Zeichen sinkender Wertschätzung

Hat im Moment gar nicht so viel zu beklatschen - 05er Keeper Nummer drei, Christian Wetklo. Archivfoto: Sascha Kopp

Keine Frage: Das Mainzer Torwart-Theater hatte durchaus Unterhaltungswert. Die Aufführung mit Routinier Christian Wetklo in der Hauptrolle glich allerdings einer schlechten...

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. Keine Frage: Das Mainzer Torwart-Theater hatte durchaus Unterhaltungswert. Dabei war doch alles nur ein großes Missverständnis. Oder etwa nicht? Die Aufführung mit Routinier Christian Wetklo in der Hauptrolle glich einer schlechten Komödie. Vorhang auf!Erster Akt: 05-Manager Christian Heidel sagt kurz vor dem Anpfiff des Bundesliga-Spiels beim 1. FC Nürnberg gegenüber dem Pay-TV-Sender Sky, "Wetti" habe darum gebeten, nicht mit nach Nürnberg fahren zu müssen.

Zweiter Akt: Trainer Thomas Tuchel sagt nach dem Spiel gegenüber Journalisten wörtlich: "Drum gebeten hat er nicht." Seine Motivation sei aber stark ausbaufähig.

Dritter Akt: Christian Wetklo meldet sich am Tag darauf mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort und stellt klar, es fehle ihm nicht an Motivation und er habe im Vorfeld auch klar signalisiert, dass er sich in Nürnberg natürlich auf die Bank setze, wenn der Trainer dies wolle.

In die Ecke gedrängt?

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Ja, was denn nun? Was genau hinter den Kulissen gesagt oder nicht gesagt wurde, wissen nur die Beteiligten selbst. Und ob das Gesagte - oder Nichtgesagte - nun versehentlich oder durchaus bewusst missverstanden und falsch interpretiert wurde, auch das ist unklar. Klar ist aber, dass sich Christian Wetklo in die Rolle des Buhmanns gedrängt sieht. Dass er einen befreundeten Anwalt zur Hilfe nahm, um eine persönliche Presseerklärung zu verfassen, zeigt, wie sehr sich der 33-Jährige in die Ecke gedrängt fühlt. Wettis Vertrag läuft zum Saisonende aus. Die Zeichen stehen auf Trennung - nach über 13 Jahren Mainz 05. Und es wäre keine große Überraschung, würde der Schlussakt bereits im Winter erfolgen. Der Torwart-Routinier, in der vergangenen Saison noch die unumstrittene Nummer eins, hatte bereits im Sommer ganz schön daran zu knabbern, dass er seinen Platz an den zwei Jahre älteren Heinz Müller abtreten musste. Mittlerweile sind auch noch die beiden Youngsters Karius und Mathenia an ihm vorbeigezogen. Und das nun medial breitgetretene "Missverständnis" um seine Person kann man durchaus als weiteres Zeichen sinkender Wertschätzung interpretieren.

Von Rüdiger Lutterbach