Rehberg: Quartett im Tabellenkeller abgehängt

FCN-Trainer Michael Köllner. Foto: dpa

Die letzten vier Klubs der Bundesligatabelle sind jeweils mit einer Niederlage in die Rückrunde gestartet. Der Abstand wächst. Die Unruhe auch. Die Trainer von 1. FC...

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. Die letzten vier Mannschaften der Bundesligatabelle sind am ersten Rückrunden-Spieltag abgehängt worden. Der FC Augsburg auf dem letzten sicheren Nichtabstiegsplatz hat bereits sechs Punkte Rückstand zum Tabellen-14. Fortuna Düsseldorf. Die letzten drei im hintersten Eck der Tiefgarage sind bei den enormen Rückständen froh, dass es diese eine Ausfahrt noch gibt: Der 1. FC Nürnberg, Hannover 96 und der VfB Stuttgart klammern sich an die Hoffnung, dass die Augsburger die Wende nicht mehr schaffen. Das Abstiegskampfspiel heißt in diesem Moment: Drei aus vier.

Die letzten vier Klubs sind jeweils mit einer Heimniederlage in die Rückrunde gestartet. Last-Minute-Zugänge, intensive Winter-Trainingslager, Maßnahmen zur Stärkung des Wir-Gefühls, emotionale Mannschaftssitzungen, Gruppen- und Einzelgespräche, spielerische und taktische Feinjustierungen, glühende Appelle aus der Führungsetage – das hat alles nichts genutzt. Alles verpufft. Den Spielverläufen nach hätten Hannover 96, der VfB und die Nürnberger sogar deftige Packungen kassieren dürfen. Lediglich der FCA war gegen Fortuna Düsseldorf nahe dran an zumindest einem Punkt.

Die Situation ist es, die diesen Mannschaften sehr viel kaputt macht. Die Tabellenregion limitiert. Die negative Grundstimmung im Klub, im Kader, in der gesamten Stadt begrenzt den Blick auf Lösungsmöglichkeiten. Die Köpfe der Spieler sind verwüstet. Das blockiert den Zugang zu den eh nicht überragend ausgeprägten fußballerischen Fähigkeiten sowie zum nötigen Selbstvertrauen. Die Trainer? Die befinden sich nur noch im Verteidigungsmodus. In den Medien wird ausschließlich aufgelistet, was NICHT funktioniert. Untergangsvisionen wabern durch die Fernseh- und Zeitungslandschaften. Von den „sozialen“ Medien ganz zu schweigen: Wer sich dort eine Minidosis Optimismus erwartet, der beschäftigt sich nach einer Stunde Orientierung in verschiedenen Foren umgehend mit einer Zweitliga-Dauerkarte.

Stemmt sich ein Trainer gegen diese düstere Atmosphäre, dann wirkt das zuweilen putzig. Michael Köllner zum Beispiel. Nach dem 1:3 gegen die Hertha, das optional eher zu einem 1:5 tendierte, klagte der Nürnberger Trainer, seiner Mannschaft sei ein klarer Elfmeter verweigert worden. Man erkenne deutlich, dass seine Elf in solchen Momenten „nicht begünstigt“ werde. Genau betrachtet waren die „Clubberer“ chancenlos. Von ihren vergangenen sieben Punktspielen haben die Nürnberger sechs verloren (ein Remis). „Wir haben uns nicht zum großen Verlierer aufgeschwungen“, erklärte Köllner. Er halte eine Siegesserie jederzeit für möglich. „Da bin ich guter Dinge.“

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Oder nehmen wir die Floskel-Orgie von Markus Weinzierl. „Hart arbeiten“, will der VfB-Trainer. „An der Konsequenz, das Entscheidende richtig zu machen, defensiv besser zu stehen, besser zu verteidigen, vorne effektiv zu sein.“ André Breitenreiter wurde gefragt, ob er noch das Vertrauen seiner Chefs spüre. „Zu 100 Prozent“, antwortete der Hannover-Coach. „Weil es mir so vermittelt wird.“ Tatsächlich soll sich die 96-Führung längst mit möglichen Nachfolgern beschäftigen.

In Augsburg mahnt Kapitän Daniel Baier: „Wir müssen etwas ändern in unserem Spiel, das weiß man und das sieht ja jeder.“ Trainer Manuel Baum entgegnete, die grundsätzliche Ausrichtung sei „in Ordnung“, ein generelles Umdenken sei „nicht notwendig“.

Das Leben in der Tiefgarage ist schuftig. Abstiegskampf ist ein sehr eigenes Handwerk. Aktuell hat man das Gefühl, dass die letzten Vier noch auf der Suche sind nach dem passenden Schlüssel für dieses Türschloss. Die Frage wird zu beantworten sein: Hat der ein oder andere den Schlüssel nur verlegt – oder schon unauffindbar verloren.