BTW21 – Was Wähler wollen: Köchin Teresa Blie

aus Bundestagswahl 2021

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Teresa Blie hat sich 2020 mit einem Catering-Service selbständig gemacht. Foto: Lukas Görlach

Was erwarten Wählerinnen und Wähler von der nächsten Bundesregierung? Heute sagt Köchin Teresa Blie in unserer Serie ihre Meinung zu Wagemut, Überarbeitung und Existenzangst.

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IDSTEIN-WALSDORF. „Die Dienstleistungsbranche macht so viel Spaß, man erlebt so viel jeden Tag – da ist es ärgerlich zu sehen, dass die Bezahlung im Gastro-Bereich so schlecht ist, dass es kaum Nachwuchs gibt“, stellt Teresa Blie aus dem Idsteiner Stadtteil Walsdorf mit sorgenvoller Miene fest. Sie steht in ihrer neu eingerichteten Küche, in der sie seit gut eineinhalb Jahren Essen zubereitet für die unterschiedlichsten Anlässe an den verschiedensten Orten.

Teresa Blie hat sich zu Beginn des Jahres 2020 mit einem Catering-Service selbständig gemacht. Ausgerechnet. „Das waren harte eineinhalb Jahre“, erzählt die ausgebildete Hotelfachfrau und Hotelmanagerin, die außerdem eine Zusatzausbildung im Bereich „Food and Beverages“ hat und nach mehreren Jahren in Hotels in Wiesbaden, Frankfurt, Düsseldorf und der Schweiz drei Jahre lang bei einem Caterer am Frankfurter Flughafen arbeitete.

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Mit Existenzängsten zu kämpfen

Einige Monate hatte sie im Jahr 2019 schon zweigleisig mit reduzierter Stundenzahl als Angestellte probiert, ob es klappen könnte mit dem eigenen Catering-Service und dann zum 1. Januar 2020 den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Meine Ersparnisse sind zunächst mal draufgegangen für die Einrichtung meiner Küche hier in Walsdorf“, erzählt sie vom eigenen Wagemut, sich selbstständig zu machen, und dass sie mit dem Ausbruch der Pandemie und dem ersten Lockdown eine Menge Existenzängste hatte. Denn alle Aufträge, die sie bis dahin eingeworben hatte, wurden storniert. „Teilweise war es schwierig, das Geld für die Krankenversicherung aufzubringen“, erinnert sie sich.

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Aber sie entwickelte mitten im Lockdown die Idee, ihren Mitmenschen vor Ort einen Mittagstisch anzubieten, den sie „Suppenzeit“ nannte. An drei Tagen pro Woche konnten die Walsdorfer mittags zwischen 11 Uhr und 14 Uhr zwischen zwei verschiedenen Gerichten wählen, jeden Monat erarbeitete sie einen neuen Küchenplan und hat auf diese Weise zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 rund 170 verschiedene Gerichte gekocht. Schnell hatten nicht nur die Walsdorfer raus, wie sie sich am besten online ihr Mittagessen im Homeoffice bestellten.

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Mehr Unterstützung von Politik gefordert

Über Monate war Teresa Blie ausgebucht mit ihrem Mittagsservice, den sie auch nicht an mehr als drei Tagen anbieten konnte, denn sie war ganz allein für die gesamte Organisation zuständig – inklusive Einkauf, Reinigung, Planung, Abrechnung. Ein Arbeitspensum von oft mehr als 16 Stunden pro Tag. „Das hält man nicht unendlich lange durch“, sagt die Dreißigjährige, die sich von der Bundespolitik mehr Unterstützung für junge Menschen wünscht, die es wagen, sich selbstständig zu machen. „Man darf nie krank werden“, sagt sie und betont, dass das eine ziemliche Belastung sei.

Denn die teuren Krankenversicherungen, die für Selbstständige auch einen Verdienstausfall kompensierten, könne sich jemand wie sie, am Anfang der Selbstständigkeit, nicht leisten. Auch das Thema Mutterschaft stelle für junge selbstständige Frauen ein großes Problem dar. „Ich muss mich zwischen Familie und Selbstständigkeit entscheiden, warum gibt es keine Unterstützung in Sachen Mutterschutz?“, fragt sie die Politik.

„Ich muss mich zwischen Familie und Selbständigkeit entscheiden. Warum gibt es keine Unterstützung in Sachen Mutterschutz?“ Teresa Blie von „Teresas Catering“ aus Idstein-Walsdorf

Blie sieht gerade im Dienstleistungsbereich und in der Pflege sehr viel Arbeit und überall zu wenig Beschäftigte. Auf der anderen Seite habe sie während ihrer Angestelltenzeit von vielen gehört, dass sie sich lieber vom Staat unterstützen ließen, als für den geringen Verdienst, den sie bekamen, zu arbeiten. „Das kann doch nicht sein“, empört sie sich, „jeder, der arbeiten kann, soll auch arbeiten.“ Es könne doch einfach nicht angehen, dass junge Leute auf der Couch genauso viel Geld bekommen, wie sie mit Arbeit verdienen. Auf diesem Gebiet und auch allgemein wünscht sich die junge Unternehmerin, die mittlerweile eine Frau auf Minijob-Basis angestellt hat, nachdem mit den Pandemie-Lockerungen auch ihr Catering-Geschäft über den Sommer richtig Fahrt aufgenommen hat, dass der neue Bundeskanzler oder die neue Bundeskanzlerin „klare Kante zeigt und nicht um den heißen Brei herumredet.“