WM-Analyse: Dänemark - Kjaer wartet auf seinen ersten Titel

Simon Kjaer (rechts) hat mehrere Auszeichnungen als bestes Talent erhalten. Zu einem der ganz großen Vereine schaffte es der Däne allerdings nie. Foto: dpa

Er galt lange Zeit als eines der größten Talente des dänischen Fußballs. Doch einen Titel egal welcher Art gewann Simon Kjaer bislang noch nicht. Dabei hatte der 29-Jährige...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Falsche Entscheidungen, unglückliche Umstände, Verletzungspech - es ist erstaunlich, dass Simon Kjaer trotz seines Talents noch nie einen Titel im Profifußball gewinnen konnte. Der dänische Nationalmannschaftskapitän gilt als eines der größten Talente des kleinen Landes seit 30 Jahren. 2007 und 2009 wurde er als talentiertester Spieler Dänemarks ausgezeichnet, wurde seither mit Expertenlob überschüttet. Bereits mit 17 Jahren hatte sich der Innenverteidiger im Abwehrzentrum des Erstligisten FC Midtjylland festgespielt. Sein Wechsel zu Palermo US machte den Dänen zunächst zum bestbezahlten Jungprofi der Skandinavier und dann zum Stammspieler in einer der großen Ligen Europas - mit 21 Jahren.

Als die Italiener Offerten für Kjaer von Real Madrid und Manchester United ablehnen, steht dem in Hortens geborenen Dänen die große Fußballwelt noch offen. Doch sein Berater transferiert ihn 2010 zum in Kaufrausch verfallenen VfL Wolfsburg in die Bundesliga - ein Fehler, wie sich die Zeit unter Felix Magath und später mit wechselnden Trainern anfühlt. Erst als Kjaer in OSC Lille einen neuen Arbeitgeber gefunden hat, wird der heute 29-Jährige wieder glücklich, macht sich bei den Franzosen unentbehrlich. Über Fenerbahce Istanbul landet Kjaer 2017 beim FC Sevilla. Doch als der Däne in seiner vierten großen europäischen Liga ankommt, ist die Hochzeit des spanischen Vereins mit drei Europa-League-Titeln in Folge gerade zu Ende (2014-2016). Kjaer bleibt bis heute nur der überraschende Vizemeistertitel mit Midtjylland zu Beginn seiner Profikarriere (2008).

AC Horsens der klassische Ausbildungsverein

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Dass Kjaer überhaupt den Sprung in die Welt geschafft hat, liegt neben dem großen Talent, seinem guten Auge für die Spielsituation und dem leidenschaftlichen Spaß am Training an seinem Jugendverein AC Horsens. Der 1994 aus zehn kleineren Spielgemeinschaften und Formationen geschlossene Alliance Club schrieb sich auf die Fahnen, Talente der Region zu finden, zu fördern und im Profifußball unterzubringen. Simon Kjaer ist eines der Paradebeispiele, doch nicht der einzige dänische Auswahlspieler, der den Weg aus Jütland über den AC Horsens nahm.

Niels Lodberg, Mathias Nielsen und eben Simon Kjaer stehen für die hervorragende Arbeit im Ausbildungsverein. Eine enge Kooperation mit der Jugendakademie des FC Midtjylland sorgt für das Überleben des kleinen Klubs aus der dänischen Hafenstadt mit rund 55.000 Einwohnern, die auch einige Handballstars hervorgebracht hat. Dass der AC Horsens 2012 in der Qualifikation zur Europa League antreten konnte, hat dem Klub, der sich seit seiner Gründung konsequent in die dänische Superliga vorgearbeitet hat, nochmals einen Schub gegeben. Inzwischen besitzt der Verein eine eigene Scoutingabteilung, kann Talente länger im Verein halten. Ein neuer Simon Kjaer mit Auszeichnungen en masse ist allerdings derzeit nicht in Sicht.