Rehberg: Wie groß ist 05-Gegenwehr bei Köln-Aufholjagd?

FC-Torjäger Anthony Modeste. Foto: dpa

Entspannt kann Mainz 05 zum letzten Spiel der Bundesliga-Saison fahren. Für Gastgeber 1. FC Köln geht es dagegen um sehr viel - zwei Punkte will der "EffZeh" gegenüber dem SC...

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. Mainz 05 bleibt am Finaltag sehr viel erspart. Und auch in dieser Woche vor dem Showdown. Stellen wir uns kurz vor, die Elf von Martin Schmidt hätte im Derby gegen die Eintracht nach dem Treffer zum 0:2 den Hintern nicht mehr hochbekommen... Der Trend wäre gegen die 05er ausgelegt worden. Es hätte von Montag bis Freitag Untergangsszenarien geregnet. Stories, Filmchen, Fan-Umfragen, Expertenmeinungen. Und Fragen über Fragen.

Kann Mainz 05 beim 1. FC Köln gewinnen? Nein, weil es für die Kölner im Kampf um den Europaligaplatz ja auch noch um etwas geht, die werden rennen wie die Bekloppten... Ja, weil es für die Kölner im Kampf um den Europaligaplatz auch noch um etwas geht, das baut bei denen einen wahnsinnigen Druck und Versagensangst auf...

Die "Wäre-Diskussionen"

Wäre es für die 05er besser gewesen, für die Kölner ginge es um nichts mehr? Ja, dann würden die sich hängen lassen... Nein, denn dann könnten die ohne jeden Druck frei aufspielen... Wären die Mainzer gewappnet für die zwei „Psycho-Spiele“ gegen den Zweitligadritten? Nein, weil die Mainzer doch relativ spät und eher überraschend noch da unten reingerutscht sind, die können sich jetzt nicht mehr einstellen auf Überlebenskampf... Ja, weil die Mainzer mit ihrem Kader jedem Zweitligadritten weit überlegen sind... Nein, wenn die Mainzer zum Beispiel in Braunschweig antreten müssen, dann geht denen dort in Erinnerung an 2003 total die Düse...

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Wie lange könnten die Mainzer nach einem Abstieg in der Zweiten Liga überleben, ohne auf dem Rasen und im Büro massiv Personal abbauen zu müssen? Da hat ja der aktuelle Vorstandssprecher Jürgen Doetz schon vor dem Derby in einem Interview sehr leichtfertig geantwortet: „Nur ein Jahr!“ Da brachen auf der 05-Geschäftsstelle für ein paar Minuten Anflüge von Panik aus.

Gegen diese Themensetzungen ist die aktuelle Diskussion darüber, ob Martin Schmidt in der kommenden Saison noch Trainer sein sollte am Bruchweg, ein übersichtlicher Kindergeburtstag. Und dass die 05er in Köln 0:10 verlieren könnten, das zieht tatsächlich überhaupt niemand ins Kalkül.

Bleibt Modeste in der Domstadt?

Und der FC? Der muss gegenüber dem SC Freiburg zwei Punkte aufholen im Kampf um Platz sechs. Die Jünger von Christian Streich treten beim FC Bayern an. Unangenehm. Das eröffnet den Kölnern mit einem Heimsieg gegen die 05er gute Chancen. Wie ist das einzuschätzen mit den Mainzern, was wird da spekuliert vor dem Karnevalsduell in Köln? Ja, ja, gut, dass es für die Mainzer im Abstiegskampf um nahezu nix mehr geht, die werden zwei Tage vor Urlaubsantritt nicht mehr alles investieren über 90 Minuten..., sagen die einen. Hm, nein, nein, gefährlich, für die Mainzer geht’s um nix mehr, die können völlig befreit aufspielen nach ihrer feucht-fröhlichen Nichtabstiegsfeier, Vorsicht, die wollen in Köln noch mal richtig Spaß haben..., sagen die anderen.

Und dann geht es in Köln noch um die Frage, ob Anthony Modeste in der Domstadt bleibt. 25 Saisontore hat der Franzose stehen. Gewaltig. Dass diese Marke ein Stürmer schaffen kann, der nicht für den FC Bayern oder Borussia Dortmund spielt, das hätte man für unmöglich gehalten. Im Sommer 2016 haben die Kölner den Vertrag mit dem treffsicheren Mittelstürmer bis 2021 verlängert. „Wir haben das Heft des Handelns fest in der Hand“, sagt FC-Trainer Peter Stöger. „Aber natürlich gibt es Grenzen. Wenn wahnsinnige Angebote kommen, dann...“ Zwei wahnsinnige Offerten aus China haben Verein und Spieler im Winter schon abgelehnt. Da half Lionel Souque, CEO beim Hauptsponsor Rewe und Aufsichtsratsvorsitzender beim FC. Der Mann ist Franzose, er und seine Frau pflegen einen sehr engen privaten Kontakt zum Torjäger. Nach diesen Gesprächen sagte Modeste: „Der Verein ist meine Familie, das Stadion ist mein Wohnzimmer.“

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Die Kölner standen im Jahr 2011 kurz vor der Insolvenz. Nach einem Modeste-Transfer in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro Ablöse könnte sich der Klub, wenn er das will, im Sommer 2017 von all seinen Altschulden befreien. Christian Heidel würde in dieser Situation einen Modeste umgehend im Porsche nach Peking fahren. Der Kölner Vordenker Jörg Schmadtke wird sich fragen: Was tun wir unseren Fans an, wenn wir nach langen Jahren der internationalen Abstinenz nun den Einzug in die Europaliga schaffen - und dann in einer ersten Amtshandlung unseren Torjäger und Publikumsliebling zu Geld machen?