Styling für den Mann: Lässig mit Hemd

Das Hemd wird immer öfter locker über der Hose getragen. Foto: Foto: Adobe Stock/Yeko Photo Studio

Das Hemd über der Hose zu tragen, steht nur den wenigsten Männern. Soll es gut aussehen, kann man dabei einige Fehler machen. Ein Stilexperte sagt, wie es gelingt.

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. Fast jeder Mann mag es, doch nur wenigen steht es: das Hemd, das locker über der Hose getragen wird. Wer sich dennoch hängen lässt, muss einiges beachten.

Das Hemd wird immer öfter locker über der Hose getragen. Foto: Foto: Adobe Stock/Yeko Photo Studio
So macht´s der Franzose: Beim „French Tuck“ wird das Hemd nur vorne in die Hose gesteckt. Foto: Sascha Kopp

Wenn man sich im Freundes- und Bekanntenkreis mal umhört, interessiert sich angeblich kaum einer für Mode – nur um bei der nächstbesten Gelegenheit jedem albernen Trend hinterherzugockeln.

Nachdem sich die Vorstandsetagen medienwirksam ihrer Krawatten und Maßschuhe entledigt haben, gibt man sich in der unteren Gehaltstabelle casual, also locker, und lässt es nicht nur freitags oder in der Freizeit ungeniert bis zum Knie heraushängen. Die Rede ist vom Oberhemd, welches man nun nicht mehr in die Hose stopft. Bloß nicht.

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Das Hemd in der Hose, das ist seit 2019 ein seltener Anblick geworden. Wer so herumläuft, kommt vielleicht vom Bewerbungsgespräch oder von einer Beerdigung – oder ist ein hoffnungsloser Nostalgiker.

Die einstigen modischen Geschmacksvorgaben haben sich umgekehrt, dem modischen Lässigkeitsdiktat unterwerfen sich viele jeden Alters. Leider auch jene, die es sich gar nicht leisten können. Und zwar figurmäßig. Denn ob ein Look hip rüberkommt, um im Verkäuferjargon zu sprechen, hängt maßgeblich auch von der Körpersilhouette des Trägers ab. Selbst ein riesiges Stoffzelt, das über der Hose getragen wird, kann nichts verstecken.

„Einen Bauch kann Mann so nicht kaschieren. Im Gegenteil, er wird durch das vorn abstehende Hemd eher noch betont“, sagt Bernhard Roetzel, ein gefragter Stilexperte und Publizist, der spätestens seit der Veröffentlichung des Handbuchs mit dem Titel „Der Gentleman“ einer größeren Leserschaft bekannt ist.

Roetzel gilt als Verteidiger der klassischen Herrenmode, doch ist sein Blick auf die aktuellen Hemdentrends kein allzu strenger. Hemd über Hose findet auch der Stilexperte okay, nur kommt es ihm auf die Art des Hemdes an. „Im Casual-Look ist das über der Hose getragene Hemd ein Klassiker des amerikanisch inspirierten, sportlich-lässigen Freizeit-Stils. Stichwort Preppy-Look“, sagt Roetzel. „Kann man auch bei uns so tragen, etwa mit einem Button-down-Hemd aus Oxford-Stoff über Chinos oder Bermudashorts.“ Zur Erläuterung: Button-down-Hemden haben Kragen, die nicht durch sogenannte Kragenstäbchen wie beim klassischen Herrenhemd in Form gehalten werden, sondern zwei Knöpfe. Mit ihnen fixiert man beide Kragenseiten am Brustteil des Hemdes.

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Chinos sind robuste Freizeithosen ohne Bundfalten aus strapazierfähigem Twill. Und wer wissen will, was mit Preppy-Look gemeint ist, sollte den amerikanischen Spielfilm „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hofmann in der Hauptrolle aus dem Jahr 1967 noch mal anschauen. Preppy ist die Umschreibung für ein sorgloses Lebensgefühl schnieker Snobs mit reichen Eltern und deren Vitamin B.

Wer also als durchtrainierter Segler und Student einer Privatuniversität eine Pool-Party in der Villa der abwesenden Erziehungsberechtigten schmeißt und seine vorgeglühten Gäste mit Champagner, heraushängendem Button-down-Hemd und hochgekrempelter Twill-Hose empfängt, macht alles richtig.

Leider aber sieht die Realität fast immer unpreppy aus. Statt eines Astralkörpers sieht man zahllose kurze Hälse und breite Brustkörbe. Und darüber Business-Hemden mit Kent- und Haifisch-Kragen, die weit über der Hose hängen, weil sie einfach zu lang geschnitten sind. Überall Männer in Nachthemden, die jünger aussehen wollen, aber sich nur lächerlich machen! Das Hemd sollte etwa bis zur Mitte des Gesäßes reichen, rät Roetzel – im Zweifel müsse man sich eben ein Maßhemd schneidern lassen.

Das scheint dann aber nicht mehr ganz so lässig zu sein. Wem sein Körper nicht ganz geheuer ist und fürs Maßhemd kein Geld hat, dem sei eine Alternative aus Frankreich empfohlen: der sogenannte „French Tuck“: vorne stopfen, hinten raushängen lassen. Macht einen mindestens zehn Jahre jünger – und zehn Kilogramm leichter.

Von Tomo Pavlovic