Sie kreisen über dem Horst

Der Stein des Anstoßes ist eine Drohne. Foto: dpa

Verteidigungsminister de Maizière hängt ganz schön in der Luft. Drohnen oder Geier? Wer weiß das schon.

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. Es gibt ja jetzt diese Themen, die weltpolitische wahnsinnig wichtig sind und gleich auch immer ein paar hundert Quadrillionen Euro kosten, die aber kein Aas interessieren und für die Bundestagswahl am 22. September Null Relevanz haben. Da hätten wir zum Beispiel so eine Art Verteidigungsminister, de Maizière, Thomas, die Misere, wie wir ihn nennen, der jetzt ständig vor Untersuchungsausschüssen erklären soll, warum diese Drohnen, Euro Hawk, völlig in die Hosen gegangen sind.

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Die entscheidende Frage: Wann wusste der Minister was? Die gefühlte Antwort:"zu jeder Sekunde absolut gar nichts". Jedoch: Diese Woche sagte de Maizière, er habe am 1. März 2012 "in allgemeiner Form" von Problemen mit Euro Hawk gehört, sie seien ihm als lösbar dargestellt worden. Man kennt das. "Also, mmh, Chef, diese Dinger sollen fliegen, tun sie aber nicht, sie könnten abstürzen, dann wären ein paar Milliarden im Eimer und Menschenleben in Gefahr, aber sonst ist alles super in Ordnung, Chef, wir kriegen das hin, irgendwann wahrscheinlich, alles klar, Chef."

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14 Monate später entschieden dann seine Staatssekretäre, das Projekt zu beerdigen. Dass er in diesen 14 Monaten überhaupt nichts gehört habe, sei "ein unzutreffender Eindruck", sagt de Maizière. Das erinnert an den verbürgten Ausspruch des amerikanischen Schriftstellers Mark Twain, Meldungen, er sei gestorben, seien übertrieben. Wenn wir de Maizière richtig verstehen, ist es völlig wurscht, wenn im Verteidigungsministerium kein Schwein Ahnung hat, weil: entscheidend ist nur, ob der Minister eine sogenannte Vorlage bekommt. Gut, die Bedeutung von Vorlagen ist jedem seit Günther Netzer geläufig. Wenn wichtige Papiere keine Vorlage sind, sind sie womöglich eine "Beilage", so schildert es die "Süddeutsche Zeitung". Nun, das kennen wir aus DDR-Zeiten als Sättigungsbeilage oder jetzt als Beilagensalat. Den haben wir jetzt, den Salat.

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Wir wollten mal wissen, was "Hawk" eigentlich heißt, und lesen: das sind Greifvögel, die sich wiederum unterteilen in Falkenartige, Habichtartige, Fischadler - man kennt das: Nordsee und Käpt‘n Iglo - sowie, Achtung: Sekretäre! Ja! Ein Sekretär ist ein Vogel, sodass wir davon ausgehen, dass ein Staatssekretär ein lustiger Vogel ist. Lateinisch heißt der Sekretär "sagittarius serpentarius"... wie meinen? Nein, das erinnert nicht an Sangria mit Strohhalm aus Eimern auf Malle! Leute! Sekretäre werden nur 125 bis 150 Zentimeter lang, na, da können dann aber nur die Unterstaatssekretäre gemeint sein, die es in der amerikanischen Politik gibt. "Bei der Paarung", so lesen wir, "stoßen Sekretäre oft knurrende und krächzende Laute aus." Mmhh. Wie meinen? Nein, von Sekretärinnen steht diesbezüglich nichts im Lexikon. "Zur Paarungszeit", lesen wir weiter, "sieht man Männchen oft über dem Horst kreisen." Leute! Dass Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, mal derart in Gefahr käme, hätten wir nie vermutet!

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Kommen wir zu ernsten Dingen. Das Amtsgericht Düsseldorf hat entschieden, dass ein 75-Jähriger aus seiner Wohnung fliegt, weil er offenbar schon seit 80 Jahren raucht und den Qualm nicht über die Fenster, sondern über den Treppenflur entlüftet. Gerüchte, Helmut Schmidt dürfe von Stund‘ an Düsseldorf nicht mehr betreten, wurden nicht bestätigt. Allerdings wird man mit dem Altkanzler generell auch rücksichtsvoller umgehen, denn er hat sich bleibende Verdienste erworben. Zwar gibt es Vermutungen, er habe mit seiner Qualmerei den Klimawandel forciert und damit schon das Oder-Hochwasser 1997 mit verursacht. Andererseits war durch Schmidts Zigarettenkonsum schon Jahre zuvor die Berliner Mauer so porös geworden, dass sie schließlich fiel. Es könnte nun sein, dass dies mental bei dem Fall mitschwingt, den wir in der wunderbaren Tageszeitung "Die Welt" lesen, im Übrigen eine der ganz wenigen Zeitungen, die der Springer-Verlag dieser Tage nicht verhökert hat. Aber wir schweifen ab. Also: Im brandenburgischen Premnitz wollen Nachbarn einem Ehepaar das Rauchen auf dem Balkon zu bestimmten Zeiten verbieten lassen. Wir vermuten, Balkone zeigen an manchen Gebäudeseiten, den sogenannten Lungenflügeln, Erosionserscheinungen an den Verstrebungen, den sogenannten Raucherbeinen.

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Elbrus Nigmatullin, so entnehmen wir der Deutschen Presseagentur, hat mit seiner Muskelkraft sieben Straßenbahnwagen durch das Zentrum von Tscheljabinsk im Ural gezogen. Böse Zungen behaupten, dass Kunden der Deutschen Bahn Herrn Nigmatullin von seinen regelmäßigen Einsätzen auf Nebenstrecken in Hessen und Rheinland-Pfalz kennen.