Schluss mit Schloss?

Die Saarländer träumen davon, dass Oskar wieder ihr Ministerpräsident wird. Für welche Partei? Is‘ doch egal, Hauptsache Oskar, sagt der Saarländer. Und mit den Wulffs?...

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. Also: das große Entschuldigungsinterview. Eigentlich hätte das besser Günther Jauch geführt, dann hätte Wulff wenigstens den Telefonjoker gehabt oder bei der Frage, ob er nie an Rücktritt gedacht habe, die 50:50-Option wählen oder das Publikum fragen können. Was wir überhaupt nicht glauben, ist das Gerücht, dass nach der Aufzeichnung des Interviews der ZDF-Chefredakteur auf Folgendes gefasst war: Seine Mailbox klingelt, und die ZDF-Interviewerin Bettina Schausten ist drauf. Das ist die, die auf eine entsprechende Frage Wulffs ihre Auffassung kundtat: Übernachten bei Freunden - nur für 150 Euro. Frau Schausten erklärt sodann ihrem Chefredakteur kühl, sie habe das Urheberrecht auf die Firmennamen "Bension Bettina", "Bettina‘s Bed & Breakfast" "Bettina - Müsli & More", "Mit dem Zweiten schläft man besser", "Harry, hol schon mal das Kopfkissen" sowie "Wetten, dass....es für mich nur 140 kostet?" Nun hat mir mein Kater Bébé angeboten, dass er mir zukünftig pro Monat tausend Gramm von seinen Körnern als Miete zahlt, damit niemand denkt, ich lasse ihn dafür, dass er mein Ratgeber und Interviewpartner ist, für "lau" wohnen.

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Und jetzt? (H)Ausverkauf bei Wulffs? Schluss mit Schloss? Vor allem sehen wir: Alles hängt mal wieder mit allem zusammen. Verfluchte Technik aber auch: Mailbox! Anrufen! Wenn man bösartig wäre, fiele einem der berühmte Hitchcock-Film von 1954 ein: "Bei Anruf Mord"; im Fall Wulff käme allerdings die entschärfte Variante "politischer Selbstmord" infrage. Die Gefährlichkeit der ganzen Sache ergibt sich schon unmittelbar aus dem Wort "Mailbox". Da fällt uns nämlich der berühmte Werbeslogan "Ich geh‘ mailenweit für eine Camel" ein, also: Zigaretten, Rauchen kann tödlich sein. Und was es mit "Box" auf sich hat, na, das kann man diese Woche in einem Interview besichtigen, das der "Spiegel" mit dem ehemaligen Box-Weltmeister Mike Tyson führte. Kostprobe: "Ich war darauf dressiert, alles auszuschalten, was sich bewegt. Mein Trainer sagte: ‚Mike, fass!‘ Und schon bin ich los." Na, da war der gute Wulff bei der Mailbox von Kai Diekmann boxmäßig ja geradezu in Abrahams Schoß.

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Man darf diese Sachen jetzt aber auch nicht hochsterilisieren, wie Bruno Labbadia sagen würde. Was hat man uns nicht schon alles auf die Mailbox gesprochen! "Luca Brasi schläft jetzt bei den Fischen", oder: "Was geht, Alder. Wenn du nicht krass konkret schöne Geschichte schreibst über mich, mein Schwester und mein Dreier-BMW, dann: ich weiß wo du wohn." Is‘ ja alles nett gemeint.

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Es war ja wohl so, dass Wulff bei seiner Botschaft an den "BILD"-Chefredakteur Diekmann erklärte, der Rubikon sei überschritten. Nun. Den Grenzfluss Rubikon überschritt Caesar 49 vor Christus gegen den Willen des römischen Senats Richtung italienisches Kernland. Zwar ist es Geschichtsklitterung zu behaupten, nach dem italienischen Fluss Rubikon sei später eine 18-jährige Gespielin Silvio Berlusconis auf den Künstlernamen "Ruby" getauft worden, aber Rubikon - Ruby - Wulff: kein gutes Omen. Deshalb haben wir nachgeforscht, ob sich mit "Ruby" nicht auch Positives verbinden lässt, und wir stießen auf Folgendes: Ruby ist auch eine Programmiersprache, 1995 vom Japaner Yukihiro "Matz" Matsumoto auf den Markt gebracht. Ruby sei "objektorientiert", schreibt Wikipedia - nun, das gilt ja auch für Berlusconis Ruby. Danach lasen wir dann Dinge über die Programmiersprache Ruby, die uns für Stunden ins Koma fallen ließen: "Eine Klasse kann wie folgt definiert werden: class Auto, def beschleunigen, puts brumm brumm brumm, end, end." Oder:"class Gutes Auto, def bremsen, puts quietsch end, end." Als absoluten Höhepunkt lesen wir dann noch die Erklärung: "Rubys Designer versuchen, die Sprache so zu gestalten, dass Programmierer sie intuitiv nutzen können und möglichst wenig von ihrem Verhalten überrascht werden - das Prinzip der geringsten Überraschung". Nun, dieses Prinzip ist wahrscheinlich nichts für Berlusconis Ruby, sollte aber von Wulffs Anwälten künftig als Strategie in Erwägung gezogen werden.

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Bei Caesars Marsch über den Rubikon fiel angeblich auch der wunderbare Satz "alea iacta est" - die Würfel sind gefallen. Würfel - da würden böse Zungen sagen, das werfe ja schon wieder ein Licht auf Wulffs Rubikon, denn da gebe es doch das Würfelspiel "Lügenmäxchen": zwei Würfel, der Würfelbecher geht reihum, sagen wir: Müller, Meier, Schulze. Müller würfelt verdeckt, schaut nach, ohne dass die Mitspieler die Würfel sehen, sagt seine gewürfelte Punktzahl. Meier muss eine höhere Punktzahl erreichen, würfelt, schaut verdeckt nach. Wenn Meiers Punktzahl nun niedriger ist als Müllers, wird er wohl lügen. Schulze, der ja nun die von Meier genannte Punktzahl übertreffen muss, könnte argwöhnisch werden und verlangen: "Aufdecken!" Das ist dann der Moment, in dem Meier bei ARD und ZDF ein Entschuldigungs-Interview gibt.