Rehberg: Untergangsstimmung vor dem Derby bei der Eintracht

Eintracht-Trainer Armin Veh. Foto: dpa

Mainz 05 hat das Derby gegen die Eintracht vor der Brust. Ein guter Zeitpunkt, so scheint es, denn in Frankfurt herrscht Untergangsstimmung. Das stellt zumindest AZ-Kolumnist...

Anzeige

. In meinem (italienischen) Stammcafé am Marktplatz im Frankfurter Stadtteil Höchst haben die Diskussionen um das Rhein-Main-Derby in Mainz schon begonnen. Eintracht-Fans mit vielfältigem Emigrationshintergrund besprechen dort bei drei Grad Außentemperatur auf der überdachten Terrasse unter Heizstrahlern täglich die Lage. In hitziger Atmosphäre. Am Dienstag bestand ausnahmsweise mal Einigkeit: Wenn die Eintracht auch noch das Derby gegen die Mainzer „Nichtskönner“ verlieren sollte am kommenden Samstag, dann müsse Armin Veh weg, „dann ist de Trainer net mehr zu halte“.

Untergangsstimmung. Alle müssen dann weg. Veh, Manager Bruno Hübner, Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, bis auf Torjäger Alex Meier und Torhüter Lucas Hradecky auch der komplette Kader, fordert ein Anhänger mit spanischem Akzent. „Traurig, dass so ein großer Verein immer nur gegen den Abstieg spielt“, stöhnt ein Fan mit marokkanischen Wurzeln. „Mir war´n doch vier mal Meister, dess muss man sich mal vorstelle.“ Die Gruppe fällt über den Unkundigen her. „Quatsch, vier mal Meister. Ein Mal waren wir Meister, und das ist vielleicht vier Jahrhunderte her.“ Einer zieht den Telefonjoker und liest laut lachend vom Handy ab: „So unrecht hat de Raschid gar net. Mir warn 1938 Gaumeister, 1957 Deutscher Flutlichtpokalmeister, 1959 Deutscher Meister und 1998 Zweitligameister.“ Herrlich. Und am Ende stellt sich heraus: Der marokkanische Frankfurter meinte vier Mal DFB-Pokalsieger (1974, 75, 81 und 88). „Ja, ja“, brummt ein anderer. „Waren dess noch Zeite!“

Die alten Zeiten, wunderbar

Und dann wird noch schnell das „sagenhafte“ 1:0-Siegtor von Lajos Detari diskutiert, 1988 im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Bochum. Und es wird diskutiert, dass bis heute nicht aufgedeckt ist, wo damals die schönen 17,4 Millionen D-Mark Ablöse für den brillanten Detari geblieben sind, als der Ungar nach jenem herrlichen Freistoßtreffer zu Olympiakos Piräus wechselte. „Auf die lückenlose Aufklärung warten wir bis heute. Dess ist wie beim DFB“, sagt der spanische Frankfurter. Wunderbar.

Anzeige

Seit seinem Amtsantritt am 1. Dezember 2003 arbeitet Heribert Bruchhagen daran, der Adler-Klub und seine Anhänger mögen doch bitte nicht mehr in der Vergangenheit leben. Dieses Ziel hat der Vorstandschef nicht erreicht. Am 30. Juni verabschiedet sich der 67-Jährige, der mal Sport- und Geografielehrer in Halle /Westfalen war, in den Ruhestand. Und Bruchhagen, der auch mal Manager bei wilden Klubs wie dem FC Schalke 04 und dem Hamburger SV war, wird froh sein, wenn die Eintracht Frankfurt Fußball AG bis zu seinem letzten Tag im Amt in halbwegs ruhigem Fahrwasser das Klassenziel erreicht. Vor dem Derby in Mainz steht die Mannschaft mit mageren 14 Punkten auf dem 12. Platz, gerade mal vier Zähler entfernt vom Relegationsrang. Eine Niederlage in der Coface Arena würde die Lage verschärfen. Eigentlich sollte der wie ein Messias gefeierte Rückkehrer Armin Veh den Klub in dieser Saison in die Nähe der Europaligaplätze führen.

Viele Köche verderben den Brei

Angespannt ist die Situation auch deshalb, weil in den Gremien der AG bereits Umbaupläne geschmiedet werden. Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing, ein schwerreicher Börsenmann, Vorstandsvize Axel Hellmann, ein Jurist, sowie Klubpräsident Peter Fischer werkeln an der Bruchhagen-Nachfolge. Da war lange der mit Steubing und Bruchhagen befreundete Armin Veh der Kandidat. Der sollte im Sommer als Trainer ersetzt werden durch Alexander Schur, die Profi-Legende, die als Jungcoach 2010 mit der U17 Deutscher Meister war, der danach die U19 vor dem Abstieg bewahrte und der zuletzt die (2014 abgeschaffte) U23 trainiert hat. Einigkeit besteht darüber nicht mehr.

In Frankfurt passiert im Hintergrund gerade das, wovor der Alleinentscheider Christian Heidel in Mainz immer gewarnt hat: Wer in vielen Gremien viele Köpfe sitzen hat, die sich für wichtig und fachkundig halten und die alle mitreden wollen, der kann in kritischen Zeiten mit dieser meinungsfreudigen Vielfalt ein Problem bekommen. Was nicht heißen muss, dass es am Bruchweg künftig keine neuen Gremien geben sollte. Aber nun schauen wir uns erst mal das Rhein-Main-Derby an. Dazu mehr im morgigen Blog.