Rehberg: Träume platzen, Träume werden wahr

Offenbar wechselte David Alaba für einen möglichen Transfer zu Real Madrid sogar den Berater. Doch es sind wirtschaftlich keine stabilen Zeiten. Ob Transfers dieser Größenordnung in absehbarer Zeit getätigt werden können, bleibt abzuwarten. Foto: dpa

Die Coronakrise wirkt sich auf die Finanzen aller Klubs aus. Wieso das einigen Fußballern zum Verhängnis werden, anderen aber Chancen eröffnen kann, erklärt Reinhard Rehberg.

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. Wir wissen heute noch nicht einmal, wann sich im Profifußball das nächste Transferfenster öffnen wird. Eine Prognose ist nicht unrealistisch: Die überwiegende Mehrheit der deutschen Profiklubs muss sich darauf einstellen, dass in der nächsten und übernächsten Transferperiode weniger Geld für das Einkaufsgeschäft zur Verfügung steht.

Das hat vielfältige Auswirkungen. Beginnen wir mit Spielern, die auf einem am 30. Juni auslaufenden Vertrag sitzen. Viele Klubs sehen sich in diesem Moment nicht in der Lage, Kontrakte zu verlängern. Andere Klubs sehen sich in diesem Moment nicht in der Lage, neue Spieler aufzunehmen. Je größer der wirtschaftliche Schaden im Profibetrieb ausfallen wird am Ende der Corona-Krise, desto geringer die künftige Investitionsbereitschaft. Das betrifft die Gehälter, das betrifft die Ablösesummen, das betrifft die Beraterhonorare.

Ein großes Problem ist das in erster Linie für sehr junge oder jüngere Spieler, die in ihrer kurzen Karriere noch keine nennenswerten Rücklagen bilden konnten. Diese Spieler haben Sorgen. Mag aber sein, dass einige von ihnen am Ende die Gewinner sind. Denn Klubs, die künftig drei, fünf, zehn oder 15 Millionen Euro nicht mehr aufbringen können, um Talente aus aller Herren Länder anzuwerben, die werden sehr wahrscheinlich auf günstigere Talente aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum und/oder dem eigenen Land setzen müssen. Das gilt für die Bundesligisten aus der unteren Tabellenhälfte, noch mehr für nahezu alle Zweitligisten.

Viele Zweitligisten werden womöglich froh sein, wenn sie den ein oder anderen Leistungsträger für eine halbwegs vernünftige Summe an einen wirtschaftlich schwächeren oder mittelprächtig aufgestellten Bundesligisten abgeben können. Das entlastet im Unterbau die Etats, das stopft Löcher aus der Epidemie-Auszeit. Eine Kettenreaktion. Bei diesen Zweitligisten werden dann Leistungsträger aus der finanziell jetzt schon extrem notleidenden Dritten Liga und Spieler aus NLZ´s höher im Kurs stehen als bisher. Das wäre eine Entwicklung, die dem deutschen Fußball nicht schaden muss.

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Viele Bundesligisten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Scoutinglisten überarbeiten müssen. In den vergangenen Jahren standen auf diesen Zetteln jüngere Toptalente aus Frankreich, England, Belgien, Holland oder Spanien. Wenn auf diesem Markt die Preise (Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar) nicht dramatisch nach unten gehen, dann werden sich die wirtschaftlich schwächeren Erstligisten in diesen Ländern nur noch bedingt bedienen können. Das ist die Chance für gute Zweitligaprofis. Auch für die besseren Talente aus den Ausbildungszentren. Auch an dieser Entwicklung würde der deutsche Fußball keinen Schaden nehmen. Nachteile im kontinentalen Vergleich? Überhaupt nicht. Den Konkurrenzligen in Europa geht es nicht besser.

Im Spitzenbereich wird der Wahnsinn vorerst noch weitergehen. Wenn der Bayern-Profi David Alaba für einen möglichen Wechsel zu Real Madrid eigens den Berater wechselt, zuständig ist jetzt der international prächtig vernetzte und als windig bekannte Pini Zahavi (76), dann ist erkennbar: Transfers jenseits von 60, 70 oder 80 Millionen Euro trauen sich manche Klubs und Berater offenbar immer noch zu. Allerdings wollte Zahavi in den vergangenen beiden Jahren auch schon Robert Lewandowski bei den Königlichen unterbringen. Geklappt hat das nie. Nicht mal in wirtschaftlich stabilen Zeiten.

Und sollte Alaba diese Berater-Rochade nebst Gerüchteküche nur dafür nutzen wollen, in München ein Supergehalt auszuhandeln im Zuge einer Vertragsverlängerung (der Kontrakt beim FC Bayern endet am 30. Juni 2021), dann wäre das gerade nicht die beste Zeit für dieses Ansinnen und diese Taktik.

Das nächste Transferfenster wird spannend. Weniger Geld wird einiges neu regeln. Und vielleicht auch manche Träume platzen lassen.