Rehberg: Schröder am Bruchweg rasch einbinden

Rouven Schröder kommt als Nachfolger von Manager Christian Heidel an den Bruchweg. Archivfoto: imago Sportfotodienst

Die Einigung mit dem SV Werder Bremen steht. Nun kann der künftige Manager Rouven Schröder bald sein Büro am Bruchweg beziehen und sich von Christian Heidel einarbeiten...

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. Die Einigung mit dem SV Werder Bremen steht. Die 05er werden für die Anwerbung ihres künftigen Managers Rouven Schröder einen niedrigen sechsstelligen Betrag an die Weser überweisen. Damit kann der 40-Jährige zeitnah sein Büro am Bruchweg beziehen und sich vom - irgendwann im Mai scheidenden - Christian Heidel einarbeiten lassen. Das ist eine gute Entwicklung. Denn es macht Sinn, dass Schröder in Mainz sehr früh in anstehende Entscheidungen eingebunden wird.

Nehmen wir nur den Fall Christian Clemens. Natürlich ist Heidel in diesem Sachverhalt befangen. Und natürlich wird der Noch-05-Manager nichts tun, was für seinen aktuellen Klub unvorteilhaft wäre. Die Darstellung, alles sei im Leihvertrag mit dem FC Schalke 04 eindeutig geregelt, ist aber eine sehr vordergründige Sichtweise. Laut Leihvertrag mit Kaufoption soll Clemens rund 2,5 Millionen Euro kosten.

Manchmal lässt Heidel Fälligkeit der Option verstreichen

Wir kennen Heidels Vorgehensweise aus vielen ähnlich gelagerten Fällen in der Vergangenheit. Wenn der betreffende Spieler in den sportlichen Planungen des abgebenden Vereins keine Rolle spielt und wenn der betreffende Spieler auf dem allgemeinen Transfermarkt zu diesem Preis nicht stark nachgefragt ist, dann lässt der erfahrene Verhandlungsführer gerne die Fälligkeit der Kaufoption verstreichen. Und dann wartet Heidel ab. Und bevor der abgebende Klub diesen Spieler irgendwann wieder auf seiner Gehaltsliste hat (nicht selten mit einem höheren Salär als in Mainz), erreicht die 05er ein neues, ein niedrigeres Ablöseangebot.

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Demnach ist es nicht auszuschließen, dass die 05er einen Clemens auch preiswerter an sich binden könnten. Aber kann Heidel in diesem Moment diese Verhandlungstaktik anwenden, wenn er damit seinen künftigen Arbeitgeber in eine nachteilige Position manövriert? Natürlich nicht. Das nennt man einen Interessenkonflikt. Der auch nicht damit aus der Welt zu schaffen ist, dass sich die 05er brav an die im Leihvertrag vereinbarten Zahlen halten.

Interessenkonflikte bei Transfers kaum zu vermeiden

In Verbindung mit dieser anstehenden Transferentscheidung muss man auch den Fall Jhon Cordoba betrachten. Der Kolumbianer ist ebenfalls ausgeliehen. Vom FC Granada. Rund fünf Millionen Ablöse werden da fällig beim Kauf des Mittelstürmers. Würden die 05er also nun entscheiden, Cordoba und Clemens zu den vereinbarten Kaufsummen zu übernehmen, dann werden im Sommer 7,5 Millionen Ablöse fällig für diese beiden Offensivspieler. Viel Geld für Mainz 05. Da könnte man auch auf den Gedanken kommen: Das Paket wird zu teuer - der Klub kann sich nur einen der beiden Stürmer leisten.

Nach den jüngsten Eindrücken käme in Mainz keiner auf die Idee, dass man auf Jhon Cordoba verzichten sollte. Der bullige Angreifer ist mit seiner wuchtigen Spielweise und seinen Toren gerade dabei, sich einen Namen zu machen in der Bundesliga. Dann müsste Heidel in Kürze eventuell die Entscheidung fällen: Clemens zurück nach Gelsenkirchen. Das ließe sich auch sportlich begründen. Denn den Status eines nahezu unverzichtbaren Leistungsträgers hat sich der Flügelstürmer in Mainz (noch) nicht erarbeitet. Und dieses Profil braucht dann auch der international ambitionierte FC Schalke 04 nicht unbedingt in seinem Kader. Auch da ist es unübersehbar, dass Heidel in einem Interessenkonflikt steckt.

Ausweg: Schröder und Schmidt müssen entscheiden

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Das ist keine dramatische Angelegenheit. Zumal Heidel als künftiger Schalke-Manager für Clemens sicher leicht einen kaufwilligen Interessenten finden würde. Aber diese Sachlage zeigt, dass Rouven Schröder alsbald in die Planungen am Bruchweg eingebunden werden sollte. Mit seinen eigenen Vorstellungen als der künftige - in sportlichen Belangen verantwortliche - Planer im Klub. Die Entscheidungen in den Fällen Clemens und Cordoba sollten der neue Manager und Trainer Martin Schmidt fällen. Das wäre in dieser nicht unkomplizierten Übergangsphase eine saubere, eine Heidel inhaltlich entlastende Vorgehensweise.

Dass die 05er mit Christian Heidel und Axel Schuster gleich zwei vertraglich gebundene Führungskräfte ablösefrei ziehen lassen, im Gegenzug aber für den Nachfolger gezahlt werden muss, auch darüber lässt sich diskutieren. Jetzt ist es zu spät. Nachverhandlungen mit S04 wären peinlich. Und es ist auch ein nachvollziehbares Argument, dass man dem verdienstvollen 05-Manager nach seinen vielen erfolgreichen Jahren in seiner Heimatstadt einen problemlosen, konfliktfreien Wechsel ermöglichen wollte. Aber eines ist gewiss: Christian Heidel hätte eine wichtige und vertraglich gebundene Mainzer Führungskraft eher nicht ohne werthaltige Forderungen gehen lassen.