WM-Analyse: Kroatien - Dinamo Zagreb füttert die Nationalelf

Milan Badelj (rechts) steht in Italien hoch im Kurs. Bei dieser WM hat der Kroate allerdings noch keine Minute gespielt. Foto: dpa

Der AC Milan will Milan Badelj. Der Kroate, der wie so viele im aktuellen Nationalteam in jungen Jahren bei Dinamo Zagreb in die Lehre ging, nimmt damit den nächsten Schritt...

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. Von Tommy Rhein

In wenigen Tagen könnte Milan Badelj endgültig zum Großverdiener aufsteigen. 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt soll der AC Mailand bieten, eingebettet in einem Dreijahresvertrag. Ein Angebot, das der Kroate wohl kaum ablehnen wird. Seinen ablösefreien Abgang von AC Florenz hat der defensive Mittelfeldspieler ohnehin bereits verkündet. Badelj würde damit – zumindest auf sein Salär berechnet – seinen steilen Aufstieg fortsetzen, der erst richtig an Fahrt aufgenommen hatte, als er 2014 den Weg vom Hamburger SV in die Serie A antrat.

Dauerbrenner bei der EM 2016

Leistungsträger war Badelj zwar schon in Hamburg, stand bei der ersten Relegation des Dinos über die volle Distanz auf dem Feld. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er jedoch erst in Italien. Seit 2014 gehört er auch zum festen Stamm der Nationalmannschaft. Für Kroatien lief Badelj bei der EM 2016 in allen vier Partien in der Startelf auf, verpasste keine Minute. In Russland ist es aktuell umgekehrt. Noch ist der 29-Jährige ohne Einsatz. Denkbar jedoch, dass Badelj gegen Island in die Elf rotieren wird. Schließlich ist Kroatien bereits für das Achtelfinale qualifiziert.

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Vom Betonplatz in die europäische Spitze

Es wäre wohl der bisherige Höhepunkt seiner Karriere. Einer Laufbahn, die auf einem Betonplatz in Zagreb angefangen hatte. Dort lernte Badelj als Kind das Fußballspielen. Von dort ging es in die Jugendabteilung des NK Ponikve, von dort zu NK Zagreb und schließlich zum Serienmeister Dinamo Zagreb. 2009 folgte die Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler des Landes. Sein Weg in eine große europäische Liga war vorgezeichnet – 2012 unterschrieb er beim HSV. Sechs Jahre später winkt nun der Megavertrag beim ruhmreichen AC Mailand.

Teil einer goldenen Generation

Badelj gehört zu der Generation, die von der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit von Dinamo Zagreb profitiert. Gleiches gilt für Mateo Kovacic, Luka Modric, Alen Halilovic oder Vedran Corluka. Zufall ist das nicht. In den frühen 90er Jahren setzte sich der erste kroatische Präsident Franjo Tudman für den Ausbau der Hauptstadt als Aushängeschild des kroatischen Fußballs ein. So machte er – auch durch finanzielle Unterstützung – Dinamo zum Serienmeister und mächtigsten Verein des Landes.

Kroatische Liga ist Mittelmaß, die Nationalmannschaft längst nicht mehr

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Zu diesem Vorhaben gehörte auch, die Nachwuchsausbildung zu verbessern. Die nötigen Vorkehrungen wurden also getroffen – und längst auch die Früchte geerntet. Zwar ist die nationale Liga weiterhin nicht wirklich konkurrenzfähig. Kroatien ist als Fußball-Nation aber längst anerkannt. Zahlreiche Stars sind in den europäischen Top-Vereinen zu Hause. Die Nationalmannschaft hat wiederholt ihre Konkurrenzfähigkeit bewiesen. Auch das jüngste 3:0 gegen Argentinien kam nicht mehr völlig überraschend. Badelj ist also letztlich einer vielen, vielleicht gar der Teil einer goldenen Generation. Wie golden diese ist, zeigt sich in den kommenden Tagen.