Rheinland-Pfalz will mehr Deutsch-Sprachkurse für...

Das Erlernen der deutschen Sprache gilt als Schlüssel zur Integration der Flüchtlinge in unserer Gesellschaft. Symbolfoto: dpa

Nicht alle Flüchtlinge können die Sprachkurse des BAMF nutzen. Rheinland-Pfalz will diese Lücke nun mit einem eigenen Angebot schließen.

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MAINZ. Umfragen zeigen, dass es durchaus eine Mehrheit gibt, die Einwanderung positiv bewertet. Die jüngste stammt von Rat der deutschen Integrations-Stiftungen. Auch helfen immer noch viele Deutsche ehrenamtlich in Aufnahmezentren oder betreuen privat Flüchtlinge. Wenn es Grund für Unmut gibt, liegt der oft in Abläufen rund um die Integration begründet, die nicht funktionieren.

Einer dieser Bereiche sind die Sprachkurse. Nicht alle Flüchtlinge können das Angebot des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nutzen. Das trifft vor allem Menschen, die nur geringe Chancen haben, rechtmäßig in Deutschland bleiben zu dürfen. Diese Lücke hat das Land Rheinland-Pfalz bisher provisorisch geschlossen. Nach Informationen, die dieser Zeitung exklusiv vorliegen, baut das zuständige Integrationsministerium dieses Angebot nun systematisch aus.

Alleine für 55 zusätzliche Kurse gibt das Land 375.000 Euro aus. An diesen nehmen zwischen acht und 15 Personen teil. Diese Kurse sollen verteilt werden. Sie sind deutlich umfangreicher als das bisherige Angebot: Die Kurse dauern 200 Unterrichtseinheiten, statt wie bisher 60 bis 100 Unterrichtseinheiten. Die Teilnehmer erreichen so ein entsprechend höheres Sprachniveau.

Land übernimmt Fahrkosten zu Kursen

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Die Teilnehmer können den Kurs mit einer freiwilligen Prüfung abschließen. Bestehen sie diese, erhalten sie ein Zertifikat. Das soll zum einen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Vor allem aber dient es als Motivation, am Ball zu bleiben, den Kurs nicht zwischendrin hinzuschmeißen.

Ein weiterer Schritt des Integrationsministeriums, um ein vorzeitiges Aufgaben zu verhindern: Das Land übernimmt die Fahrtkosten. Wer in einem Dorf lebt, kommt auf bis zu 200 Euro, die er im Monat zahlen muss, um einen Kurs regelmäßig besuchen zu können. Für das Land fallen somit noch mal zusätzliche Kosten von 500.000 bis gut einer Million Euro an – je nach Teilnehmerzahl und Durchhaltevermögen.

Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel gilt als Vertreterin eines Kurses der „humanen Flüchtlingspolitik“. Sie ist die potentielle Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl 2021. Gelingt es, eingewanderte Menschen – auch welche mit eigentlich schlechter Bleibeperspektive – in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dürfte das entsprechend zum wichtigen Argument im Wahlkampf werden.

Ziel ist eine "Sprachbildungskette"

Die Strategie, die das Integrationsministerium umzusetzen versucht: Es soll eine „Sprachbildungskette“ entstehen. Über Sprach- und Integrationskurse will das Ministerium die Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren. Sind die demnächst startenden Kurse erfolgreich, will das Land Anschlusskurse einführen, die noch in der ersten Hälfte des kommenden Jahres starten sollen.

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Die eigenen, zusätzlichen Angebote will das Land mit den Kursen des Bundes harmonisieren. So sollen Parallelstrukturen vermieden werden. Heißt: Bietet das BAMF einen Kurs schon an, wird das Land keinen zusätzlichen bereit halten, sondern die hier Lebenden ermutigen, diese zu besuchen.

Das Integrationsministerium ermöglicht auch Kurse, die nur für Frauen zugänglich sind. In diesen würde Kinderbetreuung angeboten, die mit den Terminen der einzelnen Unterrichtseinheiten abgestimmt ist.

Von Mario Thurnes