Rehberg: Wer macht die entscheidenden Tore im Löw-Team?

Bundestrainer Joachim Löw mit Timo Werner. Foto: dpa

Das Unternehmen Titelverteidigung geht in die entscheidende Phase. Wo liegen die Probleme im Team der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, was muss sich in der Offensive tun?...

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. Widmen wir uns ab sofort dem großen Fußball. WM 2018 in Russland. Die deutsche Mannschaft ist der Titelverteidiger. Der gehört nicht selbstverständlich zu den Top-Favoriten. Vier Jahre seit dem Triumph in Brasilien sind eine lange Zeit. Joachim Löw stellt sich offensiv dem Anspruch, den Titel zu verteidigen. Nach dem 1:2 im vorletzten Testspiel gegen Österreich war der Bundestrainer angefressen. Die Leistung der DFB-Elf beim „Wasserball am Wörthersee“ war dünn. Die Partie im verregneten Klagenfurt hat dennoch ihren Zweck erfüllt. Löw weiß jetzt, dass Manuel Neuer die Fitness hat, um als Nummer eins im Kasten das Turnier in Russland bestreiten zu können. Und: Löw hat für die letzte Vorbereitungsphase genügend Arbeitsthemen, um die Spieler unter Spannung zu halten.

Zusammengewürfelte B-Elf von Klagenfurt

Einige Journalisten und Experten haben jetzt schon wieder den warnenden Zeigefinger erhoben: Der zweite Anzug dieses Kaders passe nicht. Selbst wenn dem so sein sollte: Das ist uninteressant. Löw wird beim WM-Turnier niemals mit einem kompletten zweiten Anzug antreten. Er wird den ein oder anderen Spieler aus der zweiten Reihe benötigen, wenn es darum geht, Verletzungen, Sperren oder Formtiefen zu kompensieren. Und wenn diese „Ersatzspieler“ dann in einer gewachsenen A-Elf zum Einsatz kommen, dann sehen diese Spieler in der Regel ganz anders aus als in einer zusammengewürfelten B-Elf wie in Klagenfurt.

Das heißt nicht, dass der DFB-Chefstratege nicht Probleme hätte in seinem Kader. Im Abwehrzentrum und im Angriff werden die Ergebnisse gemacht. Defensivchef Jerome Boateng wird als Rekonvaleszent erst kurzfristig fit werden und sich die nötige Form während des Turnier holen müssen. Nebenmann Mats Hummels gibt gerne den Anführer, aber eine Sicherheit ausstrahlende, vor Selbstverstrauen strotzende Bank war der Innenverteidiger beim FC Bayern im letzten Saisondrittel überhaupt nicht.

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Özils fehlende Begeisterung

Im Sturm erkennt man einige Unwägbarkeiten. Dem zum Phlegma neigenden Mesut Özil fehlt es (noch) an Begeisterung, an Leidenschaft, an Feuereifer. Außenstürmer wie Julian Draxler oder Marco Reus haben noch nicht nachgewiesen, dass sie auf der ganz großen Bühne verlässliche Größen sein können. Und der junge Mittelstürmer Timo Werner spielt sein erstes WM-Turnier.

Wer macht die entscheidenden Tore? Das lässt sich noch nicht absehen. 2014 war der ins Alter gekommene Torjäger Miroslav Klose noch mal ein wichtiger Faktor als Endabnehmer im 16-Meter-Raum. In diese Rolle müsste jetzt der Konterstürmer Werner schlüpfen. Oder Routinier Mario Gomez, der Mann mit der größten Abschlussqualität nach seitlichen Flanken. Präsent sein und treffen, wenn es im Turnier drauf ankommt: Einer von diesem Duo wird das liefern müssen.

Zielstrebigkeit ist wichtig

Und dann spielt es eine Rolle, ob das gesamte deutsche Offensivspiel ebenso flexibel wie zielstrebig in Schwung kommt. Löw liebt den Ballbesitzfußball, der auch im Angriffsdrittel die spielerisch hochwertigen Lösungen findet. Was immer wieder dazu führt, dass sich die DFB-Elf, wie auch wieder in Klagenfurt, rund um den gegnerischen Strafraum einen Wolf spielt. Wir erinnern uns: Das war auch das Problem beim Halbfinal-Aus gegen Frankreich bei der EM 2016.

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Das Löw-Team kann mit enormer Sicherheit im Kombinationsspiel eine drückende Überlegenheit organisieren - ohne, dass das gegnerische Defensivzentrum in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würde. Weil die deutschen Stürmer am Ende eines sehenswerten Passfestivals zu selten in den Rücken der gegnerischen Abwehr kommen. Der Schlüssel sind zielstrebige Tempodribblings und/oder präzise Anspiele und geradlinige Sprints in die Tiefe und/oder gefährliche Flanken von den Außenpositionen. Das dürfte bei Löw auf der Trainingsagenda Priorität haben bis zum Turnierbeginn.