Rehberg: Wenig Zeit in der Mini-Winterpause

Fotos: dpa

Die Winterpause ist in diesem Jahr quasi nur eine kurze Wettkampfunterbrechung. Viel wird sich also nicht ändern, bis der Ball am 12. Januar wieder rollen wird. Dennoch werden...

Anzeige

. In der Bundesliga bleibt zum Start ins Neue Jahr nicht viel Zeit für schöngeistige Erörterungen mit finalen moralischen Appellen. Die Winterpause ist kurz. Streng genommen ist das nur eine kurze Wettkampfunterbrechung. Den Klubs bleiben nach ein paar Tagen Weihnachtsurlaub keine zwei Wochen für eine nachhaltige Vorbereitung auf die Rückrunde. Das Transferfenster ist geöffnet bis Ende Januar. Doch wer da wartet, bis der Winterschlussverkauf begonnen hat, der bekommt danach keine Zeit mehr, ein Zugangsschnäppchen außerhalb des Punktestresses physisch und taktisch fit zu machen und/oder sozial zu integrieren.

Grundsätzliche Umwälzungen nicht zu erwarten

Bis zum Beginn der Rückrunde wird es qualitativ keine großen Verschiebungen geben in der Liga. Der eine Trainer wird Glück haben mit einer Winterverstärkung, der andere wird sich freuen über die Rückkehr von Langzeitverletzten, ein dritter wird in den paar Trainingstagen eine kleine taktische Schwachstelle beheben. Grundsätzliche Umwälzungen sind nicht zu erwarten. Der FC Bayern wird weiter vorne wegmarschieren, die Kölner hängen hinterher – und der Rest der Liga nimmt sich nicht viel. Soll heißen: Auch in der Rückrunde ist es keine Sensation, wenn mal der Tabellenvorletzte den Tabellenzweiten schlägt.

Bliebe noch der Schiedsrichter-Zirkus. Die Video-Überwachung, die Einsatzauswahl des Video-Assistenten, die Bewertung von strittigen Szenen nach der Video-Auswertung sowie der gesamte Umgang mit dem neuen technischen Hilfsmittel für mehr Gerechtigkeit im Zustandekommen von Ergebnissen war in der Hinrunde ein einziges Chaos. Profitiert haben davon ausschließlich die diversen „Expertenrunden“ im Privat- und Bezahlfernsehen. In diesen live übertragenen Stammtisch-Diskussionen haben dann auch noch einige in Rente gegangene Alt-Schiedsrichter gutes Geld verdient. Zur Erhellung der Sachverhalte hat das eher selten beigetragen.

Anzeige

Videoschiedsrichter: Wie eine gute Idee scheitern konnte

Vielleicht ist all das auch typisch deutsch. Die Verantwortlichen wollten besonders gründlich sein. Da sollte zwischenzeitlich aus dem Darkroom in Köln jeder Wahrnehmungsfehler und jede Auslegungsunsicherheit eines Schiedsrichters kontrolliert und/oder (vermeintlich) berichtigt werden. Dabei war das gar nicht die Absicht bei der Einführung des Video-Assistenten. Wichtigkeitsdefizite, Selbstherrlichkeit und Eigenmächtigkeit in der Führung der zerstrittenen Schiedsrichterzunft sowie eine tiefe Verunsicherung bei den Unparteiischen auf dem Rasen haben schließlich aus einer guten Idee ein verkrachtes Projekt werden lassen.

Und nun stellt sich die Frage: Wer kontrolliert und diszipliniert die Kontrolleure? Braucht es da etwa noch ein weiteres Gremium? Einen Ober-Überwachungstisch mit Vertretern von sämtlichen gesellschaftlich relevanten Gruppen, einem Staatsanwalt im Ruhestand plus einem Rechercheteam von Süddeutscher Zeitung, Apotheken-Umschau, Bunte und Bild – und per Skype wird noch Papst Franziskus zugeschaltet als höchste moralische Instanz? Und die Runde sitzt in der Nähe eines Hochleistungsrechners, der in Sekundenschnelle sämtliche ähnlich gelagerten Entscheidungen in der Geschichte des Weltfußballs auswertet? Und die letzte Entscheidung hat dann der Vorsitzende der Vereinigung deutscher Comedians, sagen wir mal Mario Barth…

Schiri-Chef muss Leitplanken verankern

Schluss damit. Hoffen wir darauf, dass der neue Schiri-Chef Lutz Michael Fröhlich für die anstehende Rückrunde Leitplanken verankert, die den Zuschauer nicht nach jeder zweiten Entscheidung auf dem Feld darauf achten lassen, ob der Regelhüter zwischen den Kreidelinien seinen Zeigefinger ans Headset drückt, um sich über die Kontrollfreaks im Darkroom „juristisch“ abzusichern. Wenn das gelingt, dann macht der Fußball allen Beteiligten sofort wieder mehr Spaß.