Rehberg: Transfermarkt - wer verfolgt welches Konzept?

Geldscheine, die vom Himmel regnen. Symbolfoto: dpa

Das Sommertransferfenster ist noch einige Wochen geöffnet. Reinhard Rehberg hat sich einmal umgeschaut, wie sich der Transfermarkt derzeit entwickelt - und auf was die Vereine...

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. Werfen wir einen Blick auf den Transfermarkt. Lange sechs Wochen ist das Sommertransferfenster noch geöffnet. Da wird noch viel passieren in der Bundesliga. Trends? Die Ablösesummen sind exorbitant gestiegen. Im Einkauf braucht man die großen Scheine. Was auf der anderen Seite bedeutet: Wer für den Markt interessante Spieler am Start hat, der erzielt auch prächtige Einnahmen. Fazit: Viel hat sich demnach nicht geändert. Der Unterschied: Wer sich bei Neuverpflichtungen vertut - wer also Spieler anheuert, deren Marktwert binnen ein, zwei Spielzeiten rapide sinkt -, der hat mehr Geld verbrannt als früher. Damit steigt das Risiko im Transfergeschäft. Wobei man das als Mischkalkulation begreifen muss: Ein Klub, der pro Saison einen oder zwei Spieler mit erheblichem Gewinn verkauft, der kann den ein oder anderen teureren Irrtum, und das ist nicht zu vermeiden, kompensieren.

Auffallend ist, dass es nur sehr wenige Bundesligisten gibt, die größere Summen investieren können, ohne nennenswerte Transfereinnahmen zu erzielen. An der Spitze steht da natürlich der FC Bayern München. Der Branchengigant kann es sich leisten, 38 Millionen für Mats Hummels und 35 Millionen für das 18 Jahre alte Edeltalent Renato Sanches auszugeben. Einnahmen bisher: 15 Mio. für Sebastian Rode (zu Borussia Dortmund) und 15 Mio. für Emile Höjbjerg (zum FC Southampton).

Auch der VfL Wolfsburg könnte investieren, ohne zu verkaufen. Doch der VW-Klub baut aktuell seinen nur bedingt willensstarken Kader um. Die schwache Vorsaison hat Manager Klaus Allofs dazu animiert. Und der Mäzenatenklub RB Leipzig ist auf überhaupt keine Transfereinnahmen angewiesen. Da fließt die Kohle vom Brause-Milliardär.

Wer hat den richtigen Riecher?

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Dann gibt es noch Bayer Leverkusen. Der Werksklub will in diesem Sommer gar keinem Startelfspieler verkaufen. Rudi Völler hat lediglich Christoph Kramer ziehen lassen (für 15 Mio. nach Gladbach), doch der Mittelfeldspieler passte eh nicht so richtig in das Pressingkonzept von Trainer Roger Schmidt. Die Verpflichtungen von Kevin Volland (kam für 20 Mio. von der TSG Hoffenheim) und von Julian Baumgartlinger (für vier Mio. aus Mainz) konnte sich Bayer locker leisten.

Ein Sonderfall ist Borussia Dortmund. Der Meister von 2011 und 2012 und Champions-League-Finalist von 2013 ist prinzipiell längst kein Verkaufsklub mehr. Aber die Dortmunder müssen akzeptieren, dass die Topklasse ihrer Spieler interessant ist für Klubs, die noch höhere Gehälter zahlen und die zum Teil auch noch näher dran sind an den nationalen und internationalen Titeltrophäen. Interessant ist, welche Strategie die Borussia nun gewählt hat, um die sportlich/wirtschaftlich werthaltigen Abgänge von Mats Hummels, Ilkay Gündogan (für 27 Mio zu Manchester City) und Henrikh Mkhitaryan (für 42 Mio. zu Manchester United) zu kompensieren.

Die Borussia wird sich sicher auch noch mit Nationalspielern mittleren Alters verstärken (Mario Götze und André Schürrle sind in Vorbereitung). Bislang hat der Klub aber die Rieseneinnahmen mehr dazu genutzt, sich in der Breite stärker aufzustellen mit hoch talentierten Entwicklungsspielern. Innenverteidiger Marc Bartra (25), für „nur“ acht Millionen gekommen vom FC Barcelona, Mittelfeldsechser Sebastian Rode (25) sowie Linksverteidiger Raphael Guerrero (22), der portugiesische Europameister, für den der FC Lorient 12 Mio. kassiert, sind da sicher schon einen Schritt weiter. Der Franzose Ousmane Dembélé (19), geholt für 19 Mio. von Stade Rennes, der Spanier Mikel Merino (20), für 4 Mio. geholt aus Osasuna sowie der Türke Emre Mor (18), für 9,5 Mio. geholt vom FC Nordsjaelland, das sind ausgesprochen interessante Investitionen in die Zukunft. Thomas Tuchel spricht von einem Risiko-Projekt. Damit will der Trainer die Erwartungen dämpfen. Wenn sich auch noch Götze und Schürrle realisieren lassen, dann hat Borussia Dortmund einen intelligent zusammen gestellten Spitzenkader. Für die Bundesliga und für die Champions League. Ein Leistungsabfall ist da nicht zu erwarten.

Mainz und Frankfurt setzen auf Wertsteigerungen

Auf diese Spieler, die in jungen Jahren national und international schon einiges an Erfahrung gesammelt haben, konzentrieren sich auch die 05er und die Frankfurter Eintracht. Die Mainzer haben für rund 2,5 Mio. den spanischen U21-Nationalspieler José Rodríguez (21) und für rund 3,5 Mio. den französischen Nationalspieler Jean-Philippe Gbamin (20) verpflichtet. Die Idee: Das Leistungsniveau der Mannschaft zumindest erhalten, die Kaderqualität in der Breite erhöhen und mittelfristig eine Wertsteigerung schaffen. Dieser Weg hat Tradition am Bruchweg, da sind die Mainzer weiter als die Eintracht. Sollten die jungen Zugänge eine längere Entwicklungszeit benötigen, dann kann Martin Schmidt immer noch eine in weiten Teilen eingespielte Startelf stellen.

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Die Frankfurter dagegen müssen ohne die ganz großen Transfereinnahmen und ohne nennenswerte Rücklagen ihren Kader/ihre Startelf in hohem Maße umbauen/verstärken. Der Spanier Jesus Vallejo (19, Innenverteidiger, ausgeliehen von Real Madrid II), der Spanier Omar Mascarell (23, Mittelfeldspieler, gekauft für 1 Mio. von Real Madrid II), der Israeli Taleb Tawatha (24, Offensivspieler, für 1,2 Mio. gekommen von Maccabi Haifa), Ante Rebic (22, Außenstürmer, ausgeliehen vom AC Florenz) oder auch Branimir Hrgota (23, Mittelstürmer, ablösefrei aus Gladbach gekommen), das sind überwiegend Verpflichtungen, die sehr schnell funktionieren müssen.

Ein weiterer Trend ist dabei erkennbar: Die Bundesliga ist sportlich und wirtschaftlich attraktiv geworden für Toptalente aus starken Fußballnationen wie Spanien und Frankreich.