WM-Einwurf: Stallgeruch auf der Trainerbank

Didier Deschamps ist ein Paradebeispiel für einen Nationaltrainer: Als Spieler erfolgreich, als Trainer berufen, Ähnliches zu erreichen. Derlei Trainer stehen bei dieser WM hoch im Kurs. Foto: dpa

Während viele WM-Außenseiter ihr trainings- und taktisches Wissen aus dem Ausland importierten, setzen die WM-Favoriten auf fußballerisches Know-how aus der Heimat.

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. Von Björn-Christian Schüßler

Wenn Martinez von der belgischen Bank die Fäden im Spiel der Roten Teufel zieht, kommt das Hazard, Lukaku und Co. gar nicht Spanisch vor. Die Spieler sind es aus dem Ligaalltag längst gewohnt, auf und neben dem Platz nicht in ihrer Muttersprache zu kommunizieren. Martinez ist Spanier - und im Favoritenkreis dieser Weltmeisterschaft die Ausnahme. Nur fünf der 16 Achtelfinalisten setzen auf einen ausländischen Trainer.

Während in Fußball-Entwicklungsländern Trainingsmethoden und Erfahrungsschatz über die Landesgrenzen hinaus gefragt sind - Argentinien und Portugal stellen die meisten Trainer bei dieser WM-Endrunde - rekrutieren viele der Favoriten ihre Übungsleiter aus dem großen Stamm ehemaliger Landeskönner. Frankreich erinnert mit Deschamps ebenso an frühere Glanzzeiten wie Brasilien mit Tite, England mit Southgate oder Portugal mit Santos.

Das kommt nicht von ungefähr. Beschwören große Vereine wie der FC Bayern München in Deutschland den Stallgeruch und das Bayern-Gen bei der Besetzung wichtiger Funktionärsposten, so hat dies eine ganz ähnliche Stoßrichtung: Wer mit Frankreich oder Brasilien schon Weltmeister Titelträger war, wer amtierender Europameister ist, der weiß, wie Triumph geht - und kann den talentierten Haufen Einzelspieler zu einer Wir-Gemeinschaft formen.

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Allerdings haben die ausländischen Trainer auch große Erfolge vorzuweisen. Mexikos Osorio, ein Kolumbianer, hat Weltmeister Deutschland mit einer herausragenden Taktik besiegt und zum Taumeln gebracht. Petrovic aus Kroatien hat in der Schweiz nicht nur Bundesliga-Legionäre auf den Platz gekippt, der Argentinier Pekerman leistet in Kolumbien schon seit Jahren hervorragende Arbeit. Aller Ehren wert, doch für den großen Wurf dürfte es einzig beim Spanier Martinez reichen.