Spanien ab Sonntag Risikogebiet – auch Mallorca und Kanaren

aus Coronavirus-Pandemie

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Touristen genießen die Sonne am Strand von Arenal. Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung am Sonntag ganz Spanien und damit auch Mallorca und die Kanaren als Risikogebiet ein.  Clara Margais/dpa

Ganz Spanien ist als Risikogebiet eingestuft worden. Zudem steigt die Inzidenz nahe an den kritischen Wert von 200. Ab wann Urlauber mit einer Quarantänepflicht rechnen müssen.

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BERLIN. Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung am Sonntag ganz Spanien und damit auch Mallorca und die Kanaren als Risikogebiet ein. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag bekannt. Das bedeutet, dass das Auswärtige Amt mitten in den Sommerferien wieder von touristischen Reisen in das beliebteste Urlaubsland der Deutschen abraten wird.

Praktische Folgen ergeben sich für Urlauber aber kaum: Wer mit dem Flugzeug aus Spanien nach Deutschland zurückkehrt, muss wie bisher einen negativen Test oder einen Nachweis über eine vollständige Impfung oder Genesung dabeihaben. Damit entfällt dann die Quarantänepflicht. Das Gesundheitsministerium betonte, dass Reisen nach Spanien weiterhin möglich sind. "Risikogebiet heißt nicht Urlaubsverbot", sagte ein Ministeriumssprecher. "Es ist aber das deutliche Zeichen: Bitte aufpassen und bei Rückkehr testen."

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Quarantänepflicht für Zypern

Strengere Auflagen als für Spanien gelten ab Sonntag für die ebenfalls sehr beliebte Urlaubsinsel Zypern, die als Hochinzidenzgebiet mit besonders hohen Infektionszahlen eingestuft wird. Wer dort Urlaub macht und nicht geimpft oder genesen ist, muss künftig für fünf bis zehn Tage in Quarantäne - auch wenn ein negativer Test vorliegt.

Die neuen Einstufungen sind Folge der in vielen Regionen Europas wieder deutlich steigenden Infektionszahlen. In Spanien gelten bereits 6 der 17 Regionen - darunter die Urlaubsgebiete Katalonien und Andalusien - sowie die Exklave Ceuta in Nordafrika als Risikogebiete. Die Balearen mit Mallorca, der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen, sowie die Kanaren blieben aber bisher verschont.

Inzidenz in Spanien fast 40 mal so hoch wie in Deutschland

Als Risikogebiete werden Länder und Regionen eingestuft, in denen die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) über 50 liegen. Es ist die niedrigste von drei Risikostufen. Mallorca war Mitte März von der Liste der Risikogebiete gestrichen worden. Inzwischen liegt die Inzidenz auf den Balearen, zu denen auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, im Schnitt schon bei 153. In ganz Spanien sind es nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums vom Freitagabend sogar schon 199.

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Bei einer Inzidenz über 200 droht die Einstufung als Hochinzidenzgebiet mit Quarantänepflicht für alle, die nicht geimpft oder genesen sind. Erst dann wären auch für die Reisebranche erhebliche Folgen zu erwarten. Dass die Hochstufung sehr schnell kommen kann, zeigt Zypern. Das Land wurde erst am Sonntag zum Risikogebiet erklärt. Nun wird es nun zu einem von vier Hochinzidenzgebieten in Europa neben Portugal, Großbritannien und Russland. Dasselbe Schicksal droht nun auch Spanien. Für das beliebteste Urlaubsland der Deutschen hätte das schwere Folgen.

Inzidenz hat sich seit Montag fast verdoppelt

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte Spanien-Urlauber erst am Montag noch beruhigt. "Es gibt keinerlei Hinweise auf Entwicklungen, die befürchten ließen, dass wir in absehbarer Zeit wieder Entscheidungen treffen müssten, die dazu führen, dass deutsche Touristen in Spanien keinen Urlaub mehr machen können." Er gehe nicht davon aus, dass eine Quarantänepflicht für Spanien-Rückkehrer wieder kurz bevorstehe.

Die Inzidenz in Spanien lag zu diesem Zeitpunkt knapp über 100 und hat sich seitdem fast verdoppelt. Wenn es in dem Tempo weitergeht, könnte Spanien nächste Woche dasselbe Schicksal wie Zypern erleiden: Hochstufung zum Hochinzidenzgebiet. Sechs spanische Regionen liegen bereits über 200: Aragón (237), Asturien (249), Kantabrien (281), Kastilien und León (368), Katalonien (448) und Navarra (349).

Spanische Regierung zweifelt an Inzidenzsystem

Die Regierung bezweifelt allerdings, dass die Orientierung an den Infektionszahlen der richtige Weg ist. Die Inzidenz als Gradmesser für das Risiko verliere angesichts der hohen Impfrate und der niedrigen Zahl an Corona-Patienten in den Krankenhäusern an Bedeutung, so Tourismusministerin María Reyes Maroto. Spanien liege bei der Zahl der vollständig Geimpften mit 47,8 Prozent vor Deutschland (43,7). Auch die Todesrate sei niedriger.

Die hohen Infektionszahlen würden bei jungen Menschen registriert, die entweder gar keine oder nur milde Krankheitssymptome entwickelten, hieß es. Die Behörden beobachteten die Lage genau. Urlaub in Spanien sei auf jeden Fall sicher.

Einige Vertreter der Tourismusbranche reagierten gereizter. "Verdammt, das sind äußerst schlechte Nachrichten", sagte etwa Alfonso Robledo, Präsident des Unternehmerverbandes Caeb auf Mallorca, der Deutschen Presse-Agentur. "Wie schon im vergangenen Jahr bedeutet das einen brutalen Rückgang der Urlauberzahlen."

Deutsche Reiseveranstalter reagieren gelassen

Auch Helmut Clemens, Sprecher kleiner und mittelständischer Tourismusunternehmen auf der Insel, äußerte sich verärgert. "Die Bedingungen werden von Politikern bestimmt, die nicht in der Lage sind, die Situation richtig einzuschätzen", sagte er.

Der Deutsche Reiseverband (DRV), der die Reiseveranstalter vertritt, reagierte allerdings noch gelassen. "Für Flugreisende ändert sich mit der Einstufung von Spanien als einfaches Risikogebiet faktisch nichts. Reisende können ihren Urlaub wie geplant fortsetzen", sagte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen der Deutschen Presse-Agentur. Sie appellierte an alle Reisenden, sich auch während ihres Urlaubs an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. "So ist verantwortungsvolle Mobilität auch in Zeiten von Corona möglich."

Von Michael Fischer und Jan-Uwe Ronneburger