Rehberg: Partie gegen den SC Freiburg noch lange kein Endspiel

05er Johannes Geis mit SC-Spieler Mike Frantz. Foto: Sascha Kopp

An diesem Samstag laufen die 05er beim SC Freiburg auf. Sollte im Breisgau kein Sieg gelingen, müssen die Mainzer nicht depressiv werden. Den aktuellen 2-Punkte-Vorteil auf die...

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. Die Tabelle lesen im Abstiegskampf: Streng verboten - Zuwiderhandlung wird bestraft mit Haftstrafen nicht unter zwei Jahren! Das ist ein Gesetz, das jeder Trainer aufstellt für seine Spieler. Weil Hochrechnungen, Wochenendabgleichungen, Grübeleien über die Wer-gegen-Wen-Konstellationen an den letzten Spieltagen mit entsprechenden unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitsmodellen die Sinne vernebeln. Aber, wie das so ist im Fußball, für jedes Grundgesetz gibt es Ausnahmen.

An diesem Samstag laufen die 05er beim SC Freiburg auf. Mit zwei Punkten Vorsprung. Schaut man auf die letzten fünf Spieltage, dann ist erkennbar: Die Mainzer müssen nicht depressiv werden, sollte im Breisgau kein Sieg gelingen. Den 2-Punkte-Vorteil zu halten mit einem Remis, kann schon viel wert sein.

SC trifft noch auf vier Klubs, die hinter 05 stehen

Warum? Weil der SC Freiburg an den letzten fünf Spieltagen noch auf vier Klubs trifft, die auch hinter den 05ern stehen. Der Sportclub reist nach der Mainz-Partie nach Stuttgart, empfängt danach den SC Paderborn, reist danach zum Hamburger SV und am Schlusstag geht es für den SC nach Hannover.

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Das bedeutet: In diesen Duellen kann es immer nur einen Sieger geben - oder zwei Klubs, die nur einen Punkt machen. Das Aufhol-/ Überholpotenzial der betreffenden Klubs auf den letzten fünf Rängen ist gegenüber den 05ern damit stark eingeschränkt am jeweiligen Spieltag.

Das ist ein Fakt. Der kann beruhigen, der kann Zuversicht vermitteln. Entscheidend ist nun der Umgang mit dieser Konstellation. Und da ist die Falle versteckt: Sollten die 05-Profis auf den Gedanken kommen, an diesem Samstag reiche es mit wenig Risiko, Cleverness, Glück und Geschick in Freiburg auf ein Pünktchen zu spekulieren, dann wäre das eine ganz schlechte Herangehensweise.

Ab mit dem Stecker in die Starkstromdose

Denn die Erfahrung lehrt: Für ein Remis in Freiburg muss man nicht weniger investieren als für einen Sieg. Also: Vergessen wir die Tabellenkalkulation ganz schnell wieder. Wenn dieser mathematische Vorteil der Mainzer irgendeinen Einfluss auf die Leistungsbereitschaft im Solar-Stadion haben sollte, dann den: Ab mit dem Stecker in die Starkstromdose, sechsten Gang einlegen, Fuß auf dem Gaspedal halten.

Um ein Endspiel handelt es sich nicht im Breisgau. Endspiel heißt: Der Sieger hat alles gewonnen, der Verlierer hat alles verloren. Das wird sich nicht ergeben in Freiburg. Aber es ist ein Schlüsselspiel. Sollte es einen Sieger geben im Schwarzwald, dann wird dieser Sieger mit mächtig breiten Schultern in die letzten fünf Spieltage gehen. Der Verlierer? Der hat ein paar Sorgen mehr - aber der hat weiterhin alle Chancen im Langstreckenrennen Abstiegskampf.

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Die Freiburger haben sich zuletzt Selbstvertrauen erarbeitet. 2:0 gegen den FC Augsburg, 1:0 gegen den 1. FC Köln, 0:0 beim FC Schalke 04. Das spricht für Nervenstärke, gute Moral, Zusammenhalt und nach drei Spielen ohne Gegentor vor allem für defensive Stabilität. Was auch daher rührt, dass SC-Coach Christian Streich nach vielen Verletzungsproblemen endlich alle seine Leistungsträger im Training und am Wettkampftag auf dem Spielfeld hat. Das schafft Vertrauen.

Streich hat seine beste Besetzung am Start

Insbesondere in der Offensivabteilung gab es immer wieder Ausfälle, auch Formschwankungen. Jetzt hat Streich seine beste Besetzung am Start: Der torgefährliche Nils Petersen als Mittelstürmer, der brillante Dribbler Admir Mehmedi als kreativer Herumtreiber und Einfädler, Jonathan Schmid als Tempobolzer am Flügel, Mike Franz als ebenso flexibler wie aggressiver Pressingstürmer.

Physisch, taktisch und spielerisch sollte es keine großen Unterschiede geben zwischen beiden Mannschaften. Auch wenn die 05er aktuell größere Verletzungssorgen haben, insbesondere in der Innenverteidigung und auf den äußeren Offensivpositionen. An diesem Tag aber werden neben der taktischen Disziplin kollektive Energie, Widerstandsgeist und Behauptungswillen eine entscheidende Rolle spielen. Das war in den Mainzer Duellen mit dem Team des emotional wilden Christian Streich nie anders.

Kleine Unterschiede in der Entschlossenheit, in der Handlungsschnelligkeit und in der Handlungskonsequenz geben den Ausschlag: Wer will mehr in diesen 90 Kampfminuten? Wer hat die Mentalität, in diesen wichtigen Spielen seine Grenzen noch einmal nach oben zu verschieben?

Junior Diaz oder Gonzalo Jara als Bungert-Ersatz?

Martin Schmidt hat zwei personelle Entscheidungen zu treffen: Junior Diaz oder Gonzalo Jara im Abwehrzentrum für den verletzten Niko Bungert und Pablo de Blasis oder Jairo auf der Position am Flügel in der offensiven Dreierreihe? Der Zweikämpfer Diaz hat sich nicht schlecht behauptet beim 2:3 gegen Bayer Leverkusen, auch nicht in der Spieleröffnung; die weiten diagonalen Flugbälle von Diaz können auch in Freiburg Wirkung erzielen.

Jara ist ein (zuweilen fehlerhafter) Fußballkrieger, der nicht minder hart verteidigt; der Chilene bringt als Vorteil das bessere Flachpassspiel ein. Oder entscheidet sich Schmidt gar für die Variante mit drei Innenverteidigern im Abwehrzentrum, auch, um die Außenverteidiger noch weiter nach vorne verschieben zu können im zu erwartenden Pressingkampf in den Mittelfeldzonen?

De Blasis hatte zuletzt zwei schwächere Auftritte, in Bremen und gegen Bayer 04 konnte der Argentinier sich nur ganz selten durchsetzen. Jairo ist nach seiner Genesung frisch, er ist aktuell als leichtfüßiger Umschaltstürmer der einzige zur Verfügung stehende Flügelspezialist. In der Arbeit gegen den Ball ist de Blasis inzwischen einen Schritt weiter als der junge Spanier. Immerhin, der Trainer hat wieder unterschiedliche Optionen.