Urteil nach Tankstellenmord: Lebenslange Haft für Täter

Der Angeklagte im Tankstellenmordprozess wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Foto: Sascha Kopp

Im Streit um die Corona-Maskenpflicht erschießt ein Mann einen 20-Jährigen in Idar-Oberstein – nun ist das Urteil gefallen.

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BAD KREUZNACH. Nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter im Streit um die Corona-Maskenpflicht hat das Landgericht Bad Kreuznach den Täter wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der heute 50-jährige Mario N. habe den 20-jährigen Alex W. als einen Repräsentanten der von ihm verhassten Verantwortlichen und Ausführenden für die Coronapolitik angesehen, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Büch-Schmitz in ihrer Urteilsbegründung. Diese hätten ihn und die Bevölkerung erheblichen Beschränkungen ausgesetzt, ohne es dafür aus seiner Sicht eine ausreichende Begründung gab, Deshalb habe er den Mitarbeiter erschossen. „Er fand es untragbar, dass ihn ein Tankstellenboy, wie er ihn genannt hatte, gemaßregelt hatte“, sagte die Richterin.

Oberstaatsanwältin Nicole Frohn
Verteidiger Alexander Klein
Die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte mit seinem Verteidiger
Die Mutter des getöteten Tankstellenmitarbeiters
Der Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal des Landgerichts Bad Kreuznach
Die Mutter des getöteten Tankstellenmitarbeiters
Der Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht folgte damit nach sechsmonatiger Verhandlung nicht vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte zusätzlich die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Damit wäre eine Entlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen gewesen.

Die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte mit seinem Verteidiger Foto: Sascha Kopp
Die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte mit seinem Verteidiger (© Sascha Kopp)
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Verteidigung hatte Mord zurückgewiesen

Die Nebenklage, die die Mutter des getöteten 20-Jährigen vor Gericht vertritt, hatte sich der Forderung nach lebenslanger Haft wegen Mordes „in vollem Umfang und voller Überzeugung“ angeschlossen. Die Verteidigung hatte den Tatvorwurf des Mordes hingegen zurückgewiesen. Sie sah in ihrem Plädoyer die juristischen Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe nicht als erfüllt an und forderte eine Verurteilung wegen Totschlags mit erheblich eingeschränkter Schuldfähigkeit. Zur Tatzeit hatte der Mann nach Schätzung eines Gutachters rund zwei Promille Alkohol im Blut. Ein konkretes Strafmaß hatten die beiden Verteidiger nicht genannt.

Die Tat am 18. September 2021 an einer Tankstelle im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein wurde von den Überwachungskameras festgehalten und hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Prozess vor dem Landgericht Bad Kreuznach begann im März und verzögerte sich mehrmals, unter anderem wegen eines Streits um Gutachten. Die beiden Verteidiger verwahrten sich gegen den Vorwurf der Prozessverschleppung, zuletzt in ihren Plädoyers am vergangenen Freitag. Man habe sachliche Anträge gestellt.

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses gestanden, sich aus Wut darüber, dass der junge Kassierer ihm ohne Maske kein Bier verkaufen wollte, zu Hause eine Waffe geholt und bei einem zweiten Besuch in der Tankstelle abgedrückt zu haben. Er schoss auf den Kopf des 20-Jährigen. Für den Revolver hatte der Täter keinen Waffenschein, deshalb wurde er auch wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. In seinem Schlusswort am vergangenen Verhandlungstag hatte er noch einmal betont, wie sehr ihm die Tat leid tue.