Rehberg: Vierer- oder Fünfer-Kette gegen die Bayern-Asse?

05-Trainer Martin Schmidt. Foto: dpa

Vergangene Heldentaten des FSV Mainz 05 in der Allianz-Arena zählen nicht mehr: Samstag schlagen die 05er ein neues Kapitel beim FC Bayern München auf. Im Vorfeld muss Trainer...

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. Adam Szalai hat die 05er 2011 zu einem 2:1-Sieg in der Allianz-Arena geschossen. Da lautete das Trainerduell: Thomas Tuchel gegen Louis van Gaal. Vor gut einem Jahr hat Jhon Cordoba die 05er zu einem 2:1-Sieg in München geballert. Da lautete das Duell auf der Bank: Martin Schmidt gegen Pep Guardiola. An diesem Samstag stehen sich im Münchner Fußballtempel an der Seitenlinie Martin Schmidt und Carlo Ancelotti gegenüber. Der Mainzer Cheftrainer könnte einen weiteren Überraschungscoup gegen einen der ganz großen Kollegen auf diesem Erdball gut gebrauchen. Aber es macht keinen Sinn, darüber zu philosophieren. Einen Erfolg als Gast des FC Bayern strebt man als Mainzer nicht an, der passiert.

Was spricht für Lössl, was spricht für Huth?

Dazu braucht es einen schwächeren Auftritt der Bayern, einen günstigen Spielverlauf, einen korrekten Schiedsrichter, ein paar glückliche Momente, als Mannschaft eine Topleistung – und vor allem einen Klassetorwart mit Sahnetag.

Nun wissen wir noch nicht einmal, wen Martin Schmidt am Samstag zwischen die Pfosten stellen wird. Stammkeeper Jonas Lössl ist wieder gesund und wettkampfbereit. Ersatzkeeper Jannik Huth hat als Lössls Vertreter beim 1:0-Heimsieg gegen Hertha BSC nichts falsch gemacht - und er hat vor allem kein Gegentor zugelassen. Der 05-Coach hat die Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Profilen. Lössl ist 1,97 Meter groß und als Riese auch ein Spezialist für das sichere Fangspiel in luftiger Höhe. Huth ist 1,85 Meter groß und als eher klein geratener Torhüter ein Spezialist für reaktionsschnelle und sprunggewaltige Flugeinlagen auf der Linie. Remis steht es im Bewältigen von Eins-gegen-Eins-Situationen.

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Technisch sauber mit der Kugel am Fuß

Einen Vorteil hat Huth noch: Er behandelt die Kugel mit den Füßen technisch sauber wie ein Feldspieler; der in Bad Kreuznach geborene, als Kind und Frühjugendlicher bei Hassia Bingen ausgebildete und am Bruchweg mit 14 in den Leistungssport eingestiegene Torhüter ist mit dieser Qualität fast schon der erste Mann für die Einleitung von Umschaltgelegenheiten. Erfahrung? Da liegt der 28 Jahre alte Däne Lössl weit vorne. Ausstrahlung? Der fünf Jahre jüngere Huth ist ein extrem cooler Typ. Dass das Mainzer Eigengewächs schon eine Olympiamedaille und das vom Bundespräsidenten verliehene Silberne Lorbeerblatt an der Wand hängen hat, dürfte bei Schmidts Entscheidung eine untergeordnete Rolle spielen.

Die zweite wichtige Entscheidung, die Schmidt zu fällen hat, ist die Anzahl der Abwehrspieler: Viererkette oder Fünfer-Abwehrreihe? Wenn es gilt, Arjen Robbens Lieblingsmove - von Rechtsaußen nach innen plus Abschluss mit dem linken Innenrist - zu verteidigen, dann bietet sich die Fünfer-Variante an. Denn dann kann der linke der drei Innenverteidiger auf kürzeren Wegen rausrücken und Daniel Brosinski unterstützen. Bekommt es der 05-Linksverteidiger „nur“ mit Kingsley Coman zu tun, dann könnte das Brosinski mit seinen flotten Füßen auch alleine regeln.

Für die Fünferreihe spricht zudem, dass die Abstände zwischen den Kettengliedern enger werden. Das sorgt für ein kompakteres Abwehrzentrum. Und es fällt auch leichter, situativ immer einen der beiden Außenverteidiger weit nach vorn verschoben attackieren zu lassen. Genügend Innenverteidiger stehen zur Verfügung: Stefan Bell und Alexander Hack, für die dritte Stelle bewerben sich Niko Bungert, André Ramalho und Leon Balogun.

Drei Spieler auf der Sechser-Position?

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Belässt es Schmidt bei der Vierer-Abwehrkette, dann wird er zur Stärkung des Mittelfeldzentrums wahrscheinlich auf drei Sechser setzen. Dann könnten der Balleroberer und Umschalteinfädler Danny Latza, der passsichere Stratege Fabian Frei und der wuchtige und kopfballstarke Jean-Philippe Gbamin gemeinsam auflaufen. Damit könnten die 05er den Bayern schon in den Mittelfeldzonen weh tun. Sollten dort Balleroberungen gelingen, werden die Konterwege kürzer.

Ob Fünferreihe hinten oder Dreierreihe im Mittelfeld, für die Offensive bleiben dann nur noch drei Plätze frei. Nach den jüngsten Eindrücken könnten das Jhon Cordoba, Yoshinori Muto und Levin Öztunali sein. In jedem Fall geht es um ein mutiges, konsequentes, zielstrebiges Umschaltverhalten - mit einer konstant optimistischen Erwartungshaltung.

Die „Ballbesitz-Bayern“, genervt bis zornig, vielleicht auch ein wenig müde nach dem ebenso anstrengenden wie unglücklichen Abend in Madrid, werden nicht die ganz große Leichtigkeit verspüren. Wenn es den 05ern gelingt, die FCB-Stars zu zwingen, oft den Rückwärtsgang einlegen zu müssen, dann kann diese vom Papier her ungleiche Partie interessant werden. Leicht nervös werden hohe Favoriten immer dann, wenn sie sich nach vorne ergebnislos die Füße wund passen – und der krasse Außenseiter immer mal wieder im Gegenzug frech und zügig Räume überspielt und einfach strukturiert Eckbälle erzwingt. Oder auch den ein oder anderen Torabschluss.