Wahl der Deutschen Weinkönigin findet statt

aus Coronavirus-Pandemie

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2019 wurde Angelina Vogt von der Nahe zur 71. Deutschen Weinkönigin gekürt. Trotz der Corona-Krise soll 2020 ihre Nachfolgerin gewählt werden. Foto: DWI

Trotz der Corona-Krise wird auch 2020 eine Deutsche Weinkönigin gekürt. Für die Kandidatinnen ändert sich allerdings einiges beim Wettbewerb.

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MAINZ. Die Wahl der 72. Deutschen Weinkönigin findet statt. Doch wegen der Corona-Krise wird die traditionsreiche Veranstaltung diesmal einem „Geisterspiel“ in der Fußballbundesliga gleichen. Denn die Wahl am 25. September wird aller Voraussicht nach ohne Publikum über die Bühne des Neustädter Saalbaus gehen. Das ist den coronabedingten Hygieneregeln geschuldet. Auch wenn es diesmal keinen „Hexenkessel“ mit stimmungsvoller Fankulisse im Saal geben wird, will der SWR als übertragender Sender die Heimatregionen der Bewerberinnen einbinden. „Ich bin sicher, dass es trotz der Einschränkungen auch in diesem Jahr eine spannende und stimmungsvolle Wahl der Deutschen Weinkönigin wird“, sagt SWR-Hauptabteilungsleiter Günter Dudek.

Doch der bis auf die Jury und Fernsehleute leere Saalbau ist nicht die einzige Auswirkung der Pandemie auf die Wahl der Deutschen Weinkönigin. Es werden nicht alle 13 deutschen Weinanbaugebiete eine Bewerberin nach Neustadt schicken. Baden, Franken, Mittelrhein, Nahe und Saale-Unstrut verzichten auf eine Teilnahme, da die amtierenden Gebietsweinköniginnen ihre Amtszeit um ein Jahr verlängern. In Sachsen fällt die Entscheidung dazu in den nächsten Tagen. Neu in diesem Jahr ist zudem, das alle Bewerberinnen direkt für das Finale qualifiziert sind. An die Stelle einer Vorentscheidung, in der die Jury wie in den Vorjahren sechs Kandidatinnen für das Finale auswählt, tritt eine Fachbefragung, die per Livestream im Internet sowohl von der Jury als auch den Fans mitverfolgt werden kann. Das Finale wird live vom SWR Fernsehen übertragen. Die Moderation übernimmt wieder Holger Wienpahl.

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Amtierende Weinkönigin wird nicht verlängern

„Wir freuen uns, dass sich die Mehrheit der Gebiete für die Entsendung einer Kandidatin und damit für die Durchführung einer Wahl der Deutschen Weinkönigin entschieden hat, wenn auch in leicht abgewandelter Form“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule. Das DWI ist für die Organisation und Durchführung der Wahl verantwortlich. Die Alternative zum reduzierten Teilnehmerfeld wäre ein Verzicht auf die Wahl gewesen. Dann hätte jedoch, so Monika Reule, die deutsche Weinwirtschaft ein Jahr lang ohne ihre Botschafterinnen auskommen müssen. Die amtierende Weinkönigin Angelina Vogt (Nahe) und ihre Prinzessinnen Carolin Hillenbrand (Hessische Bergstraße) und Julia Sophie Böcklen (Württemberg) hatten bereits frühzeitig signalisiert, dass sie aus beruflichen Gründen nicht für ein weiteres Amtsjahr zur Verfügung stehen. Immerhin hat die Deutsche Weinkönigin über 200 Termine im Jahr zu absolvieren, ihre Prinzessinnen nicht viel weniger.

Dass gerade in der Krise, die auch die Weinbranche voll erfasst hat, kein Weg an der Wahl vorbeiführt, macht Otto Guthier deutlich. „Die Weinhoheiten sind für die deutsche Weinwirtschaft ein enormer Vorteil und daher unverzichtbar. Darum beneiden uns die Mitbewerber aus anderen Ländern“, sagt der Vorsitzende des Weinbauverbandes der Hessischen Bergstraße. Es sei zwar bedauernswert, dass nicht alle Anbaugebiete dabei seien. Das liege aber an den unterschiedlichen Wahlterminen und -modi in den einzelnen Regionen. Guthier hofft, dass vielleicht doch noch Publikum zugelassen wird, wenn auch in deutlich dezimierter Zahl. „100 Leute sind ja jetzt schon möglich“, merkt der Heppenheimer an. Für die Hessische Bergstraße wird die neue Weinkönigin ins Rennen gehen, die bei einer eigens für die Krönung ins Leben gerufenen Veranstaltung im Juli gekürt wird. Normalerweise erfolgt die Krönung beim Heppenheimer Weinmarkt Ende Juni. Doch der ist wegen der Pandemie abgesagt.

Dass es für das größte deutsche Anbaugebiet keine Frage ist, an der Wahl in Neustadt teilzunehmen, unterstreicht der Geschäftsführer des Rheinhessenwein e.V., Bernd Kern: „Eva Müller geht als Gebietsweinkönigin in die Verlängerung und wird auch noch mal zur Wahl der Deutschen Weinkönigin antreten.“ Und was ist, wenn sie eine der drei Kronen erringt? Dann behalte die Wöllsteinerin zwar auch ihr Amt als Rheinhessische Weinkönigin, doch würden deren regionale Aufgaben und Termine dann von den ebenfalls für ein weiteres Jahr im Amt bleibenden vier Prinzessinnen wahrgenommen. Wann die nächste Weinköniginnenwahl in Rheinhessen ist, steht indes noch nicht fest. Üblicherweise wird hier im September gewählt wegen der also vorteilhaft empfundenen zeitlichen Nähe zur Wahl der nationalen Königin. „Wir wollen abwarten, wie sich das DWI entscheidet. Das heißt, ob es bei dem alten Termin bleibt oder ein neuer gefunden wird“, sagt Kern.

Chancen für den Rheingau?

Im Rheingau wartet man seit 1971, als Ulrike Neradt geborene Seyffardt, zuletzt die Krone errang, auf eine deutsche Weinkönigin aus dem Riesling-Paradies. Ob die Chancen bei ausgedünntem Teilnehmerfeld steigen? „Das weiß ich nicht, weil ich die anderen Kandidatinnen nicht kenne. Es kommt letztlich auch immer auf die Tagesform an“, stellte der Rheingauer Weinbaupräsident Peter Seyffardt dazu fest. Ins Rennen geht jedoch nicht Weinkönigin Valerie Gorgus, sondern ihre Prinzessin Alexandra Unger. Warum? „Wir wollten Valerie die Chance geben, noch ein Jahr im Rheingau aktiv zu sein, denn sie konnte wegen Corona hier ja fast keine Termine machen. Alexandra ist schon das zweite Jahr Prinzessin und freut sich deshalb, sich der neuen Herausforderung zu stellen“, erläutert Seyffardt die Entscheidung. Damit tue man beiden Frauen „einen großen Gefallen“, betont der Weinbaupräsident.

Die amtierende Deutsche Weinkönigin kommt von der Nahe. Das wird die nächste sicher nicht. Denn das Anbaugebiet tritt diesmal in Neustadt nicht an. „Unsere drei aktuellen Weinmajestäten möchten gerne noch ein Jahr verlängern. Diesem Wunsch kommen wir gerne nach“, schildert Laura Bromberger, Geschäftsführerin von Weinland Nahe, die Beweggründe. Königin Lura Tullius und die Prinzessinnen Rebecca Schramm und Nina Schönbein sind im November gewählt worden – und waren vier Monate später in ihrem Amt beschäftigungslos, da alle Veranstaltungen und Präsentationen mit dem Corona-Lockdown abgesagt wurden. Im November 2021 wird an der Nahe eine neue Weinkönigin gewählt.

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Dass die Wahl auch mit dezimiertem Teilnehmerfeld nicht an Bedeutung einbüßt, davon ist DWI-Pressesprecher Ernst Büscher überzeugt. „Die neue Königin und ihre beiden Prinzessinnen repräsentieren ja trotzdem die ganze deutsche Weinwirtschaft“, verdeutlicht Büscher. Die Deutsche Weinkönigin sei nun mal eine wichtige Botschafterin für die ganze Branche. Büscher hofft indes, dass es bis zum September weitere Lockerungen gibt. „Vielleicht kann dann ja aus jedem Gebiet wenigstens ein Bus mit Anhängern kommen“, sagt der DWI-Sprecher. Wird das „Geisterspiel“ also doch noch abgewendet? Die Wahrheit liegt auch hier auf dem Platz – oder in diesem Fall im Saal.

Von Thomas Ehlke