Wenn die Russin alles trifft

Kunststücke in der Halfpipe - für manche nur ein Hip-Hopper, der Faxen macht. Foto: dpa

17 Salti und ein "mutiges Grab", das ist Olympia. Aber auch Loriot spielt eine Rolle.

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. Es gab ja mal wirklich harmonische Zeiten mit der Schweiz. Wir erinnern uns an die Schokoladenwerbung mit dem Alm-Öhi: "Aber voorsicccht! It‘s cool, man!" Aber dann drängte im Fernsehen immer mehr ein Typ nach vorne, der zwar Spezialist für Kühe war, aber eher für Bunga-Bunga Reklame machte. Er nannte sich Silvio Berlusconi und war Ausländer, Italiener. Da war das traditionell ausländerfreundliche Schweizer Feeling - kleiner Scherz - schon ein bisschen angefressen. Was der Sache dann den letzten Kick gegeben hat, war der Fall Alice Schwarzer. Natürlich hatten die Schweizer auch schon den berühmten Watergate-Film gesehen, in dem die geheime Nachrichtenquelle "Deep Throat" dem Reporter Bob Woodward empfiehlt: "Geht dem Geld nach." Und da dachten sich die Schweizer: Wenn so was schon "Deep Throat" sagt, also einer, der denselben Namen hat wie die Mutter aller Pornofilme, und den man heutzutage als - schwieriges Wort in diesem Zusammenhang - "Whistleblower" bezeichnen würde, wenn der also schon empfiehlt, dem Geld nachzugehen, wie intensiv mag da erst das Verlangen in der Deutschen Alice Schwarzer brennen, eines Tages zu ihrem Geld in die Schweiz zu ziehen! "Wollen wir das?", fragten sich die Schweizer, und damit war die Volksbefragung vom vergangenen Sonntag schon gelaufen.

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Wenden wir uns lustigeren Sachen zu. Olympische Winterspiele, Putingate, sozusagen. Was haben sich die Zeiten geändert! Was waren das noch für beschauliche, harmonische Spiele, wir Älteren erinnern uns, da der unvergessene Reporter Heinz Maegerlein (1911-1998) Lyrik wie diese formulierte: "Sie standen an den Hängen und Pisten" - ein Satz, der seine volle Wirkung natürlich nur phonetisch entfaltet. Oder es gab beim Eiskunstlauf Abzüge in der B-Note für den künstlerischen Wert, wenn beim Paarlauf der männliche Teil seine Partnerin bei der sogenannten Todesspirale (das hat nichts mit dem Film "Deep Throat" zu tun!) aus erzieherischen Gründen aufs Eis knallen ließ.

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Jetzt dagegen leben wir im Zeitalter von Slopestyle. Junge Menschen im Hip-Hop-Look tun auf ihren Untersätzen (Skier? Snowboards?) Dinge, die normalerweise mindestens 6 Monate Haft nach sich ziehen. Sie fahren Treppengeländer hinunter und schlagen dabei gefühlt 17-fache Saltos in der Luft, ohne dass sie dabei angeschnallt wären. Wahrscheinlich checken sie dabei mit einer Hand noch ihre E-Mails. Es gibt für all das, was die da treiben, wunderbare Fachbegriffe. Ins Auge gefallen ist uns zum Beispiel "mute grab". Das heißt nicht etwa "mutiges Grab", obwohl man diesbezüglich eine mentale Affinität erkennen könnte. Nein, bei mute grab, so lesen wir, geht der linke Ski über den rechten Ski und die rechte Hand greift an den linken Ski kurz vor dessen Bindung. Nun, da lacht das Herz jedes Unfallchirurgen, und die Private Krankenversicherung denkt sich schon mal neue Tarife aus, zum Beispiel den 200-Prozent-Aufschlags-grab mit doppeltem Schmerzensschrei und Abzügen in der B-Note für den künstlerischen Wert, weil der Betroffene in Hartz IV landet.

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Auch die Sportart Biathlon ist stets sehr interessant. Wir hörten beim wunderbaren Radiosender SWR dazu Folgendes: "Stell‘ Dir vor, neben Dir liegt eine Russin und trifft alles." Nun, da könnten wir uns tatsächlich eine ganze Menge vorstellen.

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"Erfolgsrezept: keine Angst, zu nerven", lesen wir in der FAZ. Das kennen viele von ihren Ehepartnern/Innen. Gemeint war konkret aber der Norweger Ole Einar Björndalen, der im Biathlon zum x-ten Mal Olympiasieger wurde, trotz seines biblischen Alters von 40. Wahrscheinlich liegt das daran, dass Norweger-Pullover sehr schön frisch halten. Als einer der Ersten seiner Disziplin habe Björndalen einen Mentaltrainer gehabt, "der früher mal Staubsauger-Vertreter war", so lesen wir. Ganz im Sinne von Loriot: "Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann." Björndalen wird generell eine gewisse Schrulligkeit nachgesagt, die unter anderem darin zum Ausdruck komme, dass er im Wohnmobil an der Trainingsstätte lebe, "zur schnelleren Regeneration". Das ist nun ganz erstaunlich, den derlei kannte man bislang nur aus zwei Bereichen: dem Rotlichtmilieu, ferner von den niederländischen Freunden, unseren kleinen Goudas, wenn sie sich in ihren Wohnmobilen nachts auf dem Standstreifen des Frankfurter Kreuzes erholen, um später bei einem wunderbaren Sonnenaufgang mit dem Wohnmobil auf der Überholspur den mute grab zu trainieren.