Rehberg: Vizemeister Schalke steht erst am Anfang

Kann mit dem Saisonverlauf zufrieden sein: Schalke-Manager Christian Heidel. Foto: dpa

Der FC Bayern trohnt über allem, Schalke 04 ist Meister vom Rest der Liga. Ein großer Erfolg für Christian Heidel. Der Manager hat auf Schalke Strukturen verändert, er ist...

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. Der FC Bayern hat mittlerweile 24 Punkte Vorsprung als Bundesliga-Tabellenführer. Einen Herausforderer für den erfolgreichen Titelverteidiger gab es nur im ersten Saisondrittel. Das war Borussia Dortmund. Bis die Mannschaft unter dem immer störrischer auf seiner Offensividee beharrenden Trainer Peter Bosz nachhaltig eingeknickt ist. Meister vom Rest der Liga ist nun der FC Schalke 04. Tabellenzweiter. Fünf Punkte vor dem Ruhrpott-Rivalen BVB. Einzug in die Champions League. Am Schalker Markt wird gefeiert.

Ein großer Erfolg für Christian Heidel. Als der Manager vor zwei Jahren seine Heimat Mainz verließ, da waren sich einige Experten nicht einig, ob Schalke mit seinen eingefahrenen Strukturen sowie eigenwilligen Figuren und Ambitionen nicht eine zu große Nummer sein könnte für den Mann aus dem beschaulichen Rheinhessen. Die Zweifel waren unbegründet. Wer dieses Fußballgeschäft versteht, der wird an jedem Standort Erfolg produzieren. Heidel hat auf Schalke Strukturen verändert, er hat Baumaßnahmen umgesetzt, er ist dabei, den Klub wirtschaftlich zu konsolidieren. Er hat den Kader umgebaut und die Personalkosten gesenkt. Er hat im ersten Jahr den nicht passenden Wunschtrainer Markus Weinzierl beurlaubt und ein unbeschriebenes Blatt vom FC Aue angeheuert. Der junge Domenico Tedesco hat einen Spieltag vor Schluss stolze 60 Punkte aufs Konto geschaufelt. Volltreffer.

Trotz CL-Einnahmen muss Heidel auf die Bremse treten

Unterhaltsam ist der Schalker Spielstil nur bedingt. Tedesco ist ein gnadenloser Pragmatiker. Die Aufführungen von S04 sind weit entfernt vom rauschenden Angriffstempo der Dortmunder unter Jürgen Klopp. Aber viele Wege führen zum Erfolg. Tedesco bringt mit seinem auf Absicherung bedachten Taktikfußball Ergebnisse. Und mehr gibt der Schalker Kader aktuell womöglich auch nicht her.

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Die Champions-League-Teilnahme bringt Zusatzeinnahmen von 35 bis 40 Millionen Euro. Das verschafft Heidel den finanziellen Freiraum, die Mannschaft, die mit Leon Goretzka und Max Meyer ja zwei veritable Mittelfeldspieler ablösefrei verliert, potente Verstärkungen für die internationale Herausforderung an Land zu ziehen. Und dennoch wird Heidel darauf achten müssen, dass das Gehaltsvolumen nicht wieder in Höhen schießt, die sich Schalke in Jahren ohne Europapokal nicht mehr leisten kann.

Heidel hat eine Startrampe geschaffen

Unterm Strich steht Heidel mit S04 immer noch am Anfang einer Entwicklung. Wirtschaftlich betrachtet sind die im Moment sportlich überflügelten Dortmunder immer noch im Vorteil. Höherer Umsatz, höhere Gewinne, mehr Geld auf dem Festgeldkonto nach exorbitant lukrativen Transfererlösen. Und: Ein wesentlich höheres Gehaltsniveau. Diesen Weg hat Schalke 04 noch vor sich. Eine international bewährte Mannschaft mit international begehrten Spitzenspielern steht dort (noch) nicht auf dem Hof. Die Zukunft beginnt jetzt. Heidel hat eine Startrampe geschaffen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Dieser Erfolgsweg ist keine Selbstverständlichkeit. Man schaue auf den VfL Wolfsburg. Der steht mit seinem noch höheren Personaletat auf dem drittletzten Platz. Ohne Struktur, ohne Plan, ohne fußballerischem Fachwissen auf der Entscheidungsebene - und mit einem ratlosen Trainer Bruno Labbadia, dessen immense Erfahrung dieser überbezahlten Mannschaft bislang nicht den geringsten Impuls verliehen hat. Der Ex-05er Yunus Malli wird sich inzwischen sicher fragen, ob es sich gelohnt hat, nur des Geldes wegen zur VW-Tochter gewechselt zu sein. Selbst Abstiegskampf macht in Mainz mehr Spaß als dieses seelenlose Wolfsburger Gekicke im Tabellenkeller. Und das im zweiten Jahr hintereinander. Und jetzt kann man sich auch vorstellen, warum Martin Schmidt dort vor ein paar Wochen in einer ungleich günstigeren Ausgangsposition hingeworfen hat.