Rehberg: Vertrauen in Hansi Flick ist etwas Besonderes

FC Bayern-Trainer Hansi Flick hat die Münchner wieder in die Spur gebracht. Foto: dpa

Hans-Dieter Flick übernahm ohne große Erfahrung im Klubgeschäft das Steuer beim FC Bayern München. Nun hat er einen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Eine Besonderheit.

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. Hans-Dieter Flick wirkt wie vom Himmel gefallen. Noch vor einem Jahr wäre niemand auf die Idee gekommen, dass der gebürtige Heidelberger mal Cheftrainer beim FC Bayern werden könnte. Jetzt hat der 55-Jährige beim deutschen Rekordmeister und aktuellen Tabellenführer einen Vertrag unterschrieben bis 2023.

Das ist eine Besonderheit. Weil es lange her ist, dass die Bayern einen ihrer Luxuskader langfristig einem Mann anvertraut haben, der als Anführer im Klubfußball nichts stehen hat. Das gab es letztmals 1970. Damals ächzten die Stars um Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Hans-Georg Schwarzenbeck und Gerd Müller unter der harten Hand von Erfolgstrainer Branco Zebec. Die Spieler unterstellten dem wenig kommunikativen Jugoslawen fast schon brutale Trainingsmethoden. In der Rückrunde 1969/70 kam es zur Rebellion.

Anfang März wurde Zebec entlassen. Der Nachfolger: Udo Lattek. 34 Jahre alt, Trainer der deutschen Jugend-Nationalmannschaft und Assistent im Stab von Bundestrainer Helmut Schön. Erfahrung im Klubfußball: null. Die Entscheidung der Bayern-Bosse blieb in den Medien lange sehr umstritten. Der FCB wurde „nur“ Zweiter in der Bundesliga. Doch dann entwickelte sich Lattek zu d e r Entdeckung auf dem Trainermarkt. Aus seinem DFB-Jugendteam holte Lattek die 18 Jahre alten Talente Uli Hoeneß und Paul Breitner zu den Bayern. Der Klub wurde dreimal hintereinander Meister und feierte 1974 als erste deutsche Mannschaft den Triumph im Europacup der Landesmeister.

Ähnliche Erfolge muss Hansi Flick erst noch nachweisen. Auch bei ihm: Vor den Bayern hat der so brav wirkende Badener noch nie ein Profiteam angeleitet. 1999 Oberliga-Abstieg mit dem SC Bammental. Danach vier Jahre Regionalliga mit der TSG Hoffenheim. Dann der Rauswurf durch Mäzen Dietmar Hopp. Weil der Trainer den angestrebten schnellen Aufstieg in die Zweite Liga nicht geschafft hatte. Ende. Als Assistent von Bundestrainer Jogi Löw ist Flick später medial nie aufgefallen. Trotz der großen Erfolge.

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Das war Hansi Flick schon als Spieler so ergangen. 1986, 87, 89 und 90 ist er mit dem FC Bayern Deutscher Meister geworden. 1987 war Udo Lattek nach München zurückgekehrt. In jenem Jahr zogen die Bayern ins Europacupfinale der Landesmeister ein. 1:2 gegen den FC Porto. Startelfspieler neben Pfaff, Brehme, Eder, Pflügler, Matthäus, Nachtweih, Winklhofer, Kögl, Dieter Hoeneß und Michael Rummenigge: Hansi Flick, 22 Jahre alt, gekommen vom SV Sandhausen, ein laufstarker und bissiger defensiver Mittelfeldspieler. 104 Bundesligaspiele hat er für die Bayern bestritten. Am Ende an der Seite von Thomas Strunz und Olaf Thon.

Von all den großen Bayern-Stars haben es nur die Führungsfiguren Franz Beckenbauer, Sören Lerby und Jürgen Klinsmann mal (kurzfristig) geschafft, Chefcoach zu werden in München. Und nun der Zuarbeiter Hansi Flick. Es mag ein Vorteil sein, dass der intelligente Typ den Branchengiganten mit seinen immensen sportlichen Ansprüchen und der heftigen medialen Aufmerksamkeit sehr gut kennt. In der Öffentlichkeit tritt Flick ähnlich zurückhaltend auf wie Ottmar Hitzfeld, in der ebenso sensiblen wie stringenten Teamführung erinnert er an Jupp Heynckes, spielerisch und taktisch hat das viel zu tun mit der Ballbesitzdominanz unter Pep Guardiola. Das Paket ist stimmig. Ob Flick auch Titel holen kann? Das sehen wir erst, wenn in der Corona-Krise die Kugel wieder rollt.