Corona-Neuinfektionen steigen sprunghaft auf mehr als 4000

Corona Foto: Thomas Söllner - stock.adobe

4058 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden: Angesichts solcher Zahlen warnte Gesundheitsminister Spahn davor, die Kontrolle zu verlieren. Kommt ein zweiter Lockdown?

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DEUTSCHLAND. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist sprunghaft auf mehr als 4000 binnen eines Tages angestiegen. Die Gesundheitsämter meldeten 4058 neue Corona-Infektionen innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag mitteilte. Das sind über 1200 mehr als am Mittwoch, als mit 2828 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert seit April gemeldet worden war. Ein höherer als der nun gemeldete Wert war zuletzt in der ersten Aprilwoche erreicht worden.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des RKI mindestens 310 144 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 8.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9578. Das sind 16 mehr als am Vortag. Rund 269 600 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Die Rate der positiven Tests stieg stark an und lag in der 40. Kalenderwoche (28.9.- 2.10.) bei 1,64 Prozent. In der Woche zuvor waren es 1,22 und davor 1,16 Prozent gewesen.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat am Donnerstag daher zu Wachsamkeit und raschem Gegensteuern vor Ort aufgerufen, um die Lage im Griff zu behalten. Der Anstieg auf mehr als 4000 Neuinfektionen binnen eines Tages sei besorgniserregend, sagte der CDU-Politiker in Berlin. Es gelte zu verhindern, dass es mit schnelleren Zuwächsen zu einem Moment komme, "wo wir die Kontrolle verlieren". Spahn betonte: "Da sind wir noch nicht." Es komme nun auf die Balance aus Zuversicht und Achtsamkeit an. Dies betreffe auch alle Bürger - beim Einhalten von Schutzregeln wie Abstand und Masken sowie Vorsicht bei Feiern.

"Es liegt an uns allen, ob wir es schaffen", sagte Spahn. "Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chancen des Virus gewaltig." Diese Pandemie sei auch "ein Charaktertest für uns als Gesellschaft", der nur gemeinsam zu bestehen sei. In der kalten Jahreszeit komme es ergänzend aufs Lüften und ein breites Nutzen der Corona-Warn-App an. Es gebe inzwischen mehr Wissen und Instrumente für den Kampf gegen das Virus. Die Zahl der Todesfälle und Intensivpatienten in den Kliniken sei momentan nach wie vor vergleichsweise niedrig.

Auch der Präsident des bundeseigenen Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, betonte: "Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr." Man könne nicht wissen, wie sich die Lage in Deutschland in den nächsten Wochen entwickeln werde. "Es ist möglich, dass wir mehr als 10 000 neue Fälle pro Tag sehen. Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet." Er hoffe aber, dass sich ein Niveau halten lasse, mit dem man umgehen könne. Ziel sei es, so wenige Infektionen wie möglich zuzulassen. Dann werde das Gesundheitssystem nicht überlastet, und nur dann verhindere man viele schwere Verläufe.

Vor allem jüngere Menschen stecken sich an

Spahn erläuterte, dass sich derzeit vor allem jüngere Menschen ansteckten - aber nicht nur. Gerade die Jüngeren hielten sich oft für unverletzlich. "Das sind sie aber nicht." Covid-19 sei weiterhin eine ernsthafte Erkrankung.

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Der Minister Spahn äußerte Verständnis für Corona-Vorgaben bei Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands im Herbst. Wichtig für die Akzeptanz sei aber ein möglichst einheitlicher Rahmen der Länder. Entscheidend sei eine rasche Eindämmung von Ausbrüchen in betroffenen Kommunen. Dies sei "die viel bessere Variante" als Beherbergungsverbote in der Folge. Die Länder hatten am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, dass Reisende aus Gebieten mit sehr hohen Infektionszahlen nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test haben. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Spahn will nicht von zweitem Lockdown reden

Spahn wandte sich dagegen, von einem möglichen "zweiten Lockdown" zu reden. Dies suggeriere, man wäre wieder in einer Lage von März/April. Es gebe inzwischen aber Erfahrungen, wie mit Schutzvorkehrungen in vielen Bereichen ein normaler Betrieb gelinge. Es gebe keine Ausbrüche beim Einkaufen, bei Friseuren und kaum welche im Nahverkehr. Auch in Schulen seien die Dinge insgesamt gut im Griff. Kritisch seien etwa Feiern und Veranstaltungen. Es sei richtig, wenn Städte wie nun Berlin mit Alkohol-Beschränkungen gegensteuern. Nötig seien aber auch Kontrollen und dass Bußgelder verhängt werden.

"Wir haben es gemeinsam in der Hand", sagte Spahn. Veranstalter wie Eingeladene sollten sich fragen, ob eine große Hochzeitsfeier "mitten in dieser Jahrhundertpandemie" sein müsse. Gottesdienste könne man mit Abstand machen oder eng beieinander auf kleinem Raum. Spahn zeigte sich skeptisch zu Forderungen nach Ampel-Darstellungen zum Infektionsgeschehen. Dies lege nahe, dass es automatisch eine bestimmte Reaktion gebe, Ausbruchsfälle seien aber komplexer.

Der Minister bekräftigte, dass ab Mitte Oktober auch Schnelltests eingesetzt werden sollen, vor allem in Pflegeheimen und Kliniken. Durch eine Bundes-Beteiligung an Verträgen seien vorerst bis zu neun Millionen Schnelltests pro Monat für den deutschen Markt gesichert. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte auch lückenlose Kontaktdokumentationen. "Nur so ist nachvollziehbar, welcher Pflegebedürftige oder Patient mit Personal und Besuchern wann und wo zu tun hatte", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Schnelltests sind sinnvoll, wenn sie zuverlässige Ergebnisse liefern."

Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen hatten die Bundesländer am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, dass innerdeutsche Urlauber aus Risikogebieten nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Fünf Länder gaben zu dem Beschluss aber abweichende Erklärungen ab. Thüringen machte deutlich, dass es ein Beherbergungsverbot nicht mittragen wolle, Berlin will zumindest nicht sofort einsteigen. Niedersachsen und Bremen wollen prüfen. Mecklenburg-Vorpommern will bei noch strengeren Quarantäneregeln bleiben.

Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen müssen sich im Herbst also bei Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands auf erhebliche Schwierigkeiten gefasst machen. Doch auch Reisen ins Ausland sind alles andere als einfach. Nach einer Aktualisierung der Liste mit Corona-Risikogebieten bleiben unter dem Strich nur noch wenige Länder übrig, für die weder vor Reisen gewarnt noch von ihnen abgeraten wird. Dazu zählen die beliebten Urlaubsländer Italien, Griechenland, Zypern und Malta.

Von dpa