Wahl zur WM-Elf 2014: Erfolgsgaranten vor dem Tor

André Schürrle (re.) - Deutschland. Foto: dpa

Klose mit WM-Rekord, Müller mit der Chance auf die Torjäger-Trophäe und Schürrle mit der effektivsten Quote als Einwechselspieler - der deutsche Angriff hat es bei dieser WM...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Erfolgreiche Angriffe machen sich in Toren bezahlt, die Torschützen, zumal, wenn sie das Spiel entscheiden, werden als Helden gefeiert. Doch auch mannschaftsdienliche Arbeitsbienen, flankenschlagende Flügelvirtuosen und ablegende Stoßstürmer haben ihren Wert, je nach Taktik und Spielsystem. So wie Klose, Müller und Schürrle in der DFB-Elf haben sich auch einige Angreifer anderer Nationen ihre Lorbeeren bei dieser WM-Endrunde verdient.

Wir blicken dabei mit Staunen zurück auf eine Ein-Mann-Show aus Ecuador, einen Extrem-Bumms aus Australien, einen Strafraumwühler aus den Niederlanden oder den Stürmer, der durchschnittlich pro Spiel am meisten auf die Socken bekommen hat. Sie alle hätten einen Platz in der WM-Elf 2014 verdient. Doch nur zwei Spieler können Sie auf den Thron heben. Hier die Kandidaten, die unserer Ansicht nach die Erfolgsgaranten vor dem Tor waren.

Karim Benzema (Frankreich)

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Kein anderer Stürmer hielt so oft drauf wie Karim Benzema - mehr als 30 Torschüsse in fünf Spielen, immerhin dreimal ließ es der Real-Star im gegnerischen Gehäuse klingeln. Hätte der niederländische Schiedsrichter Björn Kuipers im Duell mit der Schweiz ein Einsehen gehabt und das Spiel nicht mitten im Schuss zum 6:2 abgepfiffen, hätte es auch einer mehr sein können. Auch wenn dem 26-Jährigen nach dieser Partie die Treffsicherheit ausging, waren Benzemas Tempovorstöße wichtig für das französische Spiel. Er bereitete auch drei Treffer vor.

Thomas Müller (Deutschland)

Nach 2010 nimmt Thomas Müller auch bei dieser WM Kurs auf die Torjäger-Trophäe. Nach seinem Tor im Halbfinale gegen Brasilien fehlt ihm nur noch ein Tor, um zum Topschützen James aus Kolumbien aufzuschließen. Doch nicht nur seine Tore machen den 24-Jährigen für Deutschland so wertvoll. Drei Torvorlagen, eine ganze Reihe Torschussvorlagen und Torschüsse zeugen von seiner Aktivität im Spiel nach vorne. Mit durchschnittlich 52 Ballkontakten ist der Bayern-Akteur eine wertvolle Anspielstation in der Spitze.

Jackson Martinez (Kolumbien)

Der Kolumbianer in den Diensten des FC Porto hat mit Abstand die beste Torquote aller Angreifer bei dieser WM - jeder zweite Schuss aufs Tor saß. Allerdings machte der agile Stoßstürmer nur drei Spiele für sein Land, nur eins von Anfang an. Mit im Schnitt nur 28 Prozent erfolgreicher Zweikämpfe und kaum mehr als 20 Ballkontakten war seine Leistung - mit Ausnahme der beiden Tore gegen Japan - allenfalls Durchschnitt.

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Islam Slimani (Algerien)

Dass Algerien im Achtelfinale Deutschland überhaupt in die Bredoullie einer Verlängerung bringen konnte, lag auch an Slimanis überragendem Auftritt gegen Südkorea. Kaum jemand hatte mit einer derartigen Leistungsexplosion der Nordafrikaner gerechnet. Knapp ein Dutzend Torschüsse und zwei Tore steuerte allein der 26-jährige Angreifer von Benfica Lissabon zu dieser WM bei. Allerdings erlaubte er sich auch einige Offensivfouls.

Tim Cahill (Australien)

Der Altmeister hat bei seinem letzten großen Turnier noch einmal aufhorchen lassen. Als Kapitän der australischen Mannschaft traf er nicht nur in seinen beiden Spielen je einmal, sondern das zweite Tor bedeutete gleichzeitig auch den Geschwindigkeitsrekord - denn sein Schuss schlug mit 139,4 Stundenkilometern im Gehäuse der Niederländer ein. Schade, dass sich der 34-Jährige nach zwei Spielen gelbgesperrt nicht würdig von der WM-Bühne verabschieden konnte.

Alexis Sanchez (Chile)

Nicht Neymar, Messi oder Robben, die allesamt eine Menge auf die Socken bekommen haben, sondern ein chilenischer Angreifer ist der meistgefoulte Spieler dieser WM. Durchschnittlich sieben Fouls musste Alexis Sanchez pro Spiel über sich ergehen lassen. Das tat aber seinem unermüdlichen Engagement für sein Team keinen Abbruch. Seine Bilanz - 70 Ballkontakte pro Spiel, zwei Tore, zwei Torvorlagen - brachte ihm einen Wechsel vom FC Barcelona zu Arsenal London ein.

Enner Valencia (Ecuador)

Ecuador spielte eine gute WM mit einem Sieg gegen Honduras und einem Unentschieden gegen Frankreich. Dass es nicht für die K.o.-Runde reichte, lag aber nicht an Enner Valencia. Denn wenn Ecuador traf, dann hatte der 24-Jährige Kopf oder Fuß im Spiel. Der Angreifer vom CF Pachuca erzielte alle drei WM-Treffer seines Teams. Kein Wunder, dass auch europäische Spitzenmannschaften nun bei seinem mexikanischen Verein anklopfen.

André Schürrle (Deutschland)

Der Stürmer vom FC Chelsea stand bei dieser WM nie in der Anfangsformation, kam auf knapp 150 Minuten Spielzeit, brachte aber bei seiner Einwechslung immer neuen Schwung. Allein drei Jokertore der Deutschen gehen auf das Konto des 23-jährigen Ex-Mainzers. Zwei Dinger legte er auf. Damit ist André Schürrle der effektivste Stürmer des Turniers, der in der Kicker-Datenbank zusätzlich mit Note 1,5 die beste Durchschnittsbewertung aller WM-Stürmer aufweist.

Miroslav Klose (Deutschland)

Bei seiner vierten Weltmeisterschaft und seinem vierten WM-Halbfinale hintereinander fällt Miroslav Klose immer wieder als extrem mannschaftsdienlicher Spieler auf, allerdings nicht ohne mit zwei Turniertreffern den WM-Torrekord - 16 Treffer nach dem Halbfinale - vom Brasilianer Ronaldo (15 Tore) zu übernehmen. Auch wenn der Salto nach dem Ausgleich gegen Ghana verunglückte, gebühren dem 36-jährigen Vorzeigeprofi Anerkennung und Respekt vor dieser Leistung.

Arjen Robben (Niederlande)

Das Alphatier der niederländischen Mannschaft ist bei diesem Turnier Arbeitsbiene, Schlitzohr, Motivator, aber auch Elfmeterschinder. Mit allen erfolgsorientierten Attributen macht sich der 30-Jährige zwar nicht überall Freunde, doch ist er somit auch Garant für das erfolgreiche Abschneiden des Vizeweltmeisters. Er fordert den Ball (57 Kontakte pro Spiel sind eine Topquote für einen Stürmer), sucht den Abschluss (vier Torschüsse pro Spiel), trifft (drei Tore nach dem Viertelfinale) und hat auch das Auge für den Nebenmann (zwei Torvorlagen, 13 Torschussvorlagen).

Robin van Persie (Niederlande)

Sein Traumtor als Fliegender Holländer gegen Spanien wird es mit Leichtigkeit in die Bilder der WM schaffen, seine exorbitant hohe Abseitsquote (16-mal, davon allein zehnmal im Viertelfinale gegen Costa Rica) allerdings ebenfalls. Dennoch hat der Kapitän der niederländischen Mannschaft mit drei Toren seinen Anteil beigetragen, der die Niederländer zu einem Titelfavoriten machte. Zwölf Offensivfouls sind allerdings auch der Höchstwert aller Stürmer in dieser Kategorie.

Divock Origi (Belgien)

Eigentlich hatte man Romelu Lukaki bei Belgien in vorderster Front erwartet. Doch weil der nicht richtig fit war, nutzte der 19-jährige Origi seine Chance, ballerte aus jeder Lage aufs Tor, machte sich mit dem wichtigen 1:0 gegen Russland zum jüngsten belgischen WM-Torschützen und spielte sich so ins Rampenlicht der Bundesliga - der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim signalisierten während der WM Interesse an einer Verpflichtung.

Die Wahl

Wie heißen die zwei besten Angreifer dieser Weltmeisterschaft? Wen haben wir vergessen? Kommentieren Sie diesen Beitrag oder schreiben Sie mir an bschuessler@vrm.de, welche Stürmer sich den Platz in der WM-Elf 2014 verdient haben. Die beiden Akteure mit den meisten Stimmen stellen wir vors Tor. Die Aktion läuft bis zum Finalwochenende.