Uschi mit dem Lasso

Rainer Brüderle, der Zeitungsleser. Foto: dpa

Wenn Politikerinnen und Politiker geheimste Wünsche preisgeben, kann Folgendes passieren: Rainer Brüderle landet am Marterpfahl.

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. Manchmal stehen die wichtigsten Politik-Sachen im Feuilleton - was gegen die These spricht, Politik habe nichts mit Kultur zu tun. Also. Die wunderbare Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat prominenten Politikerinnen und Politikern persönliche Fragen gestellt. Heraus kam: Die Geschichte dieser Republik muss neu geschrieben werden. Zwar fängt es harmlos an. FDP-Fraktionschef Brüderle - keiner//ist wie Rainer - legt dar, dass diese unsere Zeitung die allererste in seinem Leben war, die er, als Student mit lockigem Haar, abonnierte, und dass er das Abo selbstredend immer noch hat. Wir sagen: Das war eine der allerbesten Entscheidungen Ihres Lebens, Herr Fraktionsvorsitzender!

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Doch dann: Auf die Frage: "Gab es je einen Film, der Sie so aufgewühlt hat, dass Sie dachten, Sie müssten sofort Ihr Leben ändern?" antwortet Brüderle mit Blick auf seine Partei nicht etwa "Verdammt in alle Ewigkeit" oder "Der Pate", sondern: "Das kenne ich vor allem aus der Kindheit. Nach Indianerfilmen oder Robin Hood war ich sehr begeistert." Robin Hood!! Die fleischgewordene FDP!! Den Reichen nehmen und den Armen geben! Hammer! Robin Hood, der Rächer der Witwen und Waisen, im Kampf gegen den bösen Sheriff von Nottingham im Sherwood Forest. Man sieht förmlich den jungen ungestümen Rainer, aufgewachsen bekanntlich in Landau, im Kampf gegen die bösen Sheriffs von Neustadt/Weinstraße, im Maikammer Forest. Und dann auch noch die romantische Liebe zu Maid Marian, aber wir werden den Teufel tun, jetzt auf dieses Thema einzugehen. Und Indianerfilme! Total tolerant, dieser Brüderle, keine Berührungsängste mit Rothäuten. Man sieht förmlich den großen Sozialapachen Steinbrück, Häuptling Lockere Zunge, wie wir ihn nennen, wir er auf Brüderle zugeht und sagt: "How, kleiner schwarzgelber Bruder. How ich Dir jetzt eine rein, oder erst später?"

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Allerdings bleibt am Ende des Tages die Koalitionsdisziplin gewahrt. Frage an Ursula von der Leyen: "Welcher ist Ihr Guilty-Pleasure Popsong?" Für Nicht-Feuilletonisten: Ein Lied, das man liebt, obwohl man sich dafür eigentlich schämen müsste. Leyens Antwort: "von Olaf Henning: Komm hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer". Nachdem wir aus dem Schock-Koma wieder aufgewacht sind, sagen wir: Uschi, Uschi, das hätten wir nicht von Dir gedacht! Abgründe von Doppeldeutigkeit! Man stelle sich das bildlich vor: Die sehr kleine und sehr zierliche Ministerin von der Leyen schaut ihrem Kollegen Peter, the Body-Mass-Index Altmaier ganz tief in die Augen und sagt: "Komm, hol Dein Lasso raus." Dem wird so heiß, dass er auf der Stelle zehn Kilo Gewicht verliert. Was wir eigentlich betonen wollen: Brüderle Indianer, Leyen Lasso - Seelenverwandtschaft. Wir sehen es vor unserem geistigen Auge: Brüderle und von der Leyen als "Winnetou und das Halbblut Apanatschi". 1966 spielte Uschi Glas jene Indianerin mit Migrationshintergrund, auf die von der Leyen als Familienministerin die gesamte Wohltaten-Palette des deutschen Jugendhilferechts abgefeuert hätte. Und plötzlich stehen Uschi und Rainer gemeinsam gefesselt am Marterpfahl. Aber der Marterpfahl sagt leise: "Hallo, keine Aufregung, ich bin‘s doch nur, der kleine Rösler."

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Bemerkenswert auch die Übereinstimmung zwischen von der Leyen und unserer Agrarministerin, der Aigner Ilse (CSU) bei der Frage: "Welches Orchesterinstrument würden Sie gerne spielen?" Antwort von beiden: "Cello". Wir wissen nicht, ob es da jetzt Kerle gibt, die an Udo Lindenberg denken: "Du spieltest Cello//in jedem Saal in unserer Gegend//ich saß immer in der ersten Reihe//und ich fand Dich so erregend."

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Kommen wir zu ernsten Dingen. Unser aller Kanzlerin hat am Mittwochabend mit Obama telefoniert, weil uns die Amerikaner ja jetzt vermutlich ausspionieren, wenn sie was finden. Man kennt "friendly fire". Jetzt also "friendly wire". Die Mitschrift des geheimen Gesprächs steht auf der Website www.cia.gov .... kleiner Scherz. Am selben Tag lesen wir eine Agentengeschichte, die echt zu Herzen geht. Heidrun und Andreas Anschlag haben in Deutschland für Moskau spioniert. 25 Jahre lang. Putin wird ihnen wahrscheinlich den "Silbernen Kurzwellenempfänger" verleihen, wenn sie ausgetauscht werden, nach dem Knast. Sie haben "tote Briefkästen" benutzt, das Wort kennt man heute eigentlich nur noch aus den Geschichtsbüchern als Synonym für abgestürzten Post/Telekom-Aktien. Sie haben ihr Material im Wald in Erdlöchern deponiert. Erdlöcher. Der Spion, der aus der Kuhle kam. Fast so goldig wie Uschi mit dem Lasso.