BTW21 – Was Wähler wollen: Redakteur Nico Damm

aus Bundestagswahl 2021

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BTW People-Format, Nico Damm (38 Jahre alt) aus Frankfurt, Redakteur der Hochschul-Kommunikation der hda.  Foto: Guido Schiek / VRM Bild

Wir wollen in unserer Serie von Wählerinnen und Wählern wissen, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten. Heute sagt Redakteur Nico Damm seine Meinung.

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DARMSTADT. Zwei Jahre lang war er nicht nur raus aus dem Job, sondern auch raus aus Deutschland: Als junger Vater verbrachte Nico Damm (Jahrgang 1982) seine Elternzeit von 2018 bis 2020 mit kleiner Tochter in Kenia: Die Ehefrau arbeitet in der Entwicklungszusammenarbeit. „Das war eine großartige Erfahrung, kann ich allen Vätern nur empfehlen“, sagt Damm, mittlerweile Papa von zwei Töchtern. „Das heißt ja nicht, dass Erziehungszeit ein Karrierekiller sein muss.“

Damm arbeitete damals von Afrika aus als freier Journalist. Nun ist er zurück in der Pressestelle der Hochschule Darmstadt – Fachgebiet: Wissenschaftskommunikation. Wenn er aus Frankfurt zur Arbeit pendelt, dann immer öfter mit Rad statt Bahn – das Auto hat die Familie abgeschafft. Wegweisend war für ihn der Radschnellweg, der gerade zwischen Frankfurt und Darmstadt entsteht. Vorher wäre er nie auf die Idee gekommen, ins Büro zu strampeln. „Man muss die Infrastruktur schaffen, dann kommt die Nachfrage“, lautet seine Erkenntnis.

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Na, dann: Läuft doch mit dem Fortschritt. Oder? Von wegen: Mit der Lage im Land ist Nico Damm eher unzufrieden, konstatiert „16 Jahre Stillstand in verschiedenen Bereichen wie Bildung und Familie.“

Was wünscht er sich als junger Vater denn von der neuen Bundesregierung? „Es treibt mich als Vater um, dass ich meinen Töchtern einen Planeten übergeben will, der bewohnbar ist, dass sie alle Chancen haben, die ich auch hatte. Wenn wir als Menschheit so weiter machen, wird das nicht der Fall sein. Das beängstigt mich schon“, sagt er mit Blick auf die jüngsten Extremwetter-Ereignisse wie Hitzewellen und Fluten.

Nachhaltigkeit als zentrales Thema

Das zentrale Thema bei seiner Wahlentscheidung ist für Nico Damm – politisch sehr interessiert, aber nicht parteipolitisch aktiv – denn auch klar umrissen: „Für mich läuft alles bei der Nachhaltigkeit zusammen. Die Schwarze Null ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit.“ Die Doktrin vom ausgeglichenen Haushalt basiere auf einer „Milchmädchenrechnung“: Der Jugend von heute zwar weniger Schulden, aber zugleich einen Staat im Reform- und Investitionsstau zu hinterlasse, sei falsch. „Da werden Probleme auf die kommende Generation verschoben“, sagt Nico Damm, dessen politische Analyse so scharf wie kompromisslos ist: „Jetzt muss eine Zäsur her. Wir brauchen eine soziale und ökologische Wende.“

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Also wünscht er sich nicht nur Investitionen in Ökologie und Klimaschutz, sondern auch in Bildung. Die Garantie für einen Kindergartenplatz, der Monatsbeitrag für die Kita (200 Euro in Frankfurt) – das sei gut und günstig. „Aber es fehlen überall Betreuer. Der Personalmangel ist gigantisch.“ Erzieher benötigten denn auch nicht nur mehr Lohn, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen.

"Für mich läuft alles bei der Nachhaltigkeit zusammen " Nico Damm, 38 Jahre alt und Redakteur

Wobei Nico Damm nicht nur eher schlecht bezahlte soziale Berufe im Blick hat, sondern den gesamten Niedriglohnbereich: „Jeder sollte es sich leisten können, von Vollzeitarbeit nachhaltig zu leben.“ So klar politisch, wie er argumentiert, fordert er mehr Mindestlohn und höhere Hartz-4-Sätze. Vorschläge zur Gegenfinanzierung hat er auch parat: weg mit klimaschädlichen Subventionen wie dem Dieselprivileg, her mit einer „gescheiten Erbschaftssteuer“.

So ausgeprägt sein politischer Forderungskatalog, so klar ist das Anforderungsprofil, das Nico Damm für Kanzler oder Kanzlerin formuliert: „Es muss eine Person sein, die integrieren und Inhalte vermitteln kann.“ Damm weiß, dass es Widerstände geben wird bei den vielen Veränderungen, die er so im Sinn hat. Die Frage, was der Wandel kosten mag, wölbt sich ja schnell über vermeintliche Notwendigkeiten. „Man muss die Dinge den Menschen richtig erklären. Dazu braucht es jemanden, der empathisch und mutig ist.“

Sie sind noch nicht sicher, welche Partei Sie wählen? Hier gibt es Entscheidungshilfe: Noch unentschlossen? Wahl-O-Mat ist freigeschaltet.</em>