WM-Analyse: Australien - "Skippy" und das große Glück

Robbie Kruse (links) hat sich in der Bundesliga selten dauerhaft durchgesetzt. Australien setzt dagegen bedingungslos auf den Strafraum-Wuseler. Foto: dpa

Robbie Kruse ist in Deutschland längst kein unbeschriebenes Blatt. Doch so wohl wie bei Zweitligist VfL Bochum fühlte sich der Australier selten. Gingen Kollegen schon früh...

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. Von Frederik Voss

Sie nennen ihn „Babyface“. Und sie nennen ihn „Skippy“ – natürlich. Immerhin kommt Robbie Kruse aus Australien und da haben sie einen Hang zu Spitznamen: In der A-Nationalmannschaft spielen die „Socceroos“, die U20 sind die „Young Socceroos“, die U17 nennt man „Joeys“ und die U23 „Olyroos“. Und dann gibt es noch die „Matildas“ – das ist das Nationalteam der Frauen. Kann man so machen. Oder man nennt seine Nationalmannschaft einfach „Die Mannschaft“…

Aber zurück zu Robbie Kruse. Dass sein tatsächlich vorhandenes Babyface nicht wirklich viel aussagt, hat der 29-jährige Flügelspieler des VfL Bochum in den Anfangsjahren seiner Karriere gerne mal unter Beweis gestellt. 2007 wurde Kruse Profi bei Brisbane Roar, zeigte aber neben dem Platz mehr Durchsetzungsfähigkeit als auf dem Platz. 23 Spiele, vier Tore in zwei Saisons, dafür aber so manche Schlagzeile wegen, nennen wir es mal, „Auffälligkeiten im Nachtleben“.

"Skippy" profitiert von staatlicher Förderung

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So hatten sie sich das damals wahrscheinlich nicht vorgestellt, als sie „Skippy“ (der damals sicher noch nicht so hieß wie das Buschkänguru aus dem Fernsehen) 2004 als jungen Burschen auf die prestigeträchtige „Queensland Academy of Sport“ lotsten. Die Sport-Strukturen Down Under greifen etwas anders als hierzulande nicht so sehr über Vereinsstrukturen, aber die Förderung funktionierte bei Kruse. Zwei Jahre später landete er im „Australian Institute of Sport Football Program“, das seit 1981 unter anderem auch einen Mark Viduka hervorbrachte.

Inzwischen haben sich die Strukturen in Australien etwas gewandelt. Seit sich der nationale Verband FFA 2006 dem asiatischen Verband anschloss, haben die Nachwuchsauswahlen etwas größere Probleme, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Immer mal wieder misslingen Qualifikationen für die großen Turniere. Der Verband versucht daher nun, die Nachwuchsförderung über die Zentren der erstklassigen A-League-Klubs zu regeln. Manch jungen Spieler zieht es auch schon früh ins Ausland – fast schon eine Glaubensfrage.

Auszeichnung zum besten Jungprofi

Robbie Kruse dagegen blieb. Schon in den Jugendnationalmannschaften überzeugte er und auch, wenn der Start ins Profibusiness in Brisbane eben nicht sonderlich ruhmreich verlief, so schaffte es der Offensivmann ab 2009 doch, sich bei Melbourne Victory zu etablieren, glänzte mit einem Hattrick gegen Perth Glory und wurde 2009/2010 zum „Young Player of the Year“ gekürt.

Und so landete „Skippy“ 2011 in Deutschland. Mit Fortuna Düsseldorf stieg er in die erste Liga auf und stach im Oberhaus erst richtig hervor. Prompt lag ein Vertrag mit Champions-League-Ambitionen auf dem Tisch: Im Sommer 2013 wechselte Kruse zu Bayer Leverkusen. Nach ordentlichen Auftritten sank die Leistungskurve des Australiers jedoch langsam, aber sicher. Auch die Leihe zum VfB Stuttgart blieb wenig ruhmreich. Was man von seinem Abstecher nach China zu Liaoning Whowin erst recht behaupten konnte: vier Spiele, kein Tor und auch kein Gehalt – und schon war Kruse wieder weg aus China und zurück in Deutschland.

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Beim VfL Bochum scheint sich „Skippy“ nun wieder wohl zu fühlen: Die Leistung stimmte in der vergangenen Saison. Sogar erste Gerüchte tauchten auf, ob er nicht Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt haben könnte. Nun fährt Robbie Kruse aber erstmal mit Australien zur WM - immerhin hat sich die A-Nationalmannschaft nun schon zum vierten Mal in Folge qualifiziert.