Vorsichtige Zuversicht im Binger Stift St. Martin

aus Coronavirus-Pandemie

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Besuch auf der Terrasse: etwas Freiheit nach Wochen der Zimmerquarantäne. Foto: Stift

Die Corona-Infektionen konnten im Stift St. Martin eingedämmt werden. Elf Bewohner sind wieder genesen, vier Mitarbeiter noch in häuslicher Quarantäne.

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BINGEN. Im Stift St. Martin regt sich Zuversicht bei angezogener Handbremse. Das Seniorenzentrum kämpft seit Wochen mit Corona-Infektionen im Haus. „Es hat den Anschein, dass sich unser proaktives Handeln zur Eindämmung der Infektion langsam tatsächlich auszahlt. Rasante Entwicklungen wie anderswo sind uns erspart geblieben“, sagt Einrichtungsleiter Wolfgang Siebner gegenüber dieser Zeitung. Rund ein Viertel der Bewohner habe sich in den vergangenen Wochen infiziert.

Insgesamt leben in dem Stift 106 Menschen. Zehn Prozent der Mitarbeiter, so Siebner, seien ebenfalls positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die gute Nachricht dabei ist: Elf Bewohner konnten inzwischen wieder aus der Quarantäne entlassen werden. Von den Mitarbeitern befinden sich noch vier in häuslicher Quarantäne. Zwei Bewohner befinden sich derzeit im Heilig-Geist-Hospital, das Corona-Schwerpunktkrankenhaus ist. „Leider sorgen wir uns bei insgesamt vier Bewohnern um deren Gesundheitszustand“, sagt Siebner. Drei Bewohnerinnen sind an den Folgen der Erkrankung verstorben.

Für große Lockerungen der Sicherheitsauflagen im Haus ist es noch zu früh. Aber Schritt für Schritt gibt es Erleichterungen. Der Quarantänebereich auf Etage 1 konnte aufgelöst werden. „Die Gartenbesuche sind sehr gut angelaufen, oftmals nutzen Angehörige diese zur Begegnung im Garten, bei schlechtem Wetter im Festsaal oder im Tagesbetreuungsraum“, so Siebner. Problematisch sei, dass die 4. Corona-Bekämpfungsverordnung nur den Besuch von Lebenspartnern sowie von gesetzlichen Betreuern oder Bevollmächtigten zulasse. „Es ist schwer zu vermitteln, dass erwachsene Kinder und Enkelkinder draußen bleiben müssen, sofern sie nicht bevollmächtigt sind. Immerhin gibt es für sie die Möglichkeit, die Brüstung der Gartenterrasse als ,Besucher-Balkon‘ zu nutzen und den (Groß-)Eltern etwas zuzurufen sowie ihnen zuzuwinken“, sagt Siebner. Aufgrund des insgesamt hohen Betreuungsaufwands im Haus werden auf freiwilliger Basis Zwölf-Stunden-Schichten mit Freizeitausgleich gefahren.

Beim Blick in die Zukunft äußert sich Siebner vorsichtig. „Einzelne Infektionen sind immer noch möglich.“ Sollte Rheinland-Pfalz wie Hessen in den Seniorenheimen die Besuchsregelungen ebenfalls lockern, werde das Stift aufgrund der besonderen Situation in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gewiss einen behutsamen Sonderweg gehen. Es bleibe bei kleinen Schritten der Lockerung. Zum Beispiel werde demnächst auch wieder in den Gemeinschaftsräumen für je fünf Personen das Mittagessen serviert – mit Abstand.

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Von Erich Michael Lang