinsviertel. Tesi ist ein gefragter Mann: Während des Besuchs der Dippegucker wird sich oft nach ihm erkundigt. Viele Gäste kommen nicht nur wegen des afrikanischen Essens immer wieder, sondern auch, weil die Atmosphäre im Bedouin so locker und gastfreundlich ist.