Rehberg: Viel Arbeit für Heidel-Ersatz Schröder

05-Manager Rouven Schröder an seinem neuen Arbeitsplatz am Europakreisel. Foto: Sebastian Stenzel

Jetzt hat Mainz 05 Heidel-Nachfolger Rouven Schröder auch ganz offiziell vorgestellt. Der erste Eindruck: Als Typ passt der bodenständig und sympathisch wirkende Sauerländer...

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. Der neue Mann strahlt Ruhe aus. Gelassenheit. Sehr unaufgeregt hat sich Rouven Schröder an diesem Dienstag in seinem Job als Nachfolger von Christian Heidel vorgestellt. Der erste 05-Manager, der nicht aus Mainz stammt. Natürlich ist das ein Einschnitt. Der erste Eindruck: Als Typ passt der bodenständig und sympathisch wirkende Sauerländer aus Arnsberg an diesen - auf einigen Gebieten sehr eigenen - Bundesligastandort. Der ehemalige Fußballprofi, der das Managerhandwerk gelernt hat als Videoanalyst und Scout beim 1. FC Nürnberg, als Sportlicher Leiter bei der SpVgg Greuther Fürth und als Direktor Profifußball/Scouting bei Werder Bremen, trat lässig gekleidet, entspannt und freundlich vor der Mainzer Medienmeute auf. Schröder schaut den Fragesteller direkt an und sein Blick bleibt auch gerade, wenn er seine mit Bedacht formulierten und klar verständlichen Antworten gibt. Der neue 05-Sportdirektor, der auch Heidels Vorstandsmandat übernimmt, vermittelte eine angenehme Mischung aus Anpassungsfähigkeit, Bescheidenheit und Selbstbewusstsein.

Schröder tappte nicht in die Falle, an seinem Vorstellungstag gewaltige Veränderungsnotwendigkeiten oder gar Hurra-Visionen an die Wand zu malen. Den Fehler hatte zum Beispiel Robin Dutt gemacht. Der trat in Stuttgart einst an mit einem Manifest, das seinen Vorgänger beschädigte, das von einem kompletten inhaltlichen und personellen Umbau sowie von einer glorreichen Zukunft kündete. Ein paar Monate später ist der VfB mit seiner Ersten Mannschaft aus der Bundesliga und mit seiner Zweiten Mannschaft aus der Dritten Liga abgestiegen. Schröder würdigte die Arbeit von Heidel, er würdigte die Einstellung und Qualität der Profitrainer Martin Schmidt und Sandro Schwarz, er würdigte den Weg dieses Klubs. Und er bestätigte die in diesem Verein etablierte Spielphilosophie. Nun will er sich auf seine eigene Art einbringen „im Sinne dieses Klubs“.

Schröders erste harte Aufgabenstellung

Dass auf den neuen Kaderplaner mehr Arbeit zukommt, als man das noch beim Abschiedsgespräch der Mainzer Medien mit Heidel und Schmidt am Pfingstsonntag annehmen durfte, kommt ein wenig überraschend. Während der 05-Saisonabschlussfeier am Samstagabend hatte Julian Baumgartlinger noch die Laudatio gehalten auf die Spieler, die den Verein verlassen. Einen Tag später war der Kapitän der erste Leistungsträger, der sich vom Europaligateam verabschiedete und sich beim Champions-League-Klub Bayer Leverkusen dem Medzincheck unterzog. So ist das Geschäft. Auch in Mainz.

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Schröders erste harte Aufgabenstellung: Er muss Ersatz finden für den fanatischsten Balljäger in der 05-Elf, er muss Ersatz finden für den erfahrenen, intelligenten, sozial-integrativen und führungsstarken Kopf dieser Mannschaft. Als Heidel im vergangenen Frühsommer den auslaufenden Vertrag mit dem Österreicher verlängert hat, da musste er die Ausstiegsklausel mit fest vereinbarter Transferentschädigung akzeptieren. Dem damals ablösefreien Baumgartlinger lagen lukrative Angebote von anderen Klubs vor. Auch eines vom Bremer Kaderplaner Rouven Schröder, so wurde kolportiert. Nun sind die 05er mit dem leidenschaftlichen Antreiber Baumgartlinger in die Europaliga eingezogen – und der Klub kassiert noch vier Millionen Euro Ablöse. Vielleicht in diesem Moment nicht ganz marktgerecht, aber Baumgartlinger ist kein Passwunder und er ist auch schon 28 Jahre alt. Der Deal hat Sinn gemacht.

Ausstiegsoptionen bei Karius und Malli

Ähnlich verhält es sich mit Loris Karius und Yunus Malli. Auch in deren Arbeitspapieren sind Ausstiegsoptionen mit festgeschriebenen Ablösesummen verankert. Wir dürfen von jeweils zehn Millionen ausgehen. Torhüter Karius soll sich mit Jürgen Klopp und dessen FC Liverpool einig sein. Auch Malli ist die gesamte Saison über von englischen Klubs intensiv gescoutet worden. Gut möglich, dass Schröder nicht nur einen neuen kampf- und spielstarken Sechser und einen neuen erstklassigen Torwart angeln muss, womöglich auch noch einen neuen torgefährlichen Umschaltzehner.

Sollte das so kommen, dann wäre zumindest die Einkaufskasse gut gefüllt mit 24 Millionen Euro auf der Einnahmenseite. Das würde dem neuen Sportdirektor genügend finanziellen Handlungsspielraum eröffnen, um den Kader 2016/17 für Bundesliga, DFB-Pokal und Europaliga in der Spitze und in der Breite wettbewerbsfähig aufzustellen. Von einer eingespielten Mannschaft könnte dann allerdings nur noch bedingt die Rede sein. Doch das ist nicht neu in Mainz. Diese gewinn-orientierten Verkaufzwänge gehören zum von Heidel geprägten Überlebens- und Weiterentwicklungsmodell am Bruchweg.

Auch diese Fragestellungen parierte Rouven Schröder sehr gelassen. Lediglich Baumgartlingers Wechsel zu Bayer 04 bestätigte der 40-Jährige. Ansonsten: Wegen Karius habe noch kein Klub offiziell angefragt, jeder Abgang biete neue Chancen, zu Vertragsinhalten äußere er sich nicht - das sei bei diesem Klub so üblich. Der Sauerländer soll auf dem Fußballmarkt über ein exzellentes Netzwerk verfügen. Wir dürfen gespannt sein.