Dreyer: Menschen im Mittelrheintal vor Bahnlärm schützen

400 bis 600 Züge quälen sich Tag für Tag durch das Mittelrheintal. Archivfoto: dpa

400 bis 600 Züge rauschen jeden Tag durchs Mittelrheintal. Die Politik fordert Entlastung. Ministerpräsidentin Malu Dreyer traf jetzt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

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MAINZ/WIESBADEN. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist guten Mutes, dass es bei der Entlastung der Menschen im Mittelrheintal von Bahnlärm vorangeht. So habe Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ihr zugesichert, dass eine Machbarkeitsstudie für eine Alternativtrasse bis Sommer in Auftrag gegeben werde. „Ich bewerte dies als positives Signal. In dem Gespräch habe ich den Minister weiterhin darum gebeten, dass bei der Beurteilung neben der Wirtschaftlichkeit auch Faktoren wie Lärmbelastung und Sicherheitsaspekte eine stärkere Berücksichtigung finden.“

Derzeit quälen sich am Tag mehr als 400 Züge durch das enge Tal, 2030 werden es Prognosen zufolge etwa 600 sein. Das Mittelrheintal ist wichtiger Teil der Nord-Süd-Verbindung von Rotterdam bis Genua. 2016 wurde in der Schweiz der Gotthard-Basistunnel eröffnet, der das Problem für die Menschen in Hessen und Rheinland-Pfalz vergrößert hat. Für Aufsehen hatten vor einigen Wochen Äußerungen aus dem Hause Scheuer gesorgt, nachdem sich eine Alternativtrasse durch Westerwald und Taunus erst bei einem Zehnfachen der Menge wirtschaftlich rechnen würde. Das wären rechnerisch 4000 bis 6000 Züge am Tag. Bürgerinitiativen hatten daraufhin aufgeheult.

Dreyer: Wir haben jetzt mehr Klarheit

Wie Dreyer mitteilte, habe das Gespräch mit Scheuer diesbezüglich mehr Klarheit gebracht. „Das Bundesverkehrsministerium geht von einer deutlichen Steigerung der Güterverkehrsleistung auf der Schiene bis zum Jahr 2050 aus. Da diese Erwartungen jetzt miteinbezogen werden, erhöhen sich unsere Chancen, dass wir bei der Machbarkeitsstudie ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis erreichen.“

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Die CDU begrüßte das Gespräch. In der Frage, die Menschen im Mittelrheintal vor Bahnlärm zu schützen, sei man sich mit Malu Dreyer einig, teilte CDU-Fraktionschef Christian Baldauf mit. Technischer Lärmschutz und eine Ausweichstrecke, die Teil des Güterverkehrs aufnähmen, könnten nur eine Übergangslösung sein, so Baldauf. „Wirkliche Abhilfe wird nur eine Alternativstrecke – also eine Neubaustrecke – schaffen.“ Dazu müssten die Rheinland-Pfälzer „auf allen Ebenen parteiübergreifend an einem Strang ziehen“. Die Grünen fordern überdies rasche Hilfe für die Anwohner. Neben Lärmschutzwänden seien das Schienenstegsdämpfer und Lärmsanierungen an den Gleisen, Umrüstung der Waggons auf leisere Bremssohlen, auch lärmabhängige Trassenpreise, Tempolimits und Nachtfahrverbote.

Neben Baldauf und Dreyer hatte auch Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) in Berlin für eine Entlastungsstrecke geworben. Dass jetzt die Machbarkeitsstudie komme, sei im Grunde „eine Rolle rückwärts“ der Bundesregierung, hieß es vom verkehrspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Steven Wink. Er wies darauf hin, dass Scheuers Staatssekretär Enak Ferlemann die rheinland-pfälzischen Bemühungen um eine Alternativtrasse unlängst noch als „Klamauk“ bezeichnet habe.

Von Markus Lachmann