Landwirtschaftsministerin Priska Hinz will in Hessen den...

Ein Weinbergstraktor mit einem Kombigerät aus Fingerhacke und Rollhacke. In Weinlagen bei Geisenheim testen Winzer, wie sie mit neuen rein mechanischen Arbeitsschritten den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern können. Foto: dpa

Die Grünen sprechen von einer „Glyphosat-Ausstiegsstrategie“: Hessens Landwirtschaftministerin Priska Hinz (Grüne) will den Einsatz glyphosathaltiger Herbizide in der...

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WIESBADEN. Von einer „Glyphosat-Ausstiegsstrategie“ sprechen die hessischen Grünen. Für die bekommt Hessens Landwirtschaftsministerin viel Lob auch vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND): Priska Hinz (Grüne) wolle endlich den Einsatz glyphosathaltiger Herbizide in der Landwirtschaft, in Wäldern, Gärten und auf Freiflächen beenden.

Langwierig und schwierig

Den guten Vorsatz mag die Ministerin haben. Die Umsetzung indes ist langwierig und schwierig. Priska Hinz nehme „den Mund etwas voll“, meinen etwa die Linken im Landtag. Beispiel der Landesbetrieb Hessen-Forst. „Auch im Staatswald wird seit 2016 kein Glyphosat eingesetzt“, schreibt sie. Tatsächlich gilt die Regel für 40 Prozent des hessischen Waldes, der im Eigentum des Landes ist. Nicht aber für Kommunal- und Privatwald. Doch auch beim Staatswald gibt es eine Ausnahme: Das Forstamt Groß-Gerau setzt nach wie vor Glyphosat ein, um auf 1354 Hektar die späte blühende Traubenkirsche zu bekämpfen. Der Strauch ist aus Nordamerika eingewandert und hier unerwünscht. Merkwürdigerweise gilt der 2007 vereinbarte Einsatz des Unkrautvernichters als Ausgleich für den Eingriff in die Natur, den der Bau der Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen darstellt. Jetzt kündigte das Ministerium auf Anfrage dieser Zeitung an, man verhandele mit Fraport, um die Festlegung, die noch bis zu Jahr 2028 gilt, früher als vereinbart zu beenden.

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Priska Hinz sitzt im Aufsichtsrat der hessischen Staatsweingüter, deren Reben auf 240 Hektar gedeihen. 92 Hektar davon sind Steillagen. Der Einsatz von Glyphosat habe in den vergangenen Jahren wesentlich reduziert werden können, so Dieter Greiner, Geschäftsführer von Deutschlands größtem Weingut. Doch gebe es in den Steillagen „derzeit noch keine praktikablere und umweltschonendere Alternative zum sachgemäßen Einsatz von Glyphosat“.

Vorbildfunktion

Der Ministerin ist die Vorbildfunktion wichtig: auf zwei vom Land selbst bewirtschafteten, landwirtschaftlichen Betrieben – dem Eichhof bei Bad Hersfeld und der nordhessischen Domäne Beberbeck – sei der Glyphosatausstieg bereits vollzogen. Beberbeck glyphosatfrei: Den BUND freut das „besonders“. Damit sei „eine langjährige Forderung unseres Verbandes erfüllt worden“. Nur: Das Land hat insgesamt 42 Domänen mit insgesamt 6 334 Hektar. Und auf nur 13 Domänen mit 1 609 Hektar wird ökologische Landwirtschaft betrieben, die den Einsatz des von den Grünen „Ackergift“ genannten Glyphosats verbietet. Immerhin will die Ministerin bei künftiger Neuverpachtung der Domänen den Glyphosatverzicht zum Bestandteil neuer Pachtverträge machen – was viele Jahre in Anspruch nehmen wird.

Zu den Leistungen der Ministerin zählt die Förderung des Öko-Landbaus. Zu Beginn dieser Legislaturperiode waren 78.500 Hektar nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet worden. Heute sind es bereits 102.500 Hektar. Das entspricht 13,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche, auf denen nach allen Regeln der Öko-Kunst kein Glyphosat eingesetzt werden darf. Diese Regeln gelten allerdings nicht für die restlichen 86,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Dort muss Priska Hinz auf das Prinzip Hoffnung setzen: Dass auch die konventionelle Landwirtschaft „vermehrt umweltfreundliche Methoden einsetzt“.

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Das Prinzip Hoffnung gilt auch bei öffentlichen Flächen, auf denen der Einsatz von Glyphosat beantragt und genehmigt werden muss. Viele Kommunen verzichteten bei der Pflege ihrer Grün- und Verkehrsflächen freiwillig auf glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel, so Priska Hinz. Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser. Die aber finde im Fall der Kommunen nicht statt, moniert die Linke im Landtag. Dies habe Priska Hinz in der Sitzung des Umweltausschusses einräumen müssen.

Von Christoph Cuntz