Rehberg: Welche Abwehr trotzt Aubameyang und Co.?

Yoshinori Muto. Foto: Sascha Kopp

Borussia Dortmund kommt nach Mainz - und das stellt die Mannschaft von Martin Schmidt vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Reinhard Rehberg setzt sich mit der...

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. Das 0:0 gegen den 1. FC Köln, sagt Martin Schmidt, habe seiner Mannschaft sehr viel Selbstvertrauen vermittelt. Der Schwerpunkt in Mainz nach der Winterpause soll auf der Defensive liegen. Und da haben die 05er mit dem Kölner Anthony Modeste einen Mittelstürmerhünen ausgeschaltet, der mit 13 Treffern auf Rang drei der Bundesliga-Torjägerliste steht. Und nun kommt an diesem Sonntag Borussia Dortmund mit dem Überflieger der Liga in die Opel Arena: Pierre-Emerick Aubameyang, der Star aus Gabun, der 16 Saisontore verbucht - und von dem man den Eindruck hat, dass er mit seiner Sprintgewalt in jeder Tempo-30-Zone geblitzt werden würde.

Ein neuer Auftrag. Eine neue Herausforderung. Zumal dieser Aubameyang zusätzlich umgeben ist von Premiumstürmern, die ähnlich flott unterwegs sind: Marco Reus, André Schürrle, Ousmane Dembelé. Und selbst die Offensivspieler dahinter, Gonzalo Castro oder auch Shinji Kagawa, sind noch Geschwindigkeitsexperten, und wenn sie „nur“ die Kugel schnell machen. Das Topthema der Schmidt-Elf lautet also: Turboladertempo verteidigen.

Die Abseitsfalle einsetzen?

Wie wehrt man sich gegen fußballerische Überschallgeschwindigkeit? Man kann mit dem gesamten Abwehrverbund sehr weit nach vorne verschoben verteidigen. Man kann dann sehr aggressiv die gegnerischen Pässe in die Tiefe attackieren - und in der letzten Reihe zur Unterstützung die Abseitsfalle einsetzen. Womit man dem Gegner gut 30, 40 Meter bespielbarer Fläche abklemmt. Wenn das Spiel mit dem Risiko gut geht.

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Man kann aber auch mit dem gesamten Abwehrverbund sehr tief stehen und damit den gegnerischen Tempoläufern, ganz gleich ob die mit Ball am Fuß unterwegs sind oder ohne, den Auslaufraum nehmen. Darin haben die 05er Gewohnheiten. Das sieht nicht immer schön und dynamisch aus, das wirkt manchmal eher wie eine am Kreis klebende Handballabwehr, aber gegen Tempomannschaften ist das wirkungsvoll. Wenn im Rücken von Stefan Bell und Niko Bungert nur noch knapp 16 Meter übrigbleiben bis zur weißen Grundlinie und diese Strecke ja auch noch bewacht wird von Torhüter Jonas Lössl, dann bleiben einem Aubameyang, einem Schürrle, einem Reus, einem Dembelé da nicht mehr viel Fläche für Beschleunigung, Ballannahme und Abschluss.

In diesem Fall spielt es dann auch nur bedingt eine Rolle, ob die 05-Innenverteidiger in direkten Laufduellen gegen die Borussia-Sprinter mithalten können. Da geht es mehr um kompromissloses Stechen, um konzentriertes Stellungsspiel und um eine perfekte gegenseitige Absicherung. Zu der auch die beiden Sechser, wahrscheinlich Danny Latza und Fabian Frei, beitragen müssen. Vielleicht probiert es Martin Schmidt sogar mit drei defensiven Mittelfeldspielern. Jean-Philippe Gbamin könnte mit seiner giftigen Zweikampfführung der Dortmunder Ballzirkulation weh tun.

Wahrscheinlich 4-4-2

Dafür müsste der 05-Coach allerdings einen seiner vier Offensivspieler opfern. Und in der 4-3-3-Anordnung (im eigenen Ballbesitz) ist es günstig, wenn man einen Mittelstürmer am Start hat, der auch Stärken mit dem Rücken zum Tor ausweist. Dieser Zielstürmer wäre Jhon Cordoba. Doch der ist noch gesperrt. Yoshinori Muto ist eher der Typ für die Läufe in die Tiefe. Wahrscheinlich bleibt es also beim flachen 4-4-2.

Zu einer Schlüsselfigur im 05-Team kann Jairo werden. Wenn Thomas Tuchel das defensive Mittelfeld erneut nur mit einem Mann besetzt, das wäre Julian Weigl, dann müsste der Mainzer Linksaußen mit seinen diagonalen Läufen Richtung Zentrum bespielbare Räume finden. Da kann sich der leichtfüßige und dribbelstarke Spanier, der sich gerne überall herumtreibt, ausleben. Die Schnittstellenanspiele auf Muto oder Pablo de Blasis beherrscht der Techniker. Auch aus dem Tempodribbling heraus. Und Jairo kann auch Tore machen.

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Tore wird es brauchen. Gegen die Dortmunder das zu null zu halten, das ist schwierig. Die 05er werden permanent auf der Lauer liegen müssen, den ein oder anderen offensiven Umschaltüberfall durchzubringen. Da braucht es den Mut, auch aus den hinteren Positionen in die freien Räume zu sprinten. Gegen die Kölner konterte die Schmidt-Elf zu oft in Unterzahl.