Rehberg: Transfersummen in der Fußball-Bundesliga sind...

Niklas Süle wechselt im Sommer von Hoffenheim zum FC Bayern.  Foto: dpa

Um einen Durchschnittskicker anzuwerben, müssen die Vereine heutzutage Millionenbeträge aufwenden. Die Preise sind explodiert. Selbst dem deutschen Branchengiganten wird das...

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. In jüngster Zeit liest man immer mal wieder die Geschichte von Roger van Gool. Das war jener krummbeinige Außenstürmer, der 1976 vom FC Brügge zum 1. FC Köln wechselte. Seine 28 Tore in 96 Spielen für die Geißböcke sind gar nicht Erinnerung geblieben. Die denkwürdige Besonderheit war: Der Belgier ging in die Geschichte ein als der erste Bundesligatransfer, bei dem eine Millionenablöse gezahlt wurde. Exakt eine Million DM - und damals war von Wahnsinn die Rede. Eine Million Euro kostet heute ein 29 Jahre alter Durchschnittskicker wie Jerome Gondorf, der sich gerade vom Absteiger Darmstadt 98 zum SV Werder Bremen verändert hat.

Die Preise sind explodiert, in die Höhe geschossen. Selbst dem deutschen Branchengiganten wird das zu viel. Trainer Carlo Ancelotti hätte gerne Arsenal-Stürmer Alexis Sanchez. Von 60 bis 70 Millionen Ablöse ist die Rede, dazu kommt ein Gehalt jenseits der 12 Millionen pro Spielzeit. Der Chilene ist 29 Jahre alt, einen nennenswerten Verkaufswert hätte Sanchez nach Ablauf einer dreijährigen Vertragslaufzeit sehr wahrscheinlich nicht mehr. Die Verhandlungen stocken. Die Bayern tun sich (noch) schwer mit diesen utopischen Summen. Das stagnierende Flügeltalent Kingsley Coman hat schon 19 Mio. gekostet, das junge Innenverteidigertalent Niklas Süle knapp über 20 Mio. Und für den 22 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler Cotentin Tolisso (ein A-Länderspiel) überweist der FCB stramme 41,5 Mio nach Lyon.

Alles verrückt. Borussia Dortmund hat Ersatz gesucht für den ewig verletzten Marco Reus. Die Wahl fiel auf den schmalen Maximilian Philipp (23) vom SC Freiburg. Kostenpunkt: 20 Millionen. Für einen Ersatzspieler der deutschen U21-Nationalmannschaft, der im Breisgau in 81 Bundesligaspielen nette 18 Treffer erzielt hat. Der VfL Wolfsburg legt für den oft genug schlampigen Stopperhünen John Anthony Brooks gigantische 17 Millionen auf den Tisch. Die Kohle kassiert die Berliner Hertha, die sich dafür den Leipziger Ersatz-Mittelstürmer Davie Selke leistet. Kostenpunkt: 8,5 Millionen. Da muss man Borussia Mönchengladbach fast schon gratulieren: Die berappen für den Freiburger Techniker Vincenzo Grifo „nur“ sechs Millionen. Dafür kostet die Gladbacher der junge Mittelfeldspieler Denis Zakaria von Young Boys Bern schon wieder 12 Millionen.

Drei Probleme am Wettbieten

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Beenden wir diese Aufzählung. Und halten wir fest: Wenn wir mal vom Hamburger SV, der sich Jahr für Jahr das Einkaufsgeld von einem stinkreichen Mäzen besorgen muss, absehen, dann ist die Kohle da. Kein Klub finanziert sich mit Banküberfällen, Drogenhandel oder Schutzgelderpressung. Selbst mittelständische Vereine wie Mainz 05 können heute auch mal fünf Millionen ausgeben für einen gehobenen Entwicklungsspieler, ohne die Kreditabteilung der Hausbank bemühen zu müssen. Drei Haken hat die Sache dennoch:

Nummer 1. Mit den Ablösesummen steigen auch die Spielergehälter. Wer im Einkauf viel kostet, der will entsprechend dieses Marktwertes auch viel verdienen. Und das gilt eben auch schon für die mittelprächtig begabten Profis. Soll heißen: Die Qualität des Fußballs verbessert sich nicht automatisch mit dem Anstieg der finanziellen Aufwendungen. Sprich: Der Unterhaltungswert für die Zuschauer erhöht sich mit den steigenden Personalkosten nicht signifikant. Das kann auf Dauer ein Problem werden.

Nummer 2. Mittelständische Klubs können ihre Toptransfers in der Regel nicht aus den Fernsehgeldeinnahmen finanzieren. Für Transfers um die fünf Millionen und mehr plus die entsprechend hohen Gehälter braucht es entsprechende Transfereinnahmen. Wer dann keine auf dem Markt gefragten Spieler am Start hat, der hat gelitten. Beispiel: Die ohne finanzielle Rücklagen arbeitende Eintracht hat sich mit dem Franzosen Sébastian Haller (FC Utrecht) für sieben Millionen Euro einen neuen Mittelstürmer besorgt – für die nötige Refinanzierung bieten die Frankfurter nun bemüht Talente und/oder Ladenhüter feil. Die Eintracht hatte sich in der Vorsaison wegen fehlender Mittel überwiegend mit Leihspielern eingedeckt.

Nummer 3. Für Klubs ohne Festgeldkonto steigt bei Millionen-Investitionen in Entwicklungsspieler das Risiko. Stellt sich nach einer bestimmten Zeit das erhoffte Niveau nicht ein, dann wird dieser – auch im Gehalt nicht eben preiswerte – Profi in der Regel ausgeliehen. Zündet der Spieler auch beim Leihklub nicht, dann kann es passieren, dass die Millionen schon nach zwei Jahren verbrannt sind.