WM-Analyse: Marokko - Die Hoffnung auf das Mega-Maximum

Der Pechvogel der ersten WM-Partie gegen den Iran: Marokkos Aziz Bouhaddouz (Nummer 20) köpft den Ball ins eigene Tor. Foto: dpa

Der Zweitliga-Profi Aziz Bouhaddouz ist für sein WM-Debüt wirklich nicht zu beneiden. Sein Eigentor sorgte für die Pleite Marokkos gegen den Iran. Seine Knipser-Quote macht...

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. Von Carsten Schröder

Es ist der Traum eines jeden Fußballers: Ein Mal Weltmeisterschaft. Trägt der Kicker dabei das Trikot eines kaum in der K.o.-Runde zu erwartenden Underdogs, ist die eine oder andere Partie auf dem Platz (und nicht auf der Bank) wohl schon das Optimum. Ganz sicher das Maximum ist ein eigener Torerfolg.

Nun, als am Freitag die 77. Minute im Auftaktspiel der Gruppe B zwischen Marokko und dem Iran läuft, da ist für Aziz Bouhaddouz das Optimum erreicht. Für den glücklosen Ayoub el Kaabi wird der Stürmer, der in der zweiten Bundesliga das Trikot des FC St. Pauli trägt, eingewechselt. Auf sein ganz persönliches Maximum hätte der 31-jährige Marokkaner freilich ganz sicher gerne verzichtet. Als er in Minute 95 die Kugel in den Kasten bugsiert, da ist es nämlich der eigene. Die Partie gegen die Perser geht dadurch 0:1 verloren.

In Hessen aufgewachsen

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Hätte man sich das Spiel vielleicht sogar schenken sollen? Möglicherweise schoss dem in Marokko geborenen und schon wenige Monate später mit seinen Eltern nach Hessen gekommenen Aziz Bouhaddouz in den Minuten nach dem Abpfiff im Krestovsky-Stadion von St. Petersburg so ein Gedanke durch den Kopf. Rein sportlich betrachtet, lässt sich sagen: Ja, dieses Spiel hätte man sich sparen können. Marokko gegen Iran, das war die Marke „aufgeblähter WM-Modus“. Ein Duell zweier Mannschaften, die nichts dabei verloren haben, wenn die besten Fußballer der Welt ihren Meister ermitteln.

Auch der groß gewachsene Aziz Bouhaddouz hat gewiss schon besseren Fußball erlebt (und selbst gespielt), wenngleich es für ihn in Deutschlands zweiter Liga mit dem FSV Frankfurt, dem SV Sandhausen und zuletzt FC St. Pauli ja eigentlich meist nur gegen den Abstieg ging. Auch, dass er die Kugel sogar ins richtige Tor bugsieren kann, hat der 31-Jährige auf seinem Weg durch die deutschen Fußball-Lande ja oft genug bewiesen.

Nach seiner Jugendzeit beim FSV Frankfurt machte der Marokkaner zudem Station bei Erzgebirge Aue, Wehen-Wiesbaden, Viktoria Köln und sogar Bayer Leverkusen, hier in der Zweiten. Gelistet sind für ihn fast 300 Profispiele – und 119 Tore. Eine stolze Quote. Und vielleicht kann Aziz Bouhaddouz, jetzt, da Marokko eben in Russland doch dabei ist, zumindest an diese Torquote auch noch mal anknüpfen. Wenn’s am Mittwoch gegen die hoch gehandelten Portugiesen gelänge, dann hätte das sogar was von einem Mega-Maximum.