WM: England gegen Italien - Im ersten Spiel geht es um alles

Beim letzten großen Aufeinandertreffen 2012 hatte Italien - hier Antonio Cassano gegen den Engländer Scott Parker - das bessere Ende für sich. Archivfoto: dpa

England will um den WM-Titel spielen, Italien trauen viele Experten - mal wieder - den Titel nicht zu. Wenn diese beiden Fußball-Nationen ins WM-Turnier einsteigen, geht es...

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. Von Bardo Rudolf

Sie sind beide große Fußball-Nationen. Und haben doch so wenig gemeinsam. Die einen, die Engländer, sehen sich als Mutterland des Fußballs und tönen vor jedem großen Turnier, dass sie diesmal reif sind für den Titel. Wenn die Italiener, denen Experten wegen chaotischer Vorbereitung immer wieder mal ein frühes Aus prophezeit haben, dann um den Titel spielen, sind die englischen Fußballer schon wieder zu Hause - oder im Urlaub mit viel Frust im Gepäck.

In der Nacht auf Sonntag um Mitternacht (MEZ) treffen die beiden Nationen bei der WM in Brasilien nun in ihrem Vorrundenspiel aufeinander. Und obwohl beide Länder bisher bei fast allen Weltmeisterschaften dabei waren, ist es die erste WM-Partie der beiden, in denen es wirklich um etwas geht. Das bisher einzige Spiel war 1990 die Begegnung um den dritten Platz, die Italien 2:1 für sich entschied. 24 Stunden später schoss Andreas Brehme Deutschland zum bisher letzten WM-Titel.

Frühes Aus oder Triumph?

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Jetzt geht es also darum, wer beruhigt in die beiden weiteren Vorrunden-Spiel gegen Uruguay und Costa Rica gehen kann. Italien etwa? Das wäre etwas Neues, denn nichts hassen italienische Fußball-Spieler mehr als Vorrunden-Begegnungen. Häufig drohte ihnen das frühe Aus, manchmal hat es sie auch erwischt. Beim letzten Triumph 2006 wären sie in Kaiserslautern möglicherweise im Achtelfinale an Australien gescheitert, wenn ihnen der Schiedsrichter nicht in der Nachspielzeit einen umstrittenen Elfmeter zugesprochen hätte. Doch stehen die Italiener erst einmal unter den letzten Mannschaften eines Turniers, sind sie kaum noch zu stoppen. Niemand weiß dies besser als die deutsche Nationalelf, die gegen die Azzurri noch nie bei einer WM oder EM gewann. Mario Balotelli bereitet heute noch manchem schwarz-rot-goldenen Fan Albträume. Und der Stürmer war im EM-Halbfinale 2012 nur der letzte einer ganzen Reihe italienischer Fußball-Helden, die deutsche Titelträume beendeten.

Von der individuellen Klasse her gibt es in Brasilien Nationen, die besser besetzt sind als die Elf vom Stiefel. Einige Stars wie Andrea Pirlo oder Gianluigi Buffon sind in die Jahre gekommen. Auf den Außenposition fehlen starke Spieler. Aber waß heißt das schon bei Italien. Wenn sie im Viertelfinale stehen, ist ihnen alles zuzutrauen. Denn dann beginnt für die Italiener die WM erst richtig.

Three Lions kann Titel nur daheim

Und die Engländer? Die reisen mal wieder voller Vorfreude an. Die Fans bauen auf den Trainerfuchs Roy Hodgson, sehen ihren Super-Stürmer Wayne Rooney als Torjäger und träumen vom Titel. Aber woher kommt eigentlich dieses Selbstverständnis, dass England immer zu den Favoriten zählt? Das "Mutterland des Fußballs" war nie Europameister, und Weltmeister wurde es auch nur einmal - 1966 mit Heimvorteil und (zumindest in der deutschen Wahrnehmung) einem Tor, das keines war. "30 Years of Hurt" (30 Jahre Schmerz) sangen die "Three Lions" 1996 in ihrer Fußball-Hymne "Football’s Coming Home". Inzwischen sind es schon 48 Jahre Schmerz. Und es deutet nichts auf eine schnelle Linderung hin.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Japan.