WM-Analyse: Ägypten - der größte Fußball-Pharao

Auf Mohamed Salah ruhen die Hoffnungen der Ägypter. Foto: dpa

Aus einem kleinen nordafrikanischen Dorf startete Mohamed Salah seinen Siegeszug in die Fußball-Herzen. Der Ägypter wird schon als kommender Weltfußballer gehandelt. Dabei...

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. Von Tommy Rhein

Es war kurz nach 21 Uhr am 26. Mai, als ganz Fußball-Ägypten der Atem stockte. Gerade hatte Sergio Ramos, beinharter Verteidiger im Star-Ensemble von Real Madrid, die personifizierte Hoffnung der ägyptischen Nationalmannschaft zu Boden gerungen: Mohamed Salah. Mit schmerzverzerrtem Gesicht, die Hand an der verletzten Schulter, lag er am Boden. Das Champions-League-Finale endete für den Angreifer des FC Liverpool in diesem Moment. Die WM-Teilnahme schien ungewiss.

Wenige Wochen später ist die Hoffnung nach Ägypten zurückgekehrt. Salah ist fit, trainiert in vollem Umfang mit und wird zum Auftakt gegen Uruguay in der Anfangsformation stehen. Die Nordafrikaner können also auch auf ihren Hoffnungsträger bauen. Schließlich ist Salahs Mission keine geringere als sein Nationalteam erstmals seit 1934 wieder in ein WM-Achtelfinale zu führen. Mit der erst dritten WM-Qualifikation überhaupt ist Ägypten aber bereits jetzt etwas Historisches gelungen.

Der größte Fußballer, den Ägypten je hervorgebracht hat

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Schon jetzt ist klar, Mohamed Salah ist der beste Fußballer, den Ägypten je hervorgebracht hat. Und dabei war er eher ein Spätzünder. Erst mit 20 wechselte er aus Afrika nach Europa. Der schweizerische Serienmeister FC Basel überwies gerade einmal 2,5 Millionen Euro. Zwei Jahre, 79 Spiele und 20 Tore später kassierte der FCB stolze 16,5 Millionen vom FC Chelsea. Salah war in der europäischen Spitzenklasse angekommen. Durchsetzen konnte er sich dort noch nicht. Es folgten Leihen zum AC Florenz und später zum AS Rom. In der ewigen Stadt folgte der endgültige Durchbruch. 2016 sicherten sich die Römer für 15 Millionen endgültig Salahs Dienste. Ein Jahr später schlug Liverpool zu. Kostenpunkt: 42 Millionen Euro. Und diesmal setzte sich der inzwischen 25-Jährige auf der Insel durch. Sein Höhenflug bescherte ihm 32 Saisontreffer in der Premier League und ein Ticket für das Champions-League-Finale in Kiew. Sergio Ramos bremste ihn zwar aus, in Russland wartet nun jedoch Salahs nächster Höhepunkt. Und der startet ausgerechnet an seinem 26. Geburtstag.

U20-Weltmeisterschaft ist Salahs erste große Bühne

Weltmeisterschaften sind für Mohamed Salah indes ein gutes Omen. Ohne die U20-WM 2011 hätte seine steile Karriere womöglich nie an Fahrt aufgenommen. In Kolumbien zog er mit Ägypten ins Achtelfinale ein, trotze dem späteren Weltmeister Brasilien in der Vorrunde ein Unentschieden ab und war erst durch Argentinien zu stoppen. Salah gehörte zu den Leistungsträgern und landete im Notizblock des FC Basel. Ehrung als Afrikas Nachwuchsspieler des Jahres inklusive. Nachdem die anschließende Saison in Ägypten nach den schweren Ausschreitungen im Stadion von Port Said abgebrochen wurde, organisierte Basel kurzerhand ein Testspiel gegen Ägyptens U23-Nationalmannschaft. Salah kam im zweiten Durchgang zum Einsatz, steuerte zwei Treffer zum 4:3-Sieg Ägyptens bei und bekam eine Einladung zum Probetraining in Basel. Der Weg nach Europa war geebnet.

Alles begann beim Dorfverein in Nordägypten

Zur rechten Zeit am rechten Ort also. Mit 20 Jahren, schon fast zu alt für die Talentschmieden der europäischen Spitzenklasse, schaffte Salah doch noch den Weg nach oben. Und wie so oft im Fußball fing der Weg des Ägypters auf der Straße an. In Nagrig, einem nordägyptischen Dorf, wuchs Salah auf, begann bei einem Dorfverein mit dem Fußball und scheute später nicht die Strapazen, im etwa 30 Kilometer entfernten Tanta zu trainieren. Mit 14 Jahren entdecken Scouts von al-Mokawloon al-Arab SC aus Kairo das Talent. Dort aufgenommen betrug Salahs tägliche Trainingsstrecke stolze 150 Kilometer – und das war nur der Hinweg. Als 17-Jähriger debütierte er in der ägyptischen Premier League. Schnell wurde Salah zum Stammspieler, große Vereine des Landes buhlten um seine Dienste. Es folgten die folgenschweren Ausschreitungen von Port Said, woraufhin Salah lediglich für die U23 Ägyptens spielte und sich auf Olympia 2012 vorbereitete. Dort hatte Basel ihn aber längst auf dem Zettel.

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Wiedersehen mit Sergio Ramos im Achtelfinale?

Inzwischen ist Salah längst bekannt. Für viele Experten gilt der Senkrechtstarter als einer der Kandidaten als Weltfußballer in den kommenden Jahren. Die WM in Russland könnte die nächste große Bühne sein, auf der Salah sein Können zeigt. Schließlich haben die Nordafrikaner als Außenseiter nichts zu verlieren. In Gruppe A mit Russland, Saudi-Arabien und Uruguay ist das Erreichen des Achtelfinales aber durchaus realistisch. Gelingt das, dann könnte Salah auch abermals auf Sergio Ramos treffen. Kommt es dazu, wird Fußball-Ägypten abermals der Atem stocken. Aber diesmal allein schon aus Vorfreude.