Wahl zur WM-Elf 2014: Der Abwehr-Riegel

Ron Vlaar (Nr. 2) - Niederlande. Foto: dpa

Ob zu viert auf einer Linie, als 5er-Verbund oder mit zwei hoch stehenden Außenverteidigern, mit vier gelernten Innenverteidigern oder als Dreier-Kette - ging es in der...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Brasiliens Trainer Felipe Scolari spricht vor dem Halbfinale gegen Deutschland aus, was schon Schiedsrichter-Beobachter andeuteten und wahrscheinlich viele Liebhaber des kreativen Offensivfußballs denken, spätestens nach dem Fall Neymar: Die Verteidiger wie Kolumbiens Juan Zuniga gehen mit ungeheurer Härte zu Werke und die Schiedsrichter lassen vieles trotzdem durchgehen. Dass ausgerechnet die Spieler der Seleção bisher im Turnier die meisten Fouls begangen haben, passt da nicht so recht ins Bild. Und doch sind auch die Defensivakteure des fünfmaligen Weltmeisters nicht zimperlich. Trotz der eher robusten Zweikampfführung gehört die Innenverteidigung der Gastgeber zum Besten, was diese WM in der Defensive zu bieten hat.

Doch nicht nur Härte zeichnet die Abwehrspieler aus. Viele, die bei diesem Turnier im Defensivverbund glänzten, taten das mit herausragendem Stellungsspiel, aufopferungsvoller Laufbereitschaft, wichtigen Kopfballtoren oder vorbildlicher Fairness. Hier eine Auswahl der Spieler, die wir als würdig erachten, Teil der WM-Elf 2014 zu sein.

Thiago Silva (Brasilien)

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Das Fehlen des brasilianischen Kapitäns im Halbfinale schmerzt die Seleção sehr. Seine beruhigende Hand ordnete die Viererkette, mit im Durchschnitt 60 Ballkontakten und einer herausragenden Passquote von 87 Prozent zum Mitspieler ist der 29-Jährige eine wichtige Schaltstation im Spielaufbau. Zudem brachte Thiago Silvas 1:0 im Viertelfinale sein Team auf die Siegerstraße gegen Kolumbien.

Rafael Marquez (Mexiko)

Eigentlich hatte Rafael Marquez seine Karriere in der "Tri" schon beendet, doch auf Rufen des Trainers gab es zur WM die Rückkehr des 35-Jährigen in die mexikanische Abwehr. Allein mit seiner Erfahrung trug er wesentlich dazu bei, dass die Mexikaner es bis ins Achtelfinale geschafft haben. Dass dann ausgerechnet der Kapitän gegen Robben den entscheidenden Elfmeter verursachte, ist ob seiner Topleistungen tragisch..

Gary Medel (Chile)

Der Motor des chilenischen Aufbauspiels mit für einen Abwehrspieler überragenden 85 Ballkontakten pro Spiel war letztlich im Achtelfinale gegen Brasilien nur durch eine Verletzung in der Verlängerung zu stoppen. Äußerst erstaunlich dabei, dass Gary Medel in der eher robust zu Werke gehenden Mannschaft in vier WM-Spielen mit nur drei Fouls ausgekommen ist und keine einzige Gelbe Karte bekam.

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Sokratis (Griechenland)

Ausgerechnet im so wichtigen ersten K.o.-Spiel gegen Costa Rica gelang dem Dortmunder Abwehrspieler sein erstes Länderspiel-Tor. Damit rettete Sokratis sein Team in die Verlängerung. Zudem unterstützte der 26-Jährgie das hellenische Aufbauspiel mit klugen Pässen, erstickte vor allem die japanischen Angriffsbemühungen mit sicheren Tacklings im Keim. Dass Griechenland nicht über das Achtelfinale hinaus kam, lag sicherlich nicht an Sokratis.

Raphael Varane (Frankreich)

Fünf WM-Spiele, nur ein Foul. Was der französische Youngster im Abwehrzentrum leistete, ist mehr als erstaunlich, wenngleich natürlich außer Deutschland kein Team der Equipe Tricolor so richtig das Wasser reichen konnte. Frankreich kassierte nur drei Gegentreffer bei diesem Turnier, wobei das 0:1 gegen Deutschland, bei dem der 21-jährige Varane gegen Mats Hummels im Kopfballduell den Kürzeren zog, natürlich doppelt weh tut.

Mats Hummels (Deutschland)

Drei Chancen, zwei Tore - hört sich nach einer tollen Ausbeute eines Stürmers an, ist aber die tolle Ausbeute des nach Kicker-Datenbank notenbesten Abwehrspielers des Turniers. Auch wenn Hummels aufgrund eines grippalen Infekts nur bei vier Spielen dabei sein und gegen Ghana sogar ausgewechselt werden musste, ist die WM in Brasilien auch in der Nationalmannschaft der Durchbruch für den 25-Jährigen. Mit ihm und einem Zweikampfwert (61 Prozent gewonnen) im oberen Drittel aller Verteidiger hatte die deutsche Abwehr die annähernd gewohnte Stabilität.

Vincent Kompany (Belgien)

Der 28-jährige Belgier ist in Deutschland seit seiner Zeit beim Hamburger SV kein Unbekannter und aufgrund seines geschulten Auges als starker Zweikämpfer bekannt. Mit 70 Prozent gewonnener Zweikämpfe gab Vincent Kompany der jungen belgischen Mannschaft die Sicherheit nach hinten. Ausgerechnet im Viertelfinale gegen Argentinien erwischte der erfahrene Abwehrspieler aber nicht seinen allerbesten Tag.

Jerome Boateng (Deutschland)

Auf der rechten Abwehrseite, aber auch als Innenverteidiger machte der Bayern-Star bei allen seinen fünf WM-Einsätzen seine Sache sehr sehr ordentlich. Durchschnittlich 68 Ballkontakte zeigen, wie wichtig Boateng für das deutsche Aufbauspiel ist. Zudem hatte er in den wichtigen Zweikämpfen eine sehr hohe Erfolgsquote (95 Prozent). Da der 25-Jährige auch seine Nerven im Griff hat, kassierte er nicht einmal eine Gelbe Karte wegen Meckerns.

David Luiz (Brasilien)

Der Wechsel vom FC Chelsea zu Paris St. Germain stand schon vor Beginn der WM fest. Die Franzosen werden wissen, warum sie den energischen Abwehrmann nach Paris lotsen. Denn bei der WM entwickelt David Luiz besonderen Zug zum Tor, erzielte das wichtige 2:0 gegen Kolumbien per Freistoß direkt. Der Preis seines Engagements nach vorne: nur 58 Prozent der Zweikämpfe gehen zu seinen Gunsten aus, zudem gehen bereits neun Fouls auf sein Büßerkonto.

Michael Umana (Costa Rica)

Costa Rica ist die große Überraschung des Turniers. Besonders der Fünfer-Abwehrverbund machte diese Überraschung, die die Mittelamerikaner zweimal in ein Elfmeterschießen führten, möglich. Ein Garant in dieser Kette war Michael Umana. Der 31-Jährige lieferte konstant starke Leistungen auf der Außenverteidigerposition ab. Tragisch allerdings: Hatte Umana gegen Griechenland noch den entscheidenden Elfmeter versenkt, verschoss er ebensolchen gegen die Niederlande.

Giancarlo Gonzalez (Costa Rica)

Der Abwehrchef der Costa Ricaner erlebte während dieser WM ein Wechselbad der Gefühle. Gegen Griechenland war der 26-Jährige der schlechteste Zweikämpfer auf dem Platz (17 Prozent gewonnen) und durfte sich bei seinem Keeper Keylor Navas bedanken. Gegen die Niederlande war Gonzalez dagegen der Turm in der Brandung (90 Prozent). Zudem schoss der bei Columbus Crew unter Vertrag stehende Verteidiger aufs Tor, wann imemr sich die Gelegenheit bot.

Ezequiel Garay (Argentinien)

Sechsmal aufs Tor geschossen oder geköpft in fünf WM-Spielen, eine Passquote von weit über 90 Prozent - Traumwerte für einen Abwehrspieler. Der Argentinier von Benfica Lissabon, der zwischenzeitlich auch beim FC Bayern München im Gespräch war, war auffallendster Defensivspieler in der Albiceleste. Dennoch wirkte die argentinische Hintermannschaft nicht immer sattelfest, hatte im Achtelfinale gegen die Schweiz und im Viertelfinale gegen Belgien auch Glück.

Ron Vlaar (Niederlande)

Er gilt als harter Hund und geht bei Aston Villa mehr als robust in die Zweikämpfe. Erfolgreich, wie seine Erfolgsquote bei dieser WM zeigt (77 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen). Umso erstaunlicher, dass das vermeintliche Rauhbein bislang mit drei Fouls und ohne den Gelben Karton ausgekommen ist.

Die Wahl

Welche vier Spieler gehören in Ihren WM-Riegel? Wen haben wir vergessen? Kommentieren Sie diesen Beitrag oder schreiben Sie mir an bschuessler@vrm.de, welche Abwehrspieler Sie in die WM-Elf 2014 nominieren würden. Die Verteidiger mit den meisten Stimmen bilden unsere Viererkette. Die Aktion läuft bis zum Finalwochenende.