Rehberg: "Schmidt für Schmidt"? So steht es um den Bayer-Trainer

Roger Schmidt. Foto: dpa

Die Schlagzeile „Schmidt für Schmidt?“ im Fachmagazin „kicker“ war ein kleiner Tagesaufreger. Nach den letzten Erfolgen in der Bundesliga hat sich die Situation unter...

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. Die Schlagzeile „Schmidt für Schmidt?“ im Fachmagazin „kicker“ war ein kleiner Tagesaufreger. Mehr nicht. Nur der Rudi Völler steigerte sich in seine „Waldi-Hartmann-Weißbier-Stimmung“; der Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen soll gerast und getobt haben. Nichts sei wahr daran, dass der Klub beim Mainzer Trainer Martin Schmidt fernmündlich angefragt habe, ob er im Bedarfsfall kurz- oder mittelfristig als Nachfolger von Roger Schmidt zur Verfügung stehe. Am Fastnachtssamstag laufen die 05er in Leverkusen auf.

Wie steht es denn nun um die Arbeit von Roger Schmidt? Sportlich hat der Bayer-Coach nach schwierigen Wochen den Kopf aus der Schlinge gezogen. Nach dem 2:3 zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach und dem 0:1 beim Hamburger SV tobte ein Mediengewitter über Schmidt hinweg. Dann kam das 3:0 gegen die Frankfurter Eintracht, dem folgte der 3:1-Sieg in Augsburg. Jetzt hieß es: Das ist eine junge Mannschaft, die hat noch keine Konstanz auf hohem Niveau - aber man sieht, es geht doch!

Am Dienstagabend wurde die Bayer-Elf in der Champions-League von Atletico Madrid auseinandergeschraubt. 2:4 in der BayArena. Hätte auch 4:4 enden können. Bei unglücklicherem Verlauf aber auch 2:6. Die Leverkusener haben schwungvoll gepresst und angegriffen - sie haben aber auch utopisch schlecht verteidigt gegen die flinken Konterstürmer Antoine Griezmann, Kevin Gameiro und Raul Niguez.

Talentschmiede

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Zufrieden sind die Bayer-Verantwortlichen mit der Talente-Entwicklung. Aus dem 20 Jahre alten Mittelfeldspieler Benjamin Henrichs hat Roger Schmidt einen Rechtsverteidiger gemacht, der schon bei Jogi Löw vorspielen darf. Der 20 Jahre alte Flügelstürmer Julian Brandt ist längst ein Nationalmannschaftskandidat, der Mario Götze und André Schürrle im Nacken sitzt. Und jetzt hat der Bayer-Chefcoach auch noch einen 17-Jährigen platziert, der die Experten mit der Zunge schnalzen lässt. Kai Havertz. Ein gelernter Mittelfeldspieler aus der U17. Beim Sieg in Augsburg legte der Hochbegabte als hängende Spitze für Karim Bellarabi das 1:0 auf und für Chicharito das 3:1. Insgesamt eine Topleistung. „Wenn er im Kopf sauber bleibt“, erklärte Torhüter Bernd Leno später, „dann kann er ein ganz Großer werden.“ Der Abiturient Havertz ist extrem ballsicher, kopfballstark, physisch präsent, laufstark, entscheidungssicher, erstaunlich abgeklärt für sein Alter.

Diese Talentauswahl ist schön. Nur der 9. Platz in der Bundesligatabelle sowie die sieben Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Rang missfallen einem ehrgeizigen Mann wie Völler. Und natürlich auch die regelmäßigen Ausraster des Trainers gegenüber Kollegen oder Schiedsrichtern und/oder vierten Offiziellen. Menschlich ist Roger Schmidt ein ähnlich unberechenbarer Problemfall wie Thomas Tuchel. Überragendes Fachwissen - im Miteinander und in der Außendarstellung extrem schwierig.

Schattenmann als Schmidt-Aufpasser

Jörn Wolf war Fußballschreiber bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach war der Sportjournalist 14 Jahre lang Mediendirektor beim HSV. Seit ein paar Wochen trägt Wolf in Leverkusen den sperrigen Titel „Koordinator Trainer- und Funktionsteam“. Medienvertreter nennen Wolf „Trainer-Aufpasser“. Der 40-Jährige sitzt bei den Spielen auf der Bank, nach dem Abpfiff folgt er Roger Schmidt auf Schritt und Tritt. Beide hatten sich mal zufällig im Urlaub kennengelernt. Der Kopfmensch Schmidt, der seine Emotionen nur bedingt kontrollieren kann, akzeptiert den vom (nicht minder impulsiven) Völler engagierten Schattenmann.

Ob diese Form der Manndeckung eine Dauerlösung ist für einen Werksklub, der sehr viel Wert legt auf einen topseriösen Auftritt in der Öffentlichkeit? Die Ergebnisse weisen den Weg. Sollten die 05er in Leverkusen erfolgreich sein, dann beginnen unterm Bayer-Kreuz die Trainerdiskussionen wieder von vorne. Darauf kann man wetten. Und auch das „Schmidt-für-Schmidt?“-Modell wird dann sicher noch mal aus der Schublade „Zur Wiedervorlage“ gezupft.