Wie Hessen Weidetiere vor Wölfen schützen will

Das Land Hessen will sich für den Schutz von Wölfen und Weidetieren einsetzen. Archivfoto: dpa

Fünf Wölfe sind in Hessen sesshaft - und es werden wohl mehr. Umweltministerin Hinz hat nun einen Plan vorgestellt, wie Schafe und Co. vor den Wildtieren geschützt werden sollen.

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WIESBADEN. Das Zusammenleben von Wolf, Mensch und Nutztieren soll in Hessen so konfliktfrei wie möglich gestaltet werden. Mit diesem Ziel hat Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag einen neuen Plan für Wolfsmanagement vorgelegt, der vor allem auf mehr Vorsorge der Weidetierhalter setzt. Mit finanzieller Unterstützung des Landes sollen unter anderem mehr und höhere Schutzzäune errichtet werden, die Wölfe mit elektrischem Strom davon abschrecken sollen, Schafe, Ziegen und andere Weidetiere zu reißen. Außerdem sind auch mehr Beratung und Überwachung, die Anschaffung von Schutzhunden sowie eine höhere Entschädigung für Fälle vorgesehen, in denen doch Tiere von Wölfen getötet werden. Ein Abschuss von Wölfen komme nur als allerletztes Mittel infrage, betonte Hinz.

Derzeit sind in Hessen fünf dieser Wildtiere als sesshaft bekannt, nämlich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, im Rheingau-Taunus-Kreis, im Vogelsberg, im Stölzinger Gebirge in Nordhessen sowie im Odenwald an der Grenze zu Baden-Württemberg. Der Jahrhunderte lang bejagte und schließlich ausgerottete Wolf gilt damit als wieder nach Hessen zurückgekehrt. "Wir müssen jederzeit mit Wölfen rechnen, nicht nur mit durchziehenden", sagte die Ministerin. Nach Angaben des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gab es im vergangenen Jahr landesweit sieben Vorfälle, in denen Wolfe insgesamt 30 Weidetiere gerissen haben. In diesem Jahr sei bislang erst ein derartiger Fall bekannt, sagte Amtsleiter Thomas Schmid. In der Regel ernährten sich die Wölfe von Wildtieren, vor allem Rehen.

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Hinz betonte aber, die Landesregierung nehme die Sorgen der Weidetierhalter sehr ernst. Mit den mehr, höheren und vor allem elektrifizierten Zäunen sollten die Wölfe gezielt auch mit Schmerzen lernen, dass Schafe und Ziegen keine leichte Beute seien. Das Land stelle jetzt zusätzlich eine Million Euro im Jahr für Schutzmaßnahmen zur Verfügung und erhöhe auch die Prämien zur Entschädigung der Halter für dennoch gerissene Tiere. Dazu könnten in Ausnahmefällen auch Kälber und kleine Pferde gehören. Auch für die Betriebskosten der Schutzvorrichtungen werde das Land aufkommen und sie an Fachfirmen vergeben. Der Wolfsmanagementplan wurde den Angaben zufolge unter gemeinsamer Beteiligung von Weidetierhaltern und Naturschutzverbänden erarbeitet.

Bei dem Landesamt HLNUG wird nach Angaben seines Präsidenten Schmid ein Wolfszentrum eingerichtet, für das bereits zwei Mitarbeiterinnen abgestellt wurden. Zwei weitere Stellen würden demnächst ausgeschrieben. Das Zentrum soll für das Wolfsmonitoring und die Weiterentwicklung des Managementplans zuständig sein. Zudem wird eine Hotline eingerichtet, an die sich Betroffene bei Verdacht auf Tierrisse durch Wölfe wenden können. Auch Spaziergänger und Wanderer sollen Beobachtungen online melden können. Zudem soll in jedem der landesweit 39 Forstbezirke ein Mitarbeiter als Wolfsbeauftragter zur Verfügung stehen. Allein dafür würden 18 zusätzliche Stellen ausgeschrieben.

Aber auch mit Ehrenamtlichen sowie mit anderen Bundesländern und dem Bund werde zusammengearbeitet. Die Umweltministerkonferenz der Länder werde im Herbst versuchen, zu möglichst einheitlichen Regelungen in Deutschland zu kommen, kündigte Hinz an.

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Von dpa