Substanzloses Getöse zur Unzeit

Spekulationen um 05-Trainer Thomas Tuchel: Der Mainzer Erfolgscoach steht auf dem Stuttgarter Wunschzettel für die nächste Saison. Wird aus seinem Gastspiel in der Mercedes-Benz Arena (Foto) ein Dauerbrenner? Archivfoto: dpa

Herbert Grönemeyer würde jetzt wohl fragen: "Was soll das?" Kaum hat sich der VfB Stuttgart ans rettende Ufer gequält, schon wird in den ortsansässigen Medien Thomas Tuchel...

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. Eine Spekulation zur Unzeit, für die sich die Verantwortlichen bei Mainz 05 schön bedanken werden. Zwei Tage vor dem alles entscheidenden Endspiel um Europa gegen den Hamburger SV kann der Fußball-Bundesligist alles gebrauchen. Nur nicht so ein substanzloses Getöse, das allein schon aufgrund des Zeitpunktes, zu dem es ventiliert wird, in sich zusammenbricht.

Zum Glück dürfte Tuchel selbst das vermeintliche oder tatsächliche Werben um seine Person kalt lassen, mutmaßlich kriegt er es überhaupt nicht mit. Wer erlebt hat, wie er am Dienstag seine Spieler imTraining anherrschte und mit welcher Vehemenz er danach vor der Presse auftrat, der spürt: Dieser Mann brennt im Moment nur für das HSV-Spiel, hat bis Samstag nichts anderes im Sinn.

Titel? Champions League? Keine Kernkompetenz des VfB

Aber auch inhaltlich wird aus der Tuchel-Stuttgart-Nummer kein Schuh. Mehrfach, zuletzt im AZ-Talk am 27. März, hat der 40-Jährige betont, sein nächster Karriereschritt werde beinhalten, um Titel und in der Champions League mitzuspielen. Beides gehört aktuell nicht zu den Kernkompetenzen des VfB. Der Beweis, dass Tuchel mit einem derart ins operative Geschäft eingreifenden Sportdirektor wie Fredi Bobic auskommt, müsste wohl erst noch erbracht werden. Und was in einigen Artikeln gern vergessen wird: Tuchel hat in Mainz noch einen Vertrag bis 30. Juni 2015. Fazit: Stuttgart und Tuchel - das passt eigentlich hinten und vorne nicht.

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Insofern kann man das seltsame Störfeuer aus dem Schwabenland - und als nichts anderes werden es die Mainzer empfinden - getrost zu den Akten legen. So wie es Tuchel selbst vor ein paar Wochen mit den Leverkusen-Gerüchten tat.

Bleiben wir bei den Fakten: Der 05-Coach hat seinen in einem Jahr auslaufenden 05-Vertrag bis jetzt nicht verlängert, was einige in der Branche als ungewöhnlich empfinden mögen. Tuchel ist dank seiner Arbeit in Mainz der vielleicht umworbenste Trainer der Gegenwart, könnte bei ganz anderen sportlichen Kalibern als dem VfB Stuttgart anheuern. Deshalb - und da darf man sich nichts vormachen - wird das Trainer-Thema mit anderen Vereinsnamen gewiss bald wieder hochkochen. Aber ausgerechnet jetzt? Was soll das? Vor Samstag, 17.15 Uhr, braucht das wirklich niemand.

Ulrich Gerecke