WM-Einwurf: Spanien, England, Italien - der Nächste bitte!

Italien entsetzt und enttäuscht. Nun können auch die Azzurri - im Bild Dortmunds Neuzugang Ciro Immobile - die Koffer packen. Foto: dpa

Spanien, England, Italien - die Riege der vermeintlichen Titelfavoriten, die früh die Koffer für die Heimreise packen müssen, wird immer länger. Das Erschreckende: Mit...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Nach Spanien und England jetzt also Italien. Eigentlich schade, dass die Azzurri lieber auf Passivität und starke Defensive gesetzt haben, statt auf Leidenschaft und Offensiv-Feuerwerk. Das muss sich natürlich auch Italiens Trainer Cesare Prandelli ankreiden lassen. Hat er sich auch: Nur wenige Minuten nach dem Vorrunden-Aus nahm der 56-Jährige die gesamte Schuld auf sich und trat von seinem Amt zurück.

So bleiben den Fußball-Fans und WM-Fernseh-Schauern nun nicht mehr so viele Klassiker in den K.o.-Runden - kein Elfmeterschießen, das England sowieso verliert, kein Tiki-Taka, bei dem der spanische Gegner nur viermal überhaupt den Ball bekommt, kein Catenaccio, bei dem selbst italienischen Abwehrchefs die Füße einschlafen. Immerhin auf das wehleidige Rumgerolle südeuropäischer Offensiv-Glanzlichter kann man eben gerade noch verzichten.

Europa packt zusammen

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Viel schlimmer für den hiesigen Fußball ist allerdings, dass es mit dem amtierenden Welt- und Europameister Spanien, mit der Mutter des Ballspiels, England, und nun mit Italien, dem EM-Finalisten von 2012, gleich drei europäische Fußball-Nationen getroffen hat. Betrachtet man die Erfolge, die Europäern schon immer auf dem südamerikanischen Kontinent abgingen, so verwundert diese Bilanz nicht sonderlich. Doch mehr als Vorrunde müsste doch für die drei Ex-Weltmeister eigentlich drin sein.

Gerade Spanien, England und Italien dürfen ihr frühes Ausscheiden andererseits geradezu als Chance sehen. Denn in allen drei Kadern steht ein Umbruch, eine Verjüngung, dringend bevor. England hat in dieser Hinsicht vielleicht den längsten Weg vor sich, obwohl bereits einige Talente in Brasilien WM-Erfahrung schnuppern durften. Spielen schließlich in der englischen Liga sehr viele, sehr gute Ausländer und viel zu wenig talentierte eigene Kräfte. Diesen Umbruch werden Spanier und Italiener einfacher und schneller gestalten können, wenn die Erfolge der Nachwuchsteams in den letzten Jahren keine Eintagsfliegen waren.

Mit Russland, Portugal und Deutschland wackeln drei weitere Europäer

Doch das Favoritensterben, das Ausscheiden europäischer Spitzenmannschaften, kann ja noch weitergehen. Russland in Gruppe H muss ebenso kämpfen um das Achtelfinal-Ticket wie Portugal in Gruppe G. Beide Nationen haben im Grunde genommen das gleiche Problem: die immer gleichen Gesichter, die teilweise überalterten Stars.

Nur Frankreich und Deutschland, das ebenso noch nicht durch ist, haben den Umbruch in Teilen bereits geschafft. Jogi Löw hat viele junge Talente in den vorläufigen WM-Kader berufen. Dass ausgerechnet die erfahrenen Klose und Schweinsteiger, und nicht der Neuling Mustafi gegen Ghana das Ruder noch rumreißen konnten, zeigt aber auch, dass solch ein Umbruch nicht automatisch gleich Titel beschert. Auch Deutschland wird sich steigern müssen, soll es am Donnerstagabend nicht heißen: Tschau mit au, tschö mit ö, tschüss mit üss.