Manche Frankfurter Bunker sind für die Öffentlichkeit zugänglich

Der Bunker am Frankfurter Osthafen. Foto: René Vigneron  Foto: René Vigneron

Feierabendverkehr am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Rolltreppen ächzen unter dem Gewicht hunderter Reisender. Überall wimmelt es von Menschen, die hin und her hasten, schwere...

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. Feierabendverkehr am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Rolltreppen ächzen unter dem Gewicht hunderter Reisender. Überall wimmelt es von Menschen, die hin und her hasten, schwere Koffer schleppen oder versuchen herauszufinden, von welchem Gleis ihr Zug abfährt. Vor dem Haupteingang sammelt sich eine kleine Gruppe um Stadtführer Sascha Stefan Ruehlow. „Bunker in Frankfurt: Zwischen NS-Ideologie, modernem Zivilschutz und Musikerparadies“ lautet das Thema der Führung, die von der Presse Verlagsgesellschaft für Zeitschriften und neue Medien organisiert wird. 26 Bunker sind in der Main-Metropole noch erhalten geblieben. Einige von ihnen sind in privater Hand, viele wurden umfunktioniert, andere stehen leer und verrotten. Nur sehr wenige sind noch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Bunker am Frankfurter Osthafen. Foto: René Vigneron  Foto: René Vigneron

Zwölf Belüftungsschächte ragen aus dem Boden

„In Frankfurt gibt es keinen Verein, der sich darum kümmert, diese Anlagen instand zu halten. Das ist sehr schade“, meint Ruehlow. Denn die Bunker sind Teil der Stadtgeschichte. „Sie müssten begehbar gemacht werden, um die Vergangenheit besser verstehen zu können“, findet der Gästeführer.

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Ruehlow läuft ein paar Schritte in Richtung Taxiparkplatz. Dort, inmitten von Autoabgasen und Motorgeräuschen, ragen zwölf Belüftungsschächte aus dem Boden. Keiner beachtet die Betonklötze. Kaum jemand weiß, dass sie stumme Zeugen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind und damals überlebenswichtig waren.

„Hier stand ein großer Bunker, der zum Teil ober-, zum Teil unterirdisch gebaut war und Schutz für etwa 250 Menschen bot“, erzählt Ruehlow und holt aus seinem Rucksack ein paar alte schwarz-weiße Fotografien. Der Bunker war eine von sechs Anlagen in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die dezentral positionierten Lüftungsschächte sollten bei einer Bombardierung die Überlebenden mit Luft versorgen. Der Eingang zum Bunker ging über eine Treppe, die im Rahmen des Umbaus des Vorplatzes in den 60er-Jahren verschwand.

In ursprünglicher Funktion heute nicht mehr brauchbar

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs investierte Deutschland in den Bau zahlreicher Atomschutzbunker, in denen die Elite der Politik und Teile der Bevölkerung einen möglichen Atomschlag überleben sollten, um danach eine neue Welt aufzubauen. Im Zuge des Baus der Frankfurter S-Bahn in den 60ern wurde auch unter dem Frankfurter Hauptbahnhof eine neue Bunkeranlage gebaut, die etwa zehn Prozent der Frankfurter Bevölkerung aufnehmen sollte. Diese ABC-Anlage, die Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren bieten sollte, beherbergt heute ein unterirdisches Parkhaus. „Die Anlage wäre sowieso nicht mehr zeitgemäß“, erzählt Ruehlow. Denn heutzutage gebe es bunkerbrechende Raketen, die in den Bunkerbeton eindringen, mehrere Ebenen durchschlagen und erst ganz unten detonieren. „Die Druckwelle wäre gewaltig und die Stahlschutztore zwischen den einzelnen Räumen hätten diesen Druck nicht aushalten können.“

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Umgebaut und fast nicht mehr als Bunker zu erkennen ist auch der Hochbunker in der Karlsstraße im Bahnhofsviertel. „Als die Nazis dieses Gebäude 1944 errichten ließen, nutzten sie dafür so viel Baumaterial, dass es für 165 000 Einfamilienhäuser gereicht hätte“, erklärt der Gästeführer. Eine große Verschwendung, wenn man bedenkt, dass Frankfurt damals komplett zerstört war und tausende Menschen obdachlos waren. 1952 erwarb die Deutsche Telekom das Gebäude, baute es um und machte daraus einen der wichtigsten Telefonknotenpunkte Deutschlands. Auch heute noch befinden sich dort einer der bedeutsamsten Internetknotenpunkte des Unternehmens sowie die Sitze mehrerer Firmen. Das Gebäude ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Zwei Meter dicke Betonwände

Anders sieht es am Osthafen aus. Der dort stehende Hochbunker wurde in der NS-Zeit gebaut, um Schutz für die Arbeiter der Hafenanlagen zu bieten. Heute gehört das Gebäude der Stadt Frankfurt, die daraus eine Künstlerkolonie gemacht hat. Hinter den über zwei Meter dicken Betonwänden, wo früher über 400 Menschen Schutz suchten, spielen nun Musiker.

Die ehemaligen kleinen Räume, in denen bei Luftangriffen um die 20 Personen untergebracht wurden, sind nun schallisolierte Proberäume. Nur die zur Orientierung in der Dunkelheit angebrachten phosphoreszierenden Streifen in den Gängen und in den Treppenhäusern erinnern an die düstere Vergangenheit.

Von Neli Mihaylova