Rehberg: Schiri-Entscheidungen in der Champions League

Torwart Gianluigi Buffon (2.v.l.) von Juventus schreit Schiedsrichter Michael Oliver an. Foto: dpa

Wer gewinnt die Champions League? Darüber kann man Analysen erstellen, darüber kann man philosophieren. Aber eines macht die Sache extrem schwierig: Wir wissen nicht, welche...

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. Nehmen wir die faszinierende Nacht in Manchester. Nach dem 0:3 in Liverpool rollte die Aufholjagd. Man kann nicht brillanter Fußball spielen, als es die Elf von Pep Guardiola in den ersten 45 Minuten zelebriert hat gegen den FC Liverpool. Die stoische Ruhe, mit der die Elf von Jürgen Klopp die spielerisch hochwertigen Dauer-Angriffswellen von ManCity verteidigt hat ab dem frühen 1:0 für die Gastgeber, das war nicht minder beeindruckend. Aber der Schiedsrichter aus Spanien hat City das 2:0 geklaut. Die Abseits-Entscheidung beim Treffer von Leroy Sane war falsch. Wie soll eine Abseitssituation entstehen, wenn ein Torwart den Ball wegboxt und der eigene Mitspieler die Kugel Richtung eigenes Tor lenkt? Geht nicht.

Niemand weiß, wie die zweite Halbzeit gelaufen wäre, wenn City mit einer 2:0-Führung in der Kabine gesessen hätte. Und der emotional aufgewühlte Guardiola wäre nicht auf die Tribüne verwiesen worden, sondern er hätte eine flammende Pausenansprache halten können. Es hätte ein langer Abend werden können für die Liverpooler. Die schon beim Hinspiel das Glück hatten, dass das Schiri-Gespann beim Treffer zum 1:0 eine sehr knappe Abseitsstellung des Torschützen Salah übersehen hatte.

Unterm Strich Sieg verdient

Der tempogeladene Pressing- und Umschaltfußball des FC Liverpool im Hinspiel und der tempogeladene Kombinationsfußball von City im Rückspiel haben Begeisterung ausgelöst. Unterm Strich bleibt der Doppelsieg der Klopp-Armada verdient: Weil die „Reds“ über 180 Minuten besser verteidigt haben - und weil die Reds in beiden Spielen die klareren Torchancen hatten und diese sehr effizient genutzt haben. Aber, und das ist unbefriedigend: Die Unparteiischen hatten zu viel Einfluss auf den Ausgang dieser jeweils in der ersten Halbzeit atemberaubenden Weltklasse-Veranstaltungen im englischen Viertelfinale.

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Zu Real Madrid. 3:0 Auswärtssieg bei Juventus Turin. 0:3 hinten bis in die Nachspielzeit im Bernabeu-Stadion. Beide Bänke bereiteten sich schon auf die Verlängerung vor. Und dann dieser Elfmeter für Real. Hätten Sie den gepfiffen? Wir müssen darüber nicht diskutieren. Das war eine klassische 50:50-Situation.

Häufig Glück mit den Unparteiischen

Juve-Verteidiger Benatia war im Rücken von Vazquez im Nachteil, der marokkanische Hüne setzte seinen Körper ein und er ging mit einem Bein ungeschickt zum Ball - der leichtgewichtige Real-Stürmer nahm das Angebot beim ersten leichten Kontakt mit einem theatralischen Faller dankend an. Die „Königlichen“ aus Madrid haben in engen Situationen häufig Glück mit den Unparteiischen. Im Vorjahr hatte Real im Viertelfinale gegen den FC Bayern von merkwürdigen Schiri-Entscheidungen profitiert (zwei Abseitstore von Ronaldo in der Verlängerung im Rückspiel in Madrid).

Wir halten fest: Wer den Henkeltopf in die Höhe stemmen will, der braucht auch die Gunst des Augenblicks – wenn der Schiri enge Situationen zu bewerten hat. Und das wird im Halbfinale nicht anders sein. Die Bayern sind im Rennen. Dass sich das in der Liga so überlegene Team von Jupp Heynckes gegen den FC Sevilla mühen musste (2:1 und 0:0), das hat einen Vorteil: Das schärft die Sinne.