Georg Bätzing neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

Neuer Mann an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland: Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist am Dienstag in Mainz zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Foto: Harald Kaster

Neuer Aufbruch in der katholischen Kirche? Der Limburger Bischof wurde in Mainz zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt - er gilt als Reformer.

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Mainz. Neuer Mann an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland: Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist am Dienstag in Mainz zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er ist der Nachfolger von Reinhard Marx (München-Freising), der nach sechs Jahren an der Spitze seinen Rückzug bereits vor Wochen angekündigt hatte. Bätzing (58) gilt als Vertreter des Reformer-Flügels in der Bischofskonferenz, er war schon im Vorfeld als einer der aussichtsreichsten Kandidaten genannt worden. Er steht zudem für den Generationswechsel in der Bischofskonferenz, den Marx in der Begründung für seinen Rückzug angemahnt hatte. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre.

In seiner ersten Stellungnahme nach der Wahl zum Vorsitzenden bekannte sich Bätzing klar zu einem Reformkurs und dem sogenannten Synodalen Weg, einem Dialogforum mit Laienverbänden. „Dafür stehe ich ganz und gar“, sagte Bätzing. Er sei überzeugt davon, dass man damit in „eine Phase des Einübens des Miteinanders“ trete, um das „Evangelium wieder in die Breite unserer Gesellschaft“ hineinzutragen. Die entsprechenden Auseinandersetzungen darüber in der Bischofskonferenz seien ein Spiegel der gesamten Gesellschaft, auch dort rede man viel häufiger über- statt miteinander: „Das Miteinander in der Bischofskonferenz ist nicht nur einmütig.“ Aber: „Es muss uns gelingen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagte Bätzing zu seiner künftigen Aufgabe und der der Bischofskonferenz. Zu seiner speziellen Rolle gehört es freilich auch, für die deutschen Positionen im Vatikan in Rom zu werben. „Ich spreche kein italienisch und bin nicht bewandert in der Kurie. Aber mir wurde schon Hilfe zugesagt von Leuten, die den Laden kennen“, sagte Bätzing.

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Bätzing will Ökumene stärken

Neben dem weiteren Reformkurs nannte er als wichtigste Herausforderung die Aufarbeitung der „schrecklichen Verbrechen des Missbrauchs“. Bei der Frage nach einer Entschädigung für die Opfer hofft er, eine Lösung zu finden, die „ein Signal den Betroffenen gegenüber ist, das aber auch in Kirchen und Gesellschaft anerkannt wird“. Als weitere große Aufgabe seiner Amtszeit sieht Bätzing die Stärkung der Ökumene, speziell auch die Vorbereitung des ökumenischen Kirchentages 2021 in Frankfurt. „Wir haben nur konfessionsübergreifend eine Wirkung“, sagte der Limburger Bischof.

Auch persönlich zeigte sich Bätzing „berührt, ein so großes Vertrauen“ bei den anderen Bischöfen zu genießen. „Ich habe auf dem Weg von Limburg hierher nicht damit gerechnet.“ Auf den Bischof wartet nun neben der „normalen“ Arbeit im Bistum und der Begleitung des Synodalen Weges, dessen Tagungen in Frankfurt und damit im Limburger Bistum stattfinden, die zusätzliche Aufgabe als Vorsitzender der Bischofskonferenz. Er hoffe, dass darunter seine Arbeit in Limburg nicht leiden werde, denn: „Ich bin sehr gerne Bischof von Limburg.“

Im dritten Wahlgang klar vor Essener Bischof

Zu den Ergebnissen in den einzelnen Wahlgängen wollte sich Bätzing nicht äußern. Nach Informationen der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ lag Bätzing schon im ersten Wahlgang vor dem Bamberger Bischof Ludwig Schick und Franz-Josef Overbeck (Essen). Auch nach dem zweiten Wahlgang, in dem ebenfalls eine Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Diözesan- und Weihbischöfe benötigt wird, lag er demnach vorn. Im dritten Wahlgang, in dem nur noch eine einfache Mehrheit nötig ist, lag Bätzing demnach klar vor Overbeck.

Der in Kirchen (Sieg) geborene Bätzing ist seit 2016 Bischof in Limburg. Zuvor war er von 2012 an Generalvikar in Trier. Bätzing studierte Theologie und Philosophie in Trier und Freiburg, zum Priester wurde er 1987 in Trier geweiht. In Limburg trat Bätzing 2016 ein sehr schwieriges Erbe an: Als Nachfolger des „Skandalbischofs“ Franz-Peter Tebartz-van Elst, der mit seinem autoritären Auftreten und seiner luxuriös ausgestatteten Residenz bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte, hatte er mit einem erheblichen Ansehensverlust der Kirche zu kämpfen.

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Bätzing musste tiefe Risse im Bistum versuchen zu heilen und verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen. Nach Einschätzung von Beobachtern hat der 58-Jährige dabei hervorragende Arbeit geleistet - möglicherweise gab dies nun auch den Ausschlag für seine Wahl in der Bischofskonferenz. Denn auch die gesamte katholische Kirche in Deutschland befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel.

Synodalen Weg gegen Kritik verteidigt

In der Debatte um Reformen in der Kirche hat sich Bätzing klar aufgeschlossen geäußert und positioniert. Den sogenannten Synodalen Weg, den Reformprozess zusammen mit Laien, hat er deutlich gegen Kritik verteidigt; dass Frauen von der Weihe ausgeschlossen sind, passe nicht mehr zu einer gesellschaftlichen Realität, in der Frauen und Männer schon lange in ihren Rechten eingeschränkt seien.

Demgegenüber ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki der prominenteste und einflussreichste Vertreter des Lagers derjenigen in der Deutschen Bischofskonferenz, die Reformen skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen. Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe befürwortet indes den Reformprozess. Zusammen mit Laienverbänden sollen beim Synodalen Weg in den nächsten zwei Jahren Reformschritte bei wichtigen Themen diskutiert werden: dem Pflichtzölibat, der priesterlichen Lebensführung, der Stellung der Frau und generell der Machtverteilung in der Kirche.

Beobachter erwarten Enttäuschungen

Die Hauptaufgabe des neuen Vorsitzenden wird nun sein, diesen Reformprozess zu begleiten und gegenüber dem Vatikan und der Weltkirche zu vertreten, und dabei auch die unterschiedlichen Positionen hierzulande zu berücksichtigen. Beobachter erwarten jedoch, dass für die Gläubigen hierzulande bei diesem Reformprozess Enttäuschungen programmiert sein werden. Grund: Etwa bei Ausnahmen vom Zölibat oder bei der Weihe von Frauen zu katholischen Priesterinnen kann Deutschland keine vom Vatikan und der Weltkirche abweichende Position einnehmen, und es ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, dass Papst Franziskus von seiner ablehnenden Haltung in diesen Punkten abweicht.