Zarte Bande in der Bundesliga

Thomas Schaaf. Archivfoto: Jan Huebner

Wir erfahren Erstaunliches über Eintracht Frankfurt. Und über die Bahn: Sie will attraktiver werden! Unfassbar.

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. Die Deutsche Presse-Agentur teilte neulich mit, dass Francesco Schettino, in Fachkreisen Sch... Francesco genannt, Kapitän des untergegangenen Schiffs "Costa Concordia" und nach eigenen Angaben sehr früh "aus Versehen" in ein Rettungsboot gerutscht, während 32 Passagiere starben, dass dieser Mensch also vor Studenten in Rom über Panik-Management referierte.

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Wir hätten da noch ein paar andere Vorschläge für Referenten und Themen. Wladimir Putin: Demokratie in Russland - vom Gulag zum Galgen. Klaus Wowereit: Flughafenbau - von der Kalkulation zum Klo. Dominique "für-die-Frauenbewegung-springe-ich-aus-jeder-Dusche" Strauss-Kahn: Ordnung und Sauberkeit im Hotel. Kanzleramtsminister Peter "the Body-Mass-Index" Altmaier: Gesunde Ernährung für Politiker, schlank und fit durch‘s Kanzleramt. Gerhard Schröder: Heißes Wasser für jede Haartönung dank promptem Gas. Christine und Hubert Haderthauer: Modellauto-Bau leicht gemacht - Riesengewinne und Mordsspaß. Silvio Berlusconi: Jugendschutz, Prostitution und andere Angebote, die man nicht ablehnen kann. Francois Hollande: Regieren für Anfänger, Kapitel 1: Mit dem Motorroller zur Mätresse, oder: Führungsstile im Wandel - von "L‘Etat, c‘est moi" zu "Voulez-vous coucher avec moi?" Günther Oettinger: English for Run-aways (Englisch für Fortgeschrittene). Jürgen Klopp: Entspannungstechniken an der Seitenlinie - Hört der Schiri auf mich, oder muss ich ihm erst sein Ohr abbeißen? Bernie Ecclestone: Bargeld lacht - Freispruch ist machbar, Herr Nachbar und ehrlich währt am längsten.

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Wir lesen auf "sueddeutsche.de": "Bahn fahren soll attraktiver werden." Waaas? Noch attraktiver?? Wollt ihr etwa im Winter die Heizung und im Sommer die Klimaanlage zum Laufen bringen? Stellwerke ausreichend mit Personal bestücken? Regelverspätungen unter drei Stunden drücken? Also, weil die Bahn mächtig Konkurrenz von den Fernreisebussen bekomme, "will sie ihre ICE-Flotte mit neuen Unterhaltungs- und Informationsangeboten ausrüsten", lesen wir. Damit ist aber nicht gemeint, dass Schaffnerinnen oder Caren Miosga von den ARD-Tagesthemen auf dem Tisch tanzen oder dass im Zug regelmäßig die Angebote von Fernreisebussen durchgesagt werden. Es geht vielmehr darum, dass "Fahrgäste künftig über das Wlan-Angebot im Zug Filme, Podcasts und Spiele auf Smartphones, Tablets oder Laptops laden können." Bei den Filmen drängen sich auf: "Mord im Orient-Express" (1974), "Die Gentlemen bitten zur Kasse" (1966), "Liebe nach Fahrplan" (Komödie, 1966), und nicht zuletzt "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968), wo der Eisenbahnbau in Amerika ja eine wichtige Rolle spielt, ehe Charles Bronson Henry Fonda abknallt, weil sein Zug Verspätung hat, oder so ähnlich.

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Die neue Saison der Fußball-Bundesliga steht bevor. In Frankfurt, der Stadt Goethes, lesen wir in der dortigen Zeitung "Rundschau" ein poetisches Meisterwerk über den Bundesligisten Eintracht Frankfurt und den Trainer Thomas Schaaf. Seit jener den "Takt vorgibt", könne man konstatieren: "Viele Steine sind nicht auf dem anderen geblieben." Jau. In ganz Sachsenhausen suchen sie jetzt wahrscheinlich jenen anderen Stein, denn der muss ja ganz schön was aushalten können, wenn vorher alle auf ihm drauf waren. Sodann: "Mannschaft und Trainer haben zueinander gefunden in dieser Zeit, eine erste zarte Bande ist geknüpft." - ??!! - Tief einatmen. Ruhig, ganz ruhig. Wir halten alle schweigend inne und uns gegenseitig an den Händen. Wie meinen? Nein, liebe Kinder, Räuberbande ist da nicht gemeint. Wir sind jetzt überhaupt völlig irritiert, was gemeint ist, und da fragen wir am besten alle zusammen mal die Mama.

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Aber dann kommt‘s noch besser: "Bei Ballverlusten sollen die Spieler versuchen, sich die Kugel so schnell es geht wiederzuholen; gelingt das nicht, sollen sie sich klug und schnell zurückziehen." JAAAAA! ENDLICH!! WARUM HAT DAS NICHT FRÜHER MAL EINE VON DIESEN PAPPNASEN ERKANNT?! Da dilettieren sie alle jahrelang herum, diese Luschen von Trainern, Herberger, Schön, Beckenbauer, Guardiola, van Gaal, Heynckes und wie sie alle heißen. Und jetzt kommt‘s raus, wie einfach das alles ist! Im Namen Goethes und seiner Stadt Frankfurt sagen wir: Dank, Dank und immer wieder Dank. Der Ball ist eckig und muss nach dem Spiel 90 Minuten ins Runde, das vor dem Spiel immer das schwerste ist. Und jetzt lassen wir uns vom Sanitäter eine Invasion legen, sonst halten wir das im Kopf nicht aus.