Wunderkind Rodríguez lässt Kolumbien träumen

James Rodríguez. Foto: dpa

Dass Neymar, Messi und Co. zu den großen Stars dieser Weltmeisterschaft zählen werden, war schon vor Beginn des Turniers klar. Dass aber der erst 22-jährige James Rodríguez...

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. Von Ali Houshami

Gelb war die dominierende Farbe in den ersten beiden Achtelfinalpartien der WM: Während sich im ersten Spiel der K. o.-Phase der Gastgeber erst nach einem Elfmeter-Krimi gegen Chile weiterquälte, kam der 2:0-Erfolg der Kolumbianer, ebenso wie die Brasilianer traditionell in Gelb gekleidet, gegen Uruguay in weiten Teilen der Partie mehr einem Spaziergang gleich. Zum "Man of the Match" avancierte dabei der erst 22-jährige James Rodríguez, der beide Treffer erzielte und folglich den Viertelfinaleinzug der "Cafeteros" perfekt machte.

Entdeckung des Turniers

Bei einer WM der großen Überraschungen - neben dem "Favoritensterben" seien hierbei auch die starken Auftritte der südamerikanischen und afrikanischen Mannschaften angemerkt - ist das kolumbianische Wunderkind einer der größten Entdeckungen des Turniers. Hatte der Mittelfeldakteur schon in der Gruppenphase mit drei Treffern und zwei Torvorlagen auf sich aufmerksam gemacht, war Rodríguez auch gegen Uruguay stets gefährlich und brachte in der 28. Minute Kolumbien in Führung, als er an der Strafraumgrenze mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stehend, mit nur zwei Kontakten - Brust An- und Mitnahme sowie folgendem Vollspannschuss - den Ball sehenswert unter den Querbalken zimmerte.

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Bis dahin war das Duell mehr von taktischen Vorgaben geprägt: Während Kolumbien mit mehr Zug zum Tor die größeren Spielanteile besaß, ohne jedoch zu Großchancen zu gelangen, lauerten die Himmelblauen auf Konter, ohne nennenswerte Nadelstiche zu setzen. Selbst nach dem Rückstand gelang es Uruguay nicht, seine lediglich auf Defensivarbeit beschränkte Spielweise aufzugeben und sich mehr am Geschehen zu beteiligen. Wie bei ihren Last-Minute-Siegen gegen England und Italien, ließ die Celeste auch gegen Kolumbien die Akzente im vorderen Drittel vermissen, und kam mehr über Kampf und Ehrgeiz.

An der Spitze der Torjägerliste

So war es eine Frage der Zeit, bis zu Beginn der zweiten Hälfte Rodríguez, nach einer Flanke mit einem Kopfball vom stark aufspielenden Juan Cuadrado bedient, aus kurzer Distanz mühelos seinen zweiten Treffer markierte (49.) und Kolumbien endgültig auf die Siegerstraße brachte. Zudem setzte sich das Wunderkind Kolumbiens mit seinem fünften Turniertreffer auf die Spitze der WM-Torjägerliste - vor seinen südamerikanischen Compañeros Messi und Neymar sowie der deutschen "WM-Tormaschine" Thomas Müller.

Die Kolumbianer schreiben Geschichte, indem sie erstmals in das Viertelfinale einer WM-Endrunde einziehen. Um vielleicht das Estádio do Maracanã, am 13. Juli Spielort des Finales, noch einmal im Abendhimmel erstrahlen sehen zu wollen, wäre eine Steigerung der Truppe um Trainer José Pekerman bitter notwendig. Zum einen, weil sie nach der Zwei-Tore-Führung das Spielen förmlich einstellten und Uruguay nur knapp den Anschlusstreffer verpasste. Nennenswert dabei vor allem die Chance von Maximiliano Pereira, der, alleine vor Torhüter Ospina stehend, scheiterte (79.).

Keine Schwergewichte vor der Brust

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Zum anderen hatten sie mit Japan und Griechenland, bei allem Respekt, wahrlich keine Fußball-Schwergewichte vor der Brust . Und mit der Elfenbeinküste und Uruguay zwei Gegner, deren "Goldene Generation" sein Ende gefunden hat, was sich frisch am Auftritt von Diego Forlán ablesen lässt, der bei der Pleite nie richtig zum Vorschein kam und sich als "lebende Legende" der Celeste heimlich von der internationalen Bühne verabschiedete (54.). Fehlten zudem die Aktionen von Edinson Cavani, der während des gesamten Wettbewerbs ein Schatten seiner selbst blieb, sowie der gesperrte Suarez, ohne den, um es hämisch auf den Punkt zu bringen, bei Uruguay einfach der nötige Biss fehlte.

Nun wird es sich bei der Viertelfinal-Begegnung Kolumbien gegen Brasilien auf dem Platz zeigen, ob Rodríguez reif und Regisseur genug ist, um mit seinen Teamkollegen den Gastgebern ernsthaft Paroli zu bieten. Wähnt sich die Seleção nicht nur wegen dem Heimvorteil in der Favoritenrolle - mit Neymar haben nämlich auch sie ihr Wunderkind. Und der ist bekanntlich auch erst 22 Jahre alt.